von Oliver Cruzcampo
   

NPD-Demo in Berlin: Eine Runde um den Block

Während in Frankfurt der NPD-Aufmarsch aufgrund von Blockaden nicht stattfand, konnte Holger Apfel in Berlin mit knapp 500 Anhängern die gesamte Strecke ablaufen. Die geplante Verhinderung linker Gruppierungen ist misslungen. Allerdings handelte es sich um eine Mini-Strecke, die NPD-Redner blieben am Ende unter sich.

Klares Ziel in Berlin am heutigen Tag der Arbeit: Blockade. Mehrere linke Gruppierungen hatten seit Wochen zu Blockaden der geplanten NPD-Demonstration durch Schöneweide aufgerufen. Die Rechtsextremen sollten in der Hauptstadt keinen Meter marschieren können. 

Zunächst sah es auch danach aus. Bereits in den frühen Morgenstunden hatten sich vier junge Männer an einer Betonpyramide angekettet und es sich direkt auf der geplanten Route bequem gemacht. Doch um 12 Uhr gelang der Polizei mit schwerem Geschütz, die vier Personen inklusive des Betonklotzes auf einen Polizeitransporter zu hieven und abzutransportieren.

Wenige Minuten später startete der Aufmarsch der Rechtsextremen durch Schöneweide, eine Hochburg der rechtsextremen Szene in Berlin. Dort befinden sich u. a. auch die Neonazi-Kneipe „Zum Henker“ oder der Laden „Hexogen“ des Landesvorsitzenden Sebastian Schmidtke. Auch der Tross von laut Polizeiangaben 480 Anhängern marschierte gleich zu Beginn durch die Brückenstraße und somit an beiden Lokalitäten vorbei. 

Viel Zeit zum Protestieren unter dem Motto „Genug gezahlt - Wir sind keine Melkkuh Europas“ blieb der NPD hingegen nicht. Die Route verlief über die Spree, nach wenigen Hundert Metern befand sich die Neonazis dann schon wieder auf der Rückweg. Die Gesamtstrecke belief sich auf gerade einmal 2,5 Kilometer, nach 90 Minuten waren Holger Apfel und seine Anhänger bereits am Startort angekommen.

Doch das dürfte den Parteivorsitzenden kaum gestört haben. Denn im Gegensatz zu Frankfurt, wo Parteivize Udo Pastörs als Redner angekündigt war, gelang in der Hauptstadt keine Blockade. Der „Gute Miene zum bösen Spiel.

Bereits im März hatte Stefan Köster, NPD-Landesvorsitzender Mecklenburg-Vorpommern, angekündigt, dass sein Landesverband erstmals zum 1. Mai keine eigene Demonstration auf die Beine stellen, sondern sich dem Berliner Aufmarsch anschließen würde. Rund 100 Neonazis aus dem Norden folgten dem Aufruf, darunter etliche Funktionäre.

Auf der Route der NPD nahm ausschließlich Landeschef Sebastian Schmidtke das Mikrofon in die Hand, um gegen die EU und den Euro zu wettern. Holger Apfel, Ex-Vorsitzender Udo Voigt, Bundesgeschäftsführer Jens Pühse und Parteivize Frank Schwerdt beschränkten sich darauf, das Transparent vor sich herzutragen.
Erst zurück am S-Bahnhof Schöneweide war eine Bühne aufgebaut worden, wo dann Apfel und andere Parteifunktionäre ihre Reden hielten – jedoch ausschließlich vor eigenem Klientel. Zum Ende war selbst ein Großteil der angereisten Neonazis schon aufgebrochen.

Zuvor war die Journalistin Andrea Röpke von Neonazis bedrängt worden, die Polizei griff erst zu spät ein. Nachdem die Rechtsextremismus-Expertin zum genauen Verlauf befragt wurde, ließ der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende aus M-V, Michael Gielnik, noch einen „Gruß“ gen der bekannten Neonazi-Gegnerin verlauten: „Röpke, halt dein Lügenmaul“.

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