von Oliver Cruzcampo
   

NPD-Demos in M-V: Folgt auf Mvgida nun „Freidenken“?

Zum zweiten Mal mobilisierte die „Protestbewegung Freidenken“ auf die Straße, 230 Teilnehmer fanden sich am Sonnabend in Anklam ein, um gegen die Corona-Maßnahmen zu protestieren. Maßgeblich in die Durchführung eingebunden war die NPD – die Vorgehensweise erinnert an die Mvgida-Demos aus dem Jahr 2015.

In der Nacht auf Sonnabend wurden etliche Banner zerstört, die über Anklam verteilt für demokratische Werte werben sollten und als Gegenentwurf zur gestrigen rechtsextremen Demonstration dienen sollten. Die Aktion verdeutlicht, wo die Anhänger zu verorten sind.

Rund 230 Personen fanden sich auf dem Marktplatz in Anklam an. Doch auch nach Veranstaltungsbeginn wurde das Tragen von Mund-Nasen-Schutz oder das Einhalten der Abstände fast vollständig ignoriert. Erst nach mehrmaliger Aufforderung und unter Androhung, dass sich der Trupp nicht in Bewegung setzen dürfe, folgte die Mehrheit widerwillig der Aufforderung.

Strafverfahren eingeleitet

Es folgten weitere Missachtungen, so wurde später gegen den NPD-nahen Anmelder Ronny M. ein Strafverfahren eingeleitet. Wegen zu lauter Musik wurde eine Ordnungswidrigkeitenanzeige gefertigt, weitere Anzeigen folgten gegen 15 Teilnehmer, die sich nicht an die Kontaktbeschränkungen hielten.

"Freidenker"-Demo mit NPD-Beteiligung in AnklamWeitere Fotos vom gestrigen Demo-Geschehen finden sich auf Flickr

Die Demo ähnelte in vielen Punkten dem NPD-Aufmarsch vom 1. Mai in Greifswald. Gleich mehrere der NPD zuzurechnende Banner tauchten am Sonnabend erneut in Anklam auf, ein blauer Transporter, der seit Jahren auf Aufmärschen der NPD dabei ist, sorgte für Musik und Technik. Und erneut stand der Landesvorsitzende der Neonazi-Partei, Stefan Köster, am Mikrofon.

Von Corona zu „Millionen Fremden“

Anfangs sprach der ehemalige Landtagsabgeordnete noch zum eigentlichen Thema, den Corona-Maßnahmen, fiel dann aber schnell in alte Schemata zurück und wetterte gegen „afrikanische Drogenverkäufer“ in Berlin, „Millionen Fremde“ und „Volksverräter“. Auch NPD-Politiker Michael Andrejewski aus Anklam hielt mehrere Reden.

Trotz der offensichtlichen Verortung am extrem rechten Rand schlossen sich einige Dutzend bürgerliche Teilnehmer der Veranstaltung an, teilweise aus dem Querdenker-Spektrum und stellten Livestreams zur Verfügung.

Landtagswahlen im September

Als Stefan Köster vor zwei Wochen ankündigte, wieder häufiger auf die Straße zu gehen, waren damit wohl auch explizit Demonstrationen gemeint, die nicht unter dem Label NPD laufen. Bereits Ende März fand in Eggesin die erste Versammlung unter dem Namen „Protestbewegung Freidenken“ statt, die Vorgehensweise erinnert stark an die Jahre 2015 und 2016, als die NPD unter dem Namen Mvgida auftrat. Damals profitierten die Neonazis von steigenden Flüchtlingszahlen und konnten auf Dutzenden Demos bürgerliche Teilnehmer einsammeln. Es half allerdings wenig – zur Landtagswahl im September 2016 reichte es dennoch nur zu drei Prozent. Die NPD flog nach zehn Jahren aus dem Landtag.

Auch dieses Jahr wird im September wieder gewählt, die Analogien sind offensichtlich. Es bleibt abzuwarten, ob die NPD unter dem Label „Protestbewegung Freidenken“ weiterhin auf die Straße gehen wird. Am 22. Mai findet derweil die nächste Versammlung statt, diesmal in Schwerin, beworben wird diese von der Kreistagsfraktion „Heimat und Identität“, Mitglied der Fraktion: Stefan Köster.

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