von Redaktion
   

Norddeutschland heißt Flüchtlinge willkommen - mit Ausnahmen

Eine Mehrheit der Norddeutschen empfindet die ankommenden Flüchtlinge laut einer NDR-Umfrage als Bereicherung für das Leben in Deutschland. Die Ablehnung von Asylbewerbern ist dessen ungeachtet weit verbreitet, vergleichsweise hoch ist sie in Mecklenburg-Vorpommern. Wenig überraschend sind Befürchtungen im Lager der AfD-Anhänger besonders ausgeprägt.

Viele Norddeutsche sagen willkommen - aber nicht alle (Foto: Oliver Cruzcampo, Archiv)

Die Flüchtlingszahlen steigen – und mehr als die Hälfte der Einwohner von Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sieht in Asylbewerbern eine Bereicherung für Deutschland (52 Prozent). Vier von zehn Befragten sind hingegen nicht dieser Meinung. Gleichzeitig glauben aber 61 Prozent, Flüchtlinge würden perspektivisch für den deutschen Arbeitsmarkt gebraucht. 35 Prozent der von infratest dimap im Auftrag des NDR repräsentativ mehr als 1.000 interviewten Menschen bestreiten diese Notwendigkeit. Und während 58 Prozent keine Angst vor „vielen“ Flüchtlingen haben, sehen dies 41 Prozent der Norddeutschen anders. Fast unentschieden ist die Bevölkerung in der Frage, ob sich „die meisten Flüchtlinge der Lebensweise und den gesellschaftlichen Regeln in Deutschland anpassen werden“: 47 Prozent stimmen „eher zu“, 46 Prozent demgegenüber „eher nicht“.

Fast zwei Drittel der Menschen, nämlich 61 Prozent, sind mit der Asylpolitik der Bundesregierung weniger oder gar nicht zufrieden. 36 Prozent stellen der Großen Koalition ein gutes Zeugnis aus. Während sich unter den Anhängern der Bundestagsparteien und der FDP – mit Ausnahme der Linken (29 Prozent zufrieden, 61 Prozent nicht) – Zufriedene und Unzufriedene in etwa in gleichem Maße gegenüberstehen, fällt unter den Sympathisanten der Alternative für Deutschland das Votum besonders eindeutig aus: 99 Prozent üben Kritik an Schwarz-Rot.

Regionale Unterschiede

Die Demoskopen stellten regional deutliche Unterschiede fest. In Mecklenburg-Vorpommern sind skeptische Haltungen weiter verbreitet als in den anderen vier Bundesländern. Diese Erkenntnis war zu erwarten, denn das Meinungsbild ist in den ostdeutschen Ländern ein anderes als im Westen der Republik. Die Hälfte der Menschen hierzulande fürchtet sich vor vielen Asylbewerbern (49 Prozent), eine ebenso große Anzahl glaubt, diese würden sich vermutlich schwer integrieren (51 Prozent). Zum Vergleich: In Hamburg hat nur jeder dritte Befragte Angst vor den vielen Flüchtlingen, die 38 Prozent für schwer integrierbar halten.

Bekanntlich gibt es in Mecklenburg-Vorpommern kaum Muslime. Trotzdem erwarten 68 Prozent der Bevölkerung mit den steigenden Flüchtlingszahlen einen „zu starken Einfluss des Islam“ (Hamburg: 46 Prozent). Neun Prozentpunkte weniger befürchten darüber hinaus eine zusätzliche Verschuldung der öffentlichen Haushalte (Hamburg: 55 Prozent). Eine Konkurrenzsituation auf dem Wohnungsmarkt ist zwischen Stralsund und Ludwigslust für 35 Prozent der Einwohner ein Problem. In der Großstadt Hamburg offenbart sich in diesem Punkt erwartungsgemäß ein anderes Bild: 61 Prozent haben diesbezüglich Sorgen. Vier von zehn Bürger Mecklenburg-Vorpommerns stimmen ferner zu, dass mit der Zahl der Flüchtlinge auch die Zahl der Straftaten zunehmen werde. Mit der Ausnahme von Hamburg (32 Prozent), bewegt sich dieser Wert ungefähr auf dem Niveau von Niedersachsen (42 Prozent), Schleswig-Holstein (39 Prozent) und Bremen (43 Prozen

Eindeutiges Bild unter AfD-Anhängern

Unter den AfD-Anhängern haben 81 Prozent Angst vor den vielen Flüchtlingen, sogar 86 Prozent sehen zukünftig einen gestiegenen Einfluss des Islam. Weit mehr als die Hälfte der Unterstützer von Frauke Petry, Alexander Gauland & Co. prognostizieren mehr Straftaten (60 Prozent). Positive Erwartungen sind demgegenüber in dieser Gruppe kaum vertreten. Nicht einmal jeder Zehnte glaubt an den wirtschaftlichen Bedarf an Flüchtlingen, obwohl die selbsternannte Alternative ein an diesen Kriterien ausgerichtetes Zuwanderungsrecht fordert. Lediglich 14 Prozent empfinden die neu ankommenden Menschen als Bereicherung. 

Kommentare(2)

Thomas Dienstag, 08.Dezember 2015, 06:49 Uhr:
Sie suggerieren in der Überschrift eine Volksbefragung- "Mehrheit der Norddeutschen". Fakt ist aber das in den genannten Bundesländern insgesamt 14463451 Menschen leben also fast 15 Mio.

Wenn wir diese Umfrage im Auftrag des Staatsfernsehens für einen Moment erst nehmen so geht daraus hervor das 1000 Menschen interviewt worden sein sollen. Und auch hier liegen die Meinungen in etwa gleich auf.

Hier von " Norddeutschland heißt Flüchtlinge willkommen" zu fantasieren verzerrt das ganze doch erheblich.
 
Roichi Dienstag, 08.Dezember 2015, 12:40 Uhr:
@ Thomas

Wozu solltest du dich auch mit Demoskopie und deren Methoden auseinandersetzen?
Das behindert doch nur dein Weltbild.
 

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