von Andreas Landauer
   

Neurechtes Lifestyle-Magazin mit neonazistischen Werbepartnern

Aus Leverkusen kommt ein neues Lifestyle-Magazin für junge Rechte. Herausgegeben wird das Arcadi Magazin vom Sprecher des AfD-Kreisverbands Leverkusen, Yannick Noé, und seinem Publicatio e.V., beworben werden aber auch die Versandgeschäfte zweier Neonazis. Nach über einem Jahr als Internetblog erschien Ende Oktober die erste Printausgabe – „mit freundlicher Unterstützung von Einprozent.de“, wie es im Impressum heißt.

In ihrem selbsterklärten Kampf um die kulturelle Hegemonie stützt sich die Neue Rechte auf verschiedene Medien. Während das Compact-Magazin für die breite Masse ausgelegt ist, richtet sich die Sezession an eine elitäre Zielgruppe. Der Kopp-Verlag wiederum deckt die Nische der Esoteriker und Verschwörungsgläubigen ab. Jetzt zielt mit dem Arcadi Magazin erstmals ein neurechtes Printmedium auf eine junge Zielgruppe ab.

Einwanderung als Bedrohungsszenario

Im Stil einer hippen Boulevardzeitung werden Themen präsentiert, die „den jungen Rechten von heute“ interessieren. Beispielsweise berichtet Frederic Höfer, Beisitzer im AfD-Kreisverband Mülheim, wie er sich im Sommer französischen Identitären anschloss, um den Front National im Wahlkampf zu unterstützen. „Besonders die selbstlose Hingabe, Konzentration und Ausdauer der Identitären“ habe ihm imponiert. Simon Kaupert vom rechten Netzwerk „Ein Prozent für unser Land“ schreibt über die „Defend Europe“-Kampagne der Identitären, mit der im Sommer die internationale Seenotrettung im Mittelmeer behindert werden sollte. Denn „Migration nach Europa“, so Kaupert, würde „das Gesicht unseres einstmals blühenden Kontinents weiter zum Negativen verändern.“

Einwanderung gilt in den Augen neurechter Ideologen als schädlich für das mystifizierte Eigene. Oft wird behauptet, solche Bedrohungsszenarien würden absichtlich herbeigeführt. In Kauperts Artikel heißt es dazu: „Was wir derzeit erleben, sind die Folgen einer von Einzelinteressen bestimmte [sic!] Kaste von Berufspolitikern, die dank einer geschäftigen Negativauslese an die Spitze staatlicher Daseinsalimentierung gelangt sind. Sie sind schwach, wir sind es nicht.“

In die gleiche Kerbe schlägt die US-Bloggerin Brittany Pettibone, die für das Arcadi Magazin interviewt wird. „Ich wollte eine Schreib-Karriere verfolgen, jedoch habe ich realisiert, dass wenn Hillary Clinton Präsidentin wird, meine Karriere nutzlos werden würde. Sie hätte das Land Stück für Stück zerstört“. Kurz darauf wird sie noch deutlicher: „Der Krieg, den wir kämpfen, ist der wichtigste, denn er wird das Schicksal der westlichen Zivilisation entscheiden.“ Brittany Pettibone ziert auch das Front-Cover. In Deutschland wurde sie durch ihre Beteiligung an der „Defend Europe“-Kampagne und ihr Verhältnis zum medienaffinen österreichischen Identitären Martin Sellner bekannt.

Neurechter Lifestyle

Neben solchen offensichtlich rechten Themen finden sich im Heft auch Artikel, die mehr auf den Lifestyle abzielen. Luca Hart, ein ehemaliger Aktivist der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) und heutiger Identitärer, berichtet auf drei Seiten über seine Teilnahme an einem Extrem-Hindernislauf. Warum Mate „ein gewisses Rebellentum“ repräsentiere, „das abseits des Coca-Cola-Hauptstromes existiert“, erklärt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Alternative, Reimond Hoffmann. Und ein „Fräulein Frech“ gibt Tipps, an welchen Orten der Leser sein Sexleben wieder interessant machen kann. Dazwischen werden Computerspiele, Filme, Musik und Bücher besprochen.

Robin Classen, als Autor bisher für die Blaue Narzisse, die Hessen Depesche und Eigentümlich Frei tätig, steuert gleich mehrere Artikel bei, von denen einige aber vom Online-Auftritt des Arcadi Magazins recycelt worden sind. In einem Artikel über Gefängnisse schreibt er: „Ein bisschen weniger Luxus und die Gefängnisarbeit würde wenigstens einen etwas höheren Teil der Unterbringungskosten decken.“

Gerade die rezensierte Literatur spiegelt die Gedankenwelt der rechten Szene wider. Gleich mehrere Romane spielen mit rechten Angstszenarien, in denen Geflüchtete auf die Bevölkerung losgehen („Systemfehler I. Das Chaos“ von Rob Salzig, Antaios Verlag) und radikale Muslime die Bevölkerung unterworfen haben („Die Moschee Notre-Dame“, Jelena Tschudinowa, Renovamen-Verlag). In der Rezension zu „Die Kadetten des Alcázar“ (Jungeuropa Verlag) schafft es Chefredakteur Noé, den zentralen faschistischen Kontext nicht einmal zu erwähnen. Stattdessen habe er „fast schon den Eindruck, es handele sich hierbei um eine Dokumentation, die allein durch die Begeisterung der Charaktere und der beiden Autoren für den Kampf gegen den Kommunismus unterbrochen wird“. In dem Roman von 1936 verherrlichen zwei spätere französische NS-Kollaborateure den Gründungsmythos des spanischen Faschismus unter General Franco.

Werbung von AfD und Neonazis

Beworben werden rechte Verlage wie Jungeuropa, Renovamen und Antaios, die Versandläden der identitären Szene, Phalanx Europa, Cuneus Culture und ibladen.de, aber auch die Berliner Burschenschaft Gothia, die mit dem Slogan wirbt: „Politisch unkorrekt seit 1877“. In der Burschenschaft sind mehrere Mitglieder der Jungen Alternativen und der Identitären Bewegung korporiert.

Auch die Anwaltskanzlei des AfD-Politikers Dubravko Mandic hat eine Anzeige platziert. Sie wirbt mit Unterstützung, „wenn es um politisches Strafrecht und politisch motivierte Strafverfahren gegen Dissidenten und Sezessionisten geht.“

Auf den Seiten eines Artikels über Mixed Martial Arts stechen die Anzeigen zweier Textilversände besonders ins Auge: Greifvogel Wear und Sonnenkreuz. Greifvogel Wear tritt als Sponsor rechtsextremer Kampfsportevents auf und wird vom Neonazi und Hooligan Sebastian Raack betrieben. Dort in der südbrandenburgischen Gemeinde Lindenau befindet sich auch sein Rechtsrock-Label „OPOS Records“. Sonnenkreuz hingegen gehört dem umtriebigen Neonazi Frank Krämer. Neben seiner Tätigkeit als Gitarrist der Rechtsrock-Bands Stahlgewitter und Halgadom hält er Redebeiträge, unter anderem beim „Seminar für rechte Metapolitik“, das im November auf dem Rittergut Guthmannshausen stattgefunden hat.

Nicht fehlen darf am Ende ein Beitrag, der wie eine geschaltete Anzeige der Bundeswehr anmutet. „Warum du als Kerl zur Bundeswehr gehen solltest“, prangt in riesigen Lettern auf eine gesamte Seite aufgezogen. Die Organisation hätte angesichts mehrerer rechtsextremer Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit auf solche Avancen aus dem rechten Lager wohl gerne verzichtet. Als Einstieg wählt der Autor folgenden Satz: „Es klingt martialisch, aber es ist wahr: das oberste Handwerk eines Soldaten ist das Töten.“

Die erste Ausgabe des Arcadi Magazins macht deutlich, wie klein die Berührungsängste mancher AfD- und JA-Mitglieder nicht nur mit der identitären Szene, sondern auch mit bekannten Neonazis sind. Unvereinbarkeitsbeschlüsse der AfD scheinen hier nicht mehr zu gelten.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen