von Oliver Cruzcampo
   

Noch nicht genug? NPD will erneut in Neumünster auflaufen

Mit einem Wahlkampf-Debakel gibt sich die NPD nicht zufrieden. Am kommenden Sonnabend – einen Tag vor der Landtagswahl – wollen die Rechtsextremen nun erneut in Neumünster aufmarschieren. Die Stadt zieht ein Verbot in Betrachtung.

Am gestrigen Mittwoch und somit nur einen Tag nach der missglückten Demonstration meldete die schleswig-holsteinische NPD die nächste Demonstration in Neumünster an. Sie nehmen einen zweiten Anlauf und wollen auf der ursprünglich für den 1. Mai vorgesehen Wegstrecke durch die Stadt marschieren.

Am Tag der Arbeit sollte in der 77.000-Einwohner-Stadt die zentrale Wahlkampfveranstaltung der NPD stattfinden, die Demonstration wurde bereits seit etlichen Monaten beworben. Am Ende kam der Verlauf jedoch einem Fiasko gleich. Nicht nur die gewünschte Route konnte nicht abgelaufen werden – auch über 100 Neonazis wurden durch die Polizei in Gewahrsam genommen. Auch der stellvertretende NPD-Vorsitzende Udo Pastörs, der von der NPD Schleswig-Holstein prominent als Headliner beworben worden war, wurde von der Polizei abgeführt. Ebenso der NPD-Spitzenkandidat Jens Lütke, sowie weitere Landtagskandidaten der rechtsextremen Partei.

Rund 30 NPD-Anhänger hatten sich – wie angemeldet – am Hauptbahnhof versammelt und auf die restlichen rechtsextremen Demogänger gewartet. Doch vergeblich. Die übrigen rund 100 NPD-Teilnehmer änderten spontan den Plan und stiegen am Bahnhof Neumünster-Süd aus. Sie hatten von Blockaden gelesen und wollten diese so umgehen. Die Polizei stoppte die Gruppe Rechtsextremer allerdings nach wenigen Metern und nahm die Personen nach einem „NPD-Sitzstreik“ in Gewahrsam.

In einem Video ist Udo Pastörs in einem Gespräch mit einem Polizeibeamten zu sehen, in dem er kurz vor seiner Ingewahrsamnahme sichtlich erbost auftritt. „Wir haben noch andere Szenarien im Hinterkopf“, so Pastörs. Und weiter: Der weitere Verlauf der NPD-Demonstration würde dann „nicht mehr kooperativ, sondern eskalativ ablaufen.“

Zu dem für kommenden Sonnabend geplanten zweiten Versuch wird der gefrustete NPD-Fraktionsvorsitzende sicherlich nicht erneut nach Neumünster anreisen. Ohnehin ist noch nicht geklärt, ob die Demonstration in der Form durchgeführt werden darf. „Wir müssen sehen, wie wir damit umgehen. Möglicherweise ist die Anmeldung zu kurzfristig“, sagte Oberbürgermeister Olaf Tauras der „SHZ“. Die Anmeldung, die ein Sprecher der Stadt gegenüber ENDSTATION RECHTS. bestätigte, soll um 12 Uhr starten. Momentan werden noch Gespräche geführt, auch ein Verbot müsse in Betracht gezogen werden.

Nach Aussagen der NPD, die „rechtlich gegen diese Polizeiwillkür vorgehen“ will, sei diese Maßnahme aber kein Ersatz für das Geschehen am 1. Mai. Daher habe man sich entschlossen, „die Veranstaltung erneut anzumelden“. Was genau sich die rechtsextreme Partei davon erhofft, bleibt unklar. Dem erneuten Aufruf dürften noch weitaus weniger als die rund 100 Anhänger vom Dienstag folgen. Die einzig spannende Frage bleibt ohnehin: Gelingt es der NPD am Wahlsonntag, die Ein-Prozent-Hürde zu überspringen? Denn nur so würden sie in den Genuss der staatlichen Parteienfinanzierung kommen.

Kommentare(1)

WW Montag, 07.Mai 2012, 19:47 Uhr:
Nur ein weiterer Rohrkrepierer...
 

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