von Redaktion
   

#Neuland bei der NPD: „DSTV“ lädt zum Zeitunglesen auf Youtube

Für Parteien in Deutschland ist seit vielen Jahren Standard, politische Inhalte neben mittlerweile klassischen Webseiten, Twitter und Facebook beispielsweise auch per Web-TV über Video-Plattformen zu verbreiten. Nun startet die rechtsextreme NPD ihrerseits den Versuch, mittels „Deutsche Stimme TV“ (DSTV) mehr Unterstützer zu erreichen und der verheerenden Außenwirkung der Partei entgegenzuwirken.

Screenshot "DSTV" auf YouTube – Zeitunglesen mit der NPD.

Für den NPD-Bundesvorsitzenden Frank Franz geht es dabei um weit mehr, als eine filmische Ergänzung der Partei-Zeitschrift „Deutsche Stimme“ (DS). Franz ist mit Blick auf Imagepolitur und bessere Wahlergebnisse der NPD zum Erfolg verpflichtet, hat er diese doch zu wesentlichen Zielen seiner eigenen Kandidatur zum Parteivorsitzenden gemacht.

In diesem Kontext geht es in NPD-Kreisen seit Jahren darum, das Sorgenkind „Deutsche Stimme“ bekannter und kommunikativ wirksamer zu machen. Insofern dürfte die Einführung eines Web-TVs des „DS-Verlages“ wohl die erste wirklich neue und etwas größere Maßnahme im Bereich Kommunikation unter Frank Franz sein. Hinzu kommt, dass die NPD sich in den vergangenen Jahren fast ausschließlich auf Facebook konzentriert hat. Nun soll die Crossmedia-Strategie also um die – vor allem bei jüngeren Menschen – sehr beliebte Dimension YouTube ergänzt werden. Bekanntere und ansprechende Serien- und Web-TV-Formate erreichen auf YouTube mühelos ein Millionenpublikum.

Das YouTube-LLL: Langsam, langweilig, laienhaft

Wer es diesen Vorbildern gleichtun möchte, sollte sich jedoch vertiefte Gedanken um das eigene Format machen. Für hunderttausende erfolglose YouTube-Kanäle gilt nämlich: thematisch langsam, inhaltlich langweilig und technisch laienhaft. Ob „DSTV“ zündet, wird also davon abhängen, ob diese drei „L“ umgangen werden. In der Erläuterung des „DSTV“ ist zu lesen, man wolle „künftig regelmäßig über aktuelle Ereignisse und Themen berichten“, in der ersten Ausgabe werde die April-Ausgabe der DS vorgestellt. Stichwort: Zeitunglesen mit der NPD.

Dazu nehmen die beiden DS-Geschäftsführer Andreas Storr, seines Zeichens Ex-NPD-Landtagsabgeordneter und Mitglied des Bundesvorstandes, und der frühere NPD-Fraktionsmitarbeiter und Chefredakteur des Parteiblattes, Peter Schreiber, vor schmucklosen Wänden und einem DS-Aufsteller auf dunkelbraunen, gediegenen Leder-Polstermöbeln Platz und zelebrieren ein rund 15-minütiges uninspiriertes Frage-Antwort-Spiel. Konzept: Storr bittet seinen Kollegen Schreiber, die Inhalte einzelner Artikel wiederzugeben.

„Wann tritt eigentlich Volker Bouffier zurück?“

Sofort zu Beginn stellt der Moderator (Geschäftsführer Storr) seinem „Studiogast“ (Geschäftsführer Schreiber) dann auch die brennendste aller Fragen: „Welche Aufgabe nimmt denn eigentlich die Deutsche Stimme in der publizistischen Landschaft der Bundesrepublik Deutschland ein?“. Schneider: „Ja, Guten Tag, Danke für die Einladung.“ Dann kommen Ausführungen zu den DS-Mediadaten, die NPD-Postille soll eine Auflage von 20.000 Exemplaren haben. Drei von vier potentiellen Lesern wären demnach keine Parteimitglieder. Die auf YouTube relevante Absprungrate – also der Anteil aller Zuschauer, die ein Video zu einem bestimmten Zeitpunkt ausschalten – dürfte schon nach den ersten 1,5 Minuten ihren Höhepunkt erreicht haben.

Es folgen ermüdende weitere 14 Minuten zu unterschiedlichsten Themen, die allesamt in der aktuellen Monats-Ausgabe der „Deutschen Stimme“ abgedruckt sind: „Wann tritt eigentlich Volker Bouffier zurück?“, „Sollte die DS auch über Tierschutz berichten?“, „Worum geht es der DS eigentlich?“. Nach insgesamt einer Viertelstunde (gefühlt deutlich länger) Gespräch bedankt sich DS-Geschäftsführer Storr artig bei DS-Geschäftsführer Schreiber für die Beantwortung der Fragen und wünscht dem Projekt „Deutsche Stimme“ weiterhin viel Erfolg. Ob sich letzterer jedoch durch das neue „DSTV“ wird steigern lassen, ist mehr als fraglich.

Kommentare(3)

Insider wissen mehr! Montag, 30.März 2015, 13:47 Uhr:
DSTV wird dem „Firle-Franz“ an der Facebook-Front wohl kaum Entlastung bringen können! Erinnert alles ein bißchen an die Armee Wenck. Auch sein Bundesschatzmeister Storr scheint mit Schreibers Antworten nicht immer hundertprozentig zufrieden zu sein.
 
Nomen Dienstag, 31.März 2015, 01:38 Uhr:
Keine Mikrofone, daher laienhafter Ton. Abgesehen von Intro und Outro keinerlei Einblendungen, daher noch langweiliger als eh schon. [gekürzt; die Redaktion]
 
NPD-Hurra Samstag, 04.April 2015, 18:35 Uhr:
Schon vorher lebte diese sonderbare Partei schon regelmäßig in ihrem kleinen eigenen Sumpf, ihrer Szene, die in einer ganz eigenen Welt lebt, alltägliche Dinge aus einer äußerst sonderbaren Betrachtungsweise sieht und sich grundsätzlich immer von allen, inbesondere von aussen, dem Staat, dem "System" usw. angegriffen fühlt.

Nun also der wundervolle Frank Franz, ein Typ, der zum einen so unglaublich von Selbstüberschätzung strotzt, dabei aber leider auch die Realitäten nicht sieht oder nicht sehen will.

Nacheifern möchte er anscheinend gerne einem Strache aus Österreich, ohne dass er auch nur ansatzweise auf dessen Rückhalt oder dessen Erfolg in der Bevölkerung bauen kann.
Die FPÖ selbst hat ja bereits häufig erklärt, dass die mit der NPD rein gar nichts zu tun haben möchte und distanziert sich diesbezüglich immer wieder.

Nun haben wir also "DS-TV", der mindestens zweite Versuch von Frank Franz, die Meinung der Bevölkerung mittels irgendwelcher Internet-Medien zu beeinflussen. Bereits vor einigen Jahren gab es ein regelmäßiges Frank Franz - TV; dort beantwortete Frank Franz Fragen, die ihm zuvor angeblich von Interessenten gesandt wurden. Der "Erfolg" dieser Partei in den letzten Jahren zeigt deutlich, dass dieser Versuch, neue Wege zu gehen, als absolut erfolglos abgetan werden muss.

Zudem nun die recht laienhafte Umsetzung, dazu noch mit Andreas Storr ein Darsteller, der eher abschreckt, als interessiert. So wird das zum Glück nichts!
 

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