Neurechtes Netzwerk

Rechtsintellektuelle Publizisten rühren die Werbetrommel für eine zweite Auflage einer Verkaufs- und Informationsbörse am 5. Oktober in Berlin.

Mittwoch, 19. Juni 2013
Horst Freires

Unter dem Titel „Zwischentag – freie Messe“ wollen Initiator Götz Kubitschek sowie Felix Menzel wieder gleich gesinnten Verlegern eine Plattform bieten. Dafür haben sie sich als Veranstaltungsort wie bereits im vergangenen Herbst das AVZ-Logenhaus im Berliner Bezirk Wilmersdorf ausgeguckt, welches in der Vergangenheit entsprechend seiner eigenen Referenzenauflistung neben dem Bundesministerium für Gesundheit, der Bertelsmann Stiftung, die Deutsche Bank, die Lufthansa, die Siemens AG, die Berliner CDU unter anderem auch die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Gewerkschaft ver.di zu seinen Gästen zählte. In seiner Terminauflistung hat das Logenhaus die Zusammenkunft anders wie etwa bei Esoterikmessen nicht gelistet – die geschlossene Gesellschaft will wohl auch unter sich bleiben, zumal es laut Ankündigung nur personalisierte und nicht übertragbare Zutrittskarten zu erwerben gibt.

Ein wie in den AVZ-Räumlichkeiten vorzufindendes vornehm-feudales Ambiente scheint dem früheren Bundeswehroffizier Kubitschek passend, residiert er doch selbst auf dem Rittergut Schnellroda in Sachsen-Anhalt. Der neurechte Vordenker ist federführender Redakteur der seit 2003 existierenden Zeitschrift „Sezession“ und Inhaber des Verlages Edition Antaios. Auch das Institut für Staatspolitik (IfS) unter der Regie von Erik Lehnert, das die „Sezession“ herausgibt, hat seine Kontaktanschrift auf besagtem Rittergut.

Illustres Spektrum bei der „freien Messe“

Das IfS richtet seit seinem Gründungsjahr 2000 die Tagungsreihe „Berliner Kolleg“ aus. IfS-Mitgründer Kubitschek war dort immer wieder Referent, wie auch bei den von dem gemeinnützigen Verein IfS seit nunmehr 13 Jahren ausgerichteten Sommer- und Winterakademien. Das IfS nimmt für sich selbst in Anspruch, wissenschaftlich zu arbeiten. Menzel, in Chemnitz zu Hause, ist über seine schülerburschenschaftliche Arbeit im neurechten Milieu aufgestiegen. Er war der Initiator des rechten Schüler- und Studentenmagazins „Blaue Narzisse“, das ursprünglich als Printprodukt herauskam, inzwischen aber hauptsächlich als Onlineportal wahrgenommen wird. Das Duo Kubitschek/Menzel trat auch schon 2011 in München organisatorisch in Erscheinung, als es eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sarrazin lesen“ auf die Beine stellte.

Ein Blick auf die Ausstellerliste des Vorjahres unterstreicht, welch illustres Spektrum sich bei der „freien Messe“ in Berlin versammelt hatte und wohl im Oktober ebenso wieder zu erwarten ist. Aber auch, welch gespanntes Netzwerk mit einem Event abrufbar ist.

So fehlte die rechtslastige Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) natürlich nicht, bei der Kubitschek früher als Autor tätig war. Als Verlage tauchten 2012 der Regin-Verlag aus Kiel, der die Öffentlichkeit so sehr scheut, dass er sich nur über eine Postfachadresse in der benachbarten Kleinstadt Preetz kontaktieren lässt, sowie der Ares-Verlag aus dem österreichischen Graz, der 2004 als Teilfortführung des Leopold Stocker-Verlages aus der Taufe gehoben wurde, auf. Unter den Ares-Autoren findet sich unter anderem der ultrarechte Ex-Generalleutnant Franz Uhle-Wettler, bekannt als Referent bei der  rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik (GfP), sowie seit 2010 auch der ehemalige Verfassungsschutzchef des Landes Thüringen, Helmut Roewer. Aus dem Hauses Ares stammt auch die vierteljährlich erscheinende Periodika „Neue Ordnung“, die nach einem Gerichtsurteil als „stark rechtsnational“ und „zum Teil das NS-Regime verharmlosend“ bezeichnet werden darf („Der Standard“).

Ebenso vor Ort war der seit dem vergangenen Jahr im brandenburgischen Treuenbrietzen beheimatete Telesma-Verlag. Inhaber Baal Müller pflegt seit Jahren aktive Kontakte zur JF, zur „Sezession“ und zum IfS. In seinem Verlagsprogramm hat Rechtsanwalt Björn Clemens den Justizroman mit dem Titel „Pascal Ormunait“ veröffentlicht. Clemens war von 1993 bis 2007 Mitglied der Republikaner. Seitdem ist er parteiungebunden, tauchte aber sowohl bei Veranstaltungen der Bürgerbewegung „pro Köln“, wie auch bei der NPD und früher bei der DVU oder der GfP auf. Der inzwischen als Versandantiquariat arbeitende Uwe-Berg-Verlag aus Toppenstedt präsentierte sich 2012 ebenfalls in Berlin. Über Jahrzehnte ist das Geschäftsgebaren des Ex-Funktionärs der verbotenen Wiking-Jugend und vom Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) Beobachtungsobjekt des niedersächsischen Verfassungsschutzes. Vor fünf Jahren hat Junior Dietrolf Berg die verantwortliche Position übernommen.

„Konservative Mode“ dabei

Die in Mannheim beheimatete Modemarke  „ProPatria“ war im vergangenen Jahr ebenfalls mit einem Stand in Berlin vertreten. Bei Gesprächen mit dem FPÖ-Spitzenmann Heinz-Christian Strache überreichte der JF-Vertriebschef Peer Lars Döhnert erst kürzlich dem österreichischen Rechtsaußen-Politiker ein Poloshirt des Mannheimer Modelabels, das es seit dem Frühjahr 2010 gibt. Die Textilmarke und deren Inhaber Johann-Wolfgang Schinkel wurden im Vorjahr unter anderem in der rechtsextremen Zeitschrift „Zuerst!“ aus dem Hause des Verlegers Dietmar Munier (Martensrade) sowie in dem extrem rechten Monatsmagazin „Aula“ aus Österreich wohlwollend vorgestellt.

Ebenfalls in Sachen Mode ist der Textilversand „Konmo“ unterwegs. Vorgestellt wurde die „konservative Mode“ (daher die Abkürzung) von Firmeninhaber Thorsten Gerlach unter anderem in der JF, in „Sezession“ und im März dieses Jahres sogar in der FAZ. Auf der „Konmo“-Homepage findet sich auch ein Link zur Deutschen Burschenschaft, die ebenfalls Gast beim „Zwischentag“ war. Ebenso dabei war die 1990 ins Leben gerufene burschenschaftliche Schülerverbindung Allgemeine Pennälerring (APR) mit ihren Dutzend Bünden.

Auch die monatlich erscheinende Verbandszeitschrift der Österreichischen Landsmannschaft, „Der Eckart“, präsentierte sich. Anfang 2005 ergriff das rechtsgerichtete Blatt beispielsweise noch Partei für den NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke. Mit dem „Freibund“ (früher BHJ) machte auch eine bündische Jugendbewegung Station auf dem Treffen.  Sie wird der  Neuen Rechten zugerechnet und es gibt von ihr zweimal im Jahr das Verbandsheft „na klar!“. Bis heute haben sich Grundzüge völkischer Kultur und Tradition in der Organisation gehalten.

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