von Robert Scholz
   

NPD-Blatt räumt auf – Jürgen Schwab und Axel Reitz erhalten Schreibverbot

Kaum eine Gelegenheit lässt sich die NPD entgehen, um darauf hinzuweisen, dass es keine Zensur geben dürfe. Umso erstaunlicher, dass sie in ihrer Parteizeitung „Deutsche Stimme“ nicht unumstrittenen Autoren nun Schreibverbot erteilt hat. Betroffen ist zum einen der Publizist und NPD-Querdenker Jürgen Schwab und zum anderen Axel Reitz, dem die taz einst den Beinamen „Hitler von Köln“ verlieh.

Offenbar als Kompensationshandlung ist es mit der Autorschaft von Jürgen Schwab im NPD-Organ „Deutsche Stimme“ nach knapp einem Jahr schon wieder vorbei. Der Publizist, der sich selbst als „Sozialrevolutionär“ bezeichnet und in der Vergangenheit für eine Querfront von rechts und links geworben hat, musste nach eigenen Angaben gehen, da sich die „Deutsche Stimme“ von einem ihrer anderen Autoren, dem Hitlerverehrer Axel Reitz, trennen will.

Auf einem rechten Nachrichtenportal erklärte Schwab zum „Rausschmiss“, dieser sei erfolgt, um den „NS-Folkloristen“ Genugtuung dafür zu verschaffen, dass auch der regional bedeutende Aktivist aus dem Spektrum der parteifreien Kräfte, Axel Reitz, vor die Tür gesetzt wurde. Für diese Lösung sollen sich Schwab zufolge der noch amtierende Parteivorsitzende Udo Voigt und der Berliner NPD-Landesvorsitzenden Uwe Meenen eingesetzt haben, die vor kurzem in Berlin einen zweifelhaften Wahlkampf geführt hatten.

Der Grund dafür, dass ausgerechnet Schwab zum Bauernopfer der NS-Säuberungsaktion in der „Deutsche Stimme“ geworden ist, liegt gut ein Jahr zurück und fällt zusammen mit dem erneuten Engagement Schwabs als Autor der „Deutsche Stimme“. In der ersten Ausgabe nach sechsjähriger Abstinenz im NPD-Organ forderte er in einem Interview mit DS-Chefredakteur Karl Richter, dass die NPD ihr „soziales Profil weiter schärfen“ müsse. Ein „reflexhafter Antikommunismus“ gegen alles Linke sei dabei allerdings nicht förderlich und unzeitgemäß. Zur Illustration dieser Forderung blickte er Zurück in die Vergangenheit: „Der schlimmste Fehler besteht darin, wenn nationale Kräfte heute wieder in die Rolle der Freikorps der Jahre 1919 und 1920 zu schlüpfen versuchen, um die bürgerliche, das heißt kapitalistische ,Demokratie‘ gegen eine soziale Revolution zu verteidigen.“

Dieser Satz wurde zum Auslöser eines mehr als befremdlich anmutenden öffentlich geführten Streits zwischen Schwab, der als Marxist beschimpft wurde auf der einen und den „parteifreien“ Kräften Ralph Tegethoff und Axel Reitz auf der anderen Seite. Den Anfang machte Tegethoff, der Schwab Freikorpslästerung vorwarf. „Die historisch falschen und unverschämten (teilweise verschämt versteckten) Angriffe gegen die Freikorps könnte man auch so in der ,Taz‘ oder der ,Roten Fahne‘ lesen“, lies er Schwab unmittelbar nach der Veröffentlichung im September wissen. In die gleiche Kerbe schlug wenig später mit Axel Reitz ein regional bedeutender Aktivist aus dem Spektrum der freien Kameradschaften. Ihn ließ die NPD-Parteizeitung im eigenen Blatt Stellung beziehen: Demnach hätte Schwab die Rolle der Freikorps verkannt, da die Situation 1919/1920 keine „soziale Revolution“ gewesen sei. Ohne die Freikorps wäre mit der „,Diktatur des Proletariats‘, eine Terror- und Schreckensherrschaft von Rußland aus ferngesteuerter Kommunisten“ errichtet worden.  Womit Reitz und Tegethoff den „Kardinalfehler“ begehen, vor dem Schwab noch gewarnt hatte: Reflexhafter Anti-Kommunismus.

Für Reitz dürfte das Schreibverbot für Schwab zumindest ein Teilerfolg sein, auch wenn er selbst künftig nicht mehr als Autor in Erscheinung treten soll. Sonderlich erfolgreich ist die Verbannung der NS-Folkloristen aus der NPD-Parteizeitung ohnehin nicht. In der Oktoberausgabe verfasst nicht nur der Holocaustleugner Horst Mahler weiter seine Kolumne. Mahler befindet sich in der Ausgabe sogar unter Gleichen, denn auch Ursula Haverbeck-Wetzel, mehrfach wegen Bestreitens des Holocaust verurteil, steuerte der Ausgabe einen ganzseitigen Artikel bei.

Kommentare(4)

b.c. Montag, 17.Oktober 2011, 18:03 Uhr:
der schwab ist eigentlich auch viel zu intelligent fuer die NS-folkloristen.
 
Peter Panda Mittwoch, 19.Oktober 2011, 15:18 Uhr:
axel reitz ist aber einer der schlimmsten sorte. das er für seine führer anbetung nicht schon längst hinter gittern sitzt....
 
natzomat Donnerstag, 20.Oktober 2011, 09:45 Uhr:
Die NPD ist eine bürgerliche Partei, der linke Flügel ist Mob.
 
L.N Donnerstag, 20.Oktober 2011, 13:51 Uhr:
Interessant sind ja die Kommentare über Schwab bei Altermedia, das lässt Tief blicken über den geistigen Zustand des NW. Da warten wohl einige auf die Rückkehr des Führers. Ich finde solche Seiten wie Altermedia toll, da zeigen die Nazis, welch Geisteskind sie in Wahrheit sind. Ich lese praktisch fast in jeden 3. oder 4. Satz das Wort Juden und Verschwörung.
 

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