Neues Führungsduo für „Die Rechte“

Nachdem Parteigründer Christian Worch vom Vorsitz der Neonazi-Partei „Die Rechte“ zurückgetreten ist, sind nun zwei neue Bundeschefs gewählt worden. Außerdem soll die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel für die Partei zur Europawahl 2019 kandidieren.

Dienstag, 03. April 2018
Kai Budler

Mit mehr als drei Viertel der abgegebenen Stimmen war der Gründer der braunen Kleinstpartei „Die Rechte“ (DR), Christian Worch, beim Bundesparteitag im November 2017 als Bundesvorsitzender bestätigt worden. Doch sein Amt währte nicht lang, denn der langjährig aktive Neonazi verließ wenig später den Parteitag, um anzukündigen, er ziehe sich vom Parteivorsitz zurück. Der Grund war ein Antrag für ein offizielles Bekenntnis zur „deutschen Volksgemeinschaft“ des thüringischen DR-Landesverbandes. Zwar hatte sich Worch aus juristischen und politischen Gründen dagegen positioniert, doch der Antrag wurde auf dem Parteitag angenommen. Worch trat zurück und der Dortmunder Neonazi Christoph Drewer übernahm den kommissarischen Vorsitz.

Am Ostersonntag nun fand im Rheinland der neunte DR-Bundesparteitag statt, auf dem Programm stand die Nachwahl eines Bundesvorsitzenden. Als Führungsduo wurden die bisherigen Beisitzer Michael Brück und Sascha Krolzig gewählt, Drewer ist als stellvertretender Vorsitzender weiterhin Teil des Bundesvorstandes.

Der bisherige DR-Bundesorganisationsleiter und Dortmunder Neonazi Brück begann seine Karriere der NPD-Jugendorganisation JN und war dann Mitglied der „Aktionsgruppe Rheinland“ (AG R). Außerdem gehörte er zu dem inzwischen verbotenen Verein „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige e. V.“ (HNG) und zählte zu den Führungsfiguren der Gruppierung „Nationaler Widerstand Dortmund“ (NWDO). Nach dessen Verbot 2012 gründete Brück (Jahrgang 1990) mit anderen Neonazis den nordrhein-westfälischen DR-Landesverband. Außerdem betreibt er den Versandhandel „antisem-versand“, in dem braune Aktivisten „Propaganda, Bekleidung, und Zubehör“ erstehen können.

DR-Kandidaten mit mehrjährigen Gefängnisaufenthalten

Auch der 1987 geborene Sascha Krolzig gehört seit der Gründung des NRW-Landesverbandes der DR dessen Vorstand an. Vor seinem Parteieintritt war er führendes Mitglied der 2012 verbotenen „Kameradschaft Hamm“ (KS Hamm), des „Kampfbunds Deutscher Sozialisten“ (KDS) als „Regionalbeauftragter West“ und der HNG. Seit 2017 gibt er die neonazistische Zeitschrift „N.S. Heute“ heraus. Neben der Neuwahl des Bundesvorstandes hat sich „Die Rechte“ am Ostersonntag auch einen neuen Namenszusatz gegeben und firmiert künftig als „Die Rechte – Partei für Volksabstimmung, Souveränität und Heimatschutz“.

Als „Paukenschlag“ bewirbt die Partei die Nominierung der mehrfach verurteilten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel als Spitzenkandidatin für die Europawahl im Mai 2019. Die 89-Jährige war 2017 vom Landgericht Verden wegen Volksverhetzung zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden, hält sich selbst allerdings für haftunfähig. Trotzdem reiste sie am Ostersonntag zum DR-Parteitag und hielt dort eine Rede. Während Haverbeck-Wetzel ihre Haft noch nicht angetreten hat, können die anderen Kandidaten auf der DR-Liste zur Europawahl in ihren Lebensläufen bereits teils mehrjährige Gefängnisaufenthalte vorweisen. Für die Partei kein Makel, sondern vielmehr ein Beispiel für die angeblich „politische Verfolgung in unserem Land“. Bevor Haverbeck-Wetzel aber wirklich für DR kandidieren kann, muss die Partei erst einmal 4000 Unterstützungsunterschriften sammeln, um überhaupt zur Europawahl antreten zu können.

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