Rezension
Neuerscheinungen zum Rechtsextremismus 2/2026
Erneut erschienen einige Bücher zum Rechtsextremismus, die ganz unterschiedliche Aspekte dieses komplexen Phänomens thematisieren. Mal geht es um ein internationales Netz, mal um junge terroristische Einzeltäter, mal Angriffe auf den Staat, mal um die dortige Figur des Katechon. Die Bände sind hier Gegenstand einer kleinen Sammelrezension.
Thomas Greven, Das internationale Netz der radikalen Rechten
Wenn von einer Bedrohung der Demokratie von rechts gesprochen wird, dann handelt es sich nicht nur um ein für Deutschland geltendes nationales Phänomen. Daher ist der analytische Blick über die Landesgrenzen hinaus wichtig. Diesen nimmt Thomas Greven in der Monographie „Das internationale Netz der radikalen Rechten. Angriff auf die Demokratie in den USA und Europa“ vor. Die genutzte Bezeichnung „radikale Rechte“ bleibt dabei etwas allgemein, sollen doch unterschiedliche Phänomene damit analytisch erfasst werden.
Es braucht genau diese progressiven Allianzen und gesellschaftlichen Gegenbewegungen, um die #Demokratie gegen ihre Feinde zu verteidigen. Das unterstreicht auch der Autor unserer Studie „Die radikale Rechte in Europa“, Thomas Greven, im Interview: 2/2 www.fes.de/themenportal...
— Friedrich-Ebert-Stiftung (@fesonline.bsky.social) 19. Mai 2025 um 12:06
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Die Gemeinten reagierten dabei auf gleiche Rahmenbedingungen in der westlichen Welt: eine ansteigende Demokratiemüdigkeit, die ökonomische Globalisierung und die kulturelle Modernisierung. Bedeutsamer für die eigentliche Analyse sind indessen die Ausführungen zu Kooperationen und Vernetzungen, sei es im Europaparlament, sei es mit Thinktanks. Die Erörterung ist dabei stark an der Sekundärliteratur fixiert, wobei der Leser aber auch mit interessanten Untersuchungsansätzen aus den USA konfrontiert wird.
Thomas Greven, Das internationale Netz der radikalen Rechten. Angriff auf die Demokratie in den USA und Europa, Bonn 2026 (J. H. W. Dietz-Verlag), 295 S., 24 Euro
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Dirk Laabs, Armee der Einzeltäter
„Armee der Einzeltäter“ ist eine neue Monographie betitelt, geschrieben hat sie der bekannte Journalist Dirk Laabs. Inhaltlich geht es darin um jene jungen Männer, die durch brutale Gewaltakte auf sich aufmerksam machten. Sie handeln als Einzeltäter, weisen auch psychische Störungen auf, agieren aber in einem gesellschaftlichen Zusammenhang. Die meisten Fälle ereigneten sich wohl in den USA, wurden in Deutschland daher auch nicht immer näher zur Kenntnis genommen.
Ich habe mit @humanmaterial.bsky.social in der Sendung Lesart über mein neues Buch „Die Armee der Einzeltäter“ gesprochen. Thema war auch der Terroranschlag, in den ich selber geraten bin. Sehr interessantes Gespräch, die ganze Sendung lohnt sich. www.deutschlandfunkkultur.de/dirk-laabs-a...
— Dirk Laabs (@dirklaabs.bsky.social) 11. Mai 2026 um 14:53
Der Autor macht aber berechtigt darauf aufmerksam, dass man es hier mit einer neuen terroristischen Welle zu tun hat. Seine Darstellungsweise ist die eines typischen Filmemachers, man fühlt ständig den Blick durch die Kamera, wenn die Ereignisse konkretes Thema sind.
Dadurch wirkt die Darstellung eingängig, mündet aber mitunter in einem inhaltlichen Durcheinander. Denn allzu sehr ist der Autor auf Einzelheiten fixiert, sodass die großen Linien des gemeinten Trends etwas verloren gehen. Gleichwohl wird ein aktuelles Gefahrenpotential anhand konkreter Phänomene veranschaulicht.
Dirk Laabs, Armee der Einzeltäter. Wie sich junge Männer online radikalisieren und zur tödlichen Gefahr werden, München 2026 (Heyne-Verlag), 320 S., 20 Euro
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Tom Mannewitz/Tom Thieme, Heimliche Übernahme
Wie agieren rechte Extremisten vor ihrer beabsichtigten „Machtergreifung“ gegenüber dem demokratischen Staat? Mit dieser Frage beschäftigen sich die beiden Politikwissenschaftler Tom Mannewitz und Tom Thieme, die ein Buch mit folgendem treffenden Untertitel veröffentlicht haben: „Angriff der Demokratiefeinde auf Justiz, Polizei, Schule und Verwaltung“.
Nach Ausführungen über strategische Optionen geht es um unterschiedliche Tätigkeitsfelder, die nach folgenden fünf Strategien unterschieden werden: „Sabotage“, „Denunziation“, „Manipulation“, „Unterwanderung“ und „Entwendung“.
www.ndr.de/fernsehen/se...
— chriswenzel.bsky.social (@chriswenzel.bsky.social) 10. August 2026 um 00:28
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Die konkreten Beispiele reichen vom „Lehrerpranger“ über Schöffentätigkeit und Umsturzpläne bis zum Waffendiebstahl. Jedes Beispiel wirkt isoliert wie ein bloßer Einzelfall, in der Gesamtschau aber wie eine potentielle Umsturzstrategie. Ohne falsche Dramatisierung, aber mit differenzierter Einordnung werden einschlägige Gefahren aufgezeigt. Das Buch ist nicht nur für hohe Funktionsträger von Sicherheitsbehörden lesenswert.
Tom Mannewitz/Tom Thieme, Heimliche Übernahme. Angriff der Demokratiefeinde auf Justiz, Polizei, Schule und Verwaltung, Hamburg 2026 (Rowohlt-Verlag), 253 S., 24 Euro
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Volker Weiß, Katechon
Für die Analyse gegenwärtiger Entwicklungen in der politischen Rechten sind mitunter tiefgehende ideengeschichtliche Rückgriffe nötig. Dies macht der Historiker Volker Weiß deutlich. Sein neuestes Buch ist mit „Katechon. Zur Wiederkehr der politischen Theologie der Gegenwart“ überschrieben. Gemeint ist hier eine Figur aus dem Neuen Testament, welche dem „Antichristen“ gegenüber als „Aufhalter“ wirken würde. Als entsprechende „Erlöser“ gelten heute je nach politischer Orientierung mal Putin, mal Trump.
ttt – titel thesen temperamente - 'Katechon' Zur Rückkehr der politischen Theologie in der Gegenwart - hier anschauen share.google/BUeo75cQyb8y...
— Wolfgang Palaver (@palwol.bsky.social) 7. August 2026 um 22:38
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Auf dieses Bild beziehen sich sowohl Alexander Dugin als einflussreicher russischer Philosoph wie der politisch wirkmächtige amerikanische Investor Peter Thiel. Gleiches gilt für „Klassiker“ der Neuen Rechten, wie etwa die bei Carl Schmitt angelegte „Politische Theologie“ zeigt.
Der Autor zeichnet die ideengeschichtlichen Hintergründe ebenso wie die gegenwärtige Rezeptionen nach. Das dabei deutlich werdende Diffuse und Durcheinander ist aber nicht ihm anzulasten, sondern dem Gegenstand seiner Reflexionen konstitutiv eigen.
Volker Weiß, Katechon. Zur Wiederkehr der politischen Theologie in der Gegenwart, Stuttgart 2026 (Cotta), 127 S., 18 Euro