von Tim Schulz
   

„Nordadler“: Razzien gegen mutmaßliche rechtsterroristische Vereinigung

Die Bundesanwaltschaft hat heute mehrere Immobilien mit dem Verdacht auf Bildung einer terroristischen Vereinigung durchsuchen lassen. Konkret ging es um Wohnungen von vier Tatverdächtigen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen sowie einer nicht tatverdächtigen Person in Thüringen. Laut Angaben der Strafverfolgungsbehörde handelt es sich um die rechtsextreme Nordadler-Gruppe.

„Nach dem bisherigen Ergebnis der Ermittlungen eint die Beschuldigten eine nationalsozialistische Gesinnung. Vor diesem Hintergrund sollen sie sich zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt, spätestens aber Anfang 2017, unter dem Namen `Nordadler´ zu einer rechtsterroristischen Vereinigung zusammengeschlossen haben. Ziel der Vereinigung soll es gewesen sein, dem Nationalsozialismus in Deutschland zum Wiedererstarken zu verhelfen.“ Mit dieser Begründung durchsuchten Polizisten am Vormittag die Privaträume mutmaßlicher Mitglieder der Gruppe in Norddeutschland. Nachdem zunächst die Generalanwaltschaft Celle die Ermittlung begonnen hatte, übernahm die Bundesanwaltschaft im Januar das Verfahren.

Die Rechtsextremen hätten auch Anschläge in Erwägung gezogen und versuchten, zu diesem Zweck Waffen und Sprengstoff zu beschaffen. Da nicht klar ist, ob die Gruppe bereits bewaffnet war und welches Gefahrenpotential von der Gruppe ausgeht, wurden Spezialeinsatzkommandos hinzugezogen. Zu Festnahmen sei es bislang nicht gekommen.

Völkische Lebenswelten

Die Gruppe war der breiten Öffentlichkeit bislang größtenteils unbekannt. Selbst Szenekennern war der Name der mutmaßlichen Terrorgruppe kein Begriff. Jedoch scheinen sich Parallelen zu anderen teils isolierten, rechtsextremen Zellen abzuzeichnen, die sich im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise radikalisierten. Wie genau die Gruppe entstand und ob Kontakte zu anderen rechtsextremen Vereinigungen bestand, bleibt vorerst unklar.

Auf einer Facebook-Seite mit dem Namen „Nordadler“ findet sich eine Mischung aus verschwörungstheoretischen, rassistischen, islamfeindlichen und antisemitischen Inhalten. Auch der mutmaßliche Internetauftritt der Vereinigung spricht Bände über deren Weltanschauung: Das selbsternannte „Autarkie und Oppositionsprojekt“ weckt Assoziationen zu völkischen Siedlern. Eigenen Aussagen nach plante die Gruppe „Nordadler“ Immobilien in Ostdeutschland zu erwerben, Schulungszentren aufzubauen und Wehrsportübungen zu veranstalten. Erklärtes Vorbild für das Vorhaben: der Reichsarbeitsdienst.


Ein von der Gruppe gepostetes Foto; Screenshot

In der erst zwei Tage alten Veröffentlichung ist die Rede von einem „gemeinsamen Projekt“ und dem „Aufbau der Infrastruktur“. Als Zentrum sollte offenbar der Harz dienen. Dort sollten sich dann nach dem Willen der Gruppe „Siedler, Handwerker und Familien“ niederlassen, später dann Bauern und Arbeiter. Weiter ist die Rede von einem „Schulungszentren für politische Soldaten“ und „paramilitärischen Übungen“.

Online verstiegen sich die Mitglieder der Gruppe dazu, den NSU-Terror zur staatlichen Verschwörung zu erklären. Die Regierung hätte „mit einstimmiger Unterstützung aller anderen Parteien im Jahr 2011 zwei ermordete mutmassliche V-Leute (Uwe und Uwe) nachträglich zur größten Terrorzelle in der deutschen Geschichte aufgebaut, indem die Polizei einfach die passenden Beweismittel (Pistole von Kiesewetter, „Dönermord-Ceska“, etc.) im Umfeld der beiden Sündenböcke platzierte“, so ein Post auf deren Facebookseite. Abgesehen davon wurden auf deren Internetseite für das rechtsextreme Weltbild typische Theorien über den „minderwertigen Liberalismus“, die Freimaurer und das Judentum verbreitet.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen