von Oliver Cruzcampo
   

Neue Fraktion: Ex-AfD-Landeschef Dennis Augustin holt NPD-Landeschef

Dennis Augustin, ehemaliger AfD-Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern macht ab sofort mit dem Landesvorsitzenden der NPD, Stefan Köster, gemeinsame Sache. Augustin hat den Neonazi in seine neu gegründete Kreistagsfraktion aufgenommen. Die Grenze verwischt zunehmend.

NPD-Politiker Stefan Köster und Ex-AfD-Mann Dennis Augustin agieren nun zusammen in einer Fraktion.

Erst vor gut einem Monat hat der ehemalige Co-Landessprecher der AfD Mecklenburg-Vorpommern, Dennis Augustin, eine eigene Fraktion gegründet, genau zwei Wochen später gab es einen prominenten Neuzugang. Seit dem 1. Oktober ist Stefan Köster Mitglied der bis dato vierköpfigen Fraktion im Kreistag Ludwigslust-Parchim.

Köster ist seit etlichen Jahren Landesvorsitzender der NPD und zudem Bundesschatzmeister. Der anhaltende Bedeutungsverlust der rechtsextremen Partei wirkte sich auch auf die Mandate aus, seit der Kommunalwahl im Mai 2019 sitzt der 46-Jährige als letzter verbliebener Vertreter seiner Partei im dortigen Kreistag.

Fraktionsstärke schon vor Köster

Jetzt hat Köster, der von 2006 bis 2016 im Landtag vertreten war, wieder mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Die Fraktion „Heimat und Identität“ um Dennis Augustin kann beispielsweise Sitze in Ausschüssen in Anspruch nehmen oder einen Geschäftsführer benennen, es stehen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung als bei fraktionslosen Mandatsträgern. Doch notwendig war die Aufnahme des Rechtsextremen nicht. Bereits zuvor bestand die Gruppe aus vier Personen und hatte somit Fraktionsstärke.

Augustin war aufgrund seiner NPD-Vergangenheit im Sommer 2019 aus der AfD ausgeschlossen worden, da er früher u.a. an einer NPD-Schulung teilgenommen hatte. Auf einem Foto ist der seinerzeitige NPD-Vorsitzende Udo Voigt zu sehen, wie er Augustin eine Urkunde überreicht. Der frühere Landesvorsitzende war daraufhin im Sommer 2019 aus der AfD ausgeschlossen worden, die juristische Auseinandersetzung scheint allerdings noch nicht beendet.

Augustin hatte die Verbindungen zur NPD als Jugendsünde abgetan, doch die jetzige Aufnahme eines hochrangigen NPD-Funktionärs deutet darauf hin, dass eine Abgrenzung ins Spektrum der Neonazi-Partei zuvor wohl eher strategisches Kalkül war. Der Ex-AfD-Politiker hatte mit drei weiteren Personen die zehnköpfige AfD-Kreistagsfraktion verlassen und Mitte September eine eigene Fraktion namens „Heimat und Identität“ gegründet. „Die AfD ist nach links gerückt. Wir füllen rechts auf“, schrieb Augustin am 22. September. Zu dem Zeitpunkt saß Köster bereits hinter den vier Abtrünnigen.

AfD kommt aus Negativ-Schlagzeilen nicht heraus

Rund ein Jahr vor der Landtagswahl im kommenden Herbst stellen die Querelen und jetzige Aufnahme eines NPD-Kaders einen weiteren Rückschlag dar. Landeschef Leif-Erik Holm versucht, seinen Verband aus den Negativ-Schlagzeilen zu bringen. Im Kreistag Vorpommern-Rügen dauerte es über ein Jahr, zwei zerstrittene und aufgespaltene Fraktionen wieder zusammenzuführen. In Rostock wurde der gesamte Kreisvorstand abgesetzt, die AfD ist dort seit einigen Monaten größtenteils von der Bildfläche verschwunden.

Die NPD hingegen frohlockt. Gleich mehrere Kader geben auf Facebook einen Like für die Aufnahme Kösters. Ohnehin scheinen zunehmend die Grenzen zwischen Anhängern des formal aufgelösten Flügels der AfD und noch weiter rechtsaußen stehender Kreise zu verschwimmen. So veröffentlichte die neue Fraktion um Augustin eine Grafik, die zuvor die NPD bereits gepostet hatte, lediglich das NPD-Logo wurde entfernt. In einer weiteren Nachricht wird bezugnehmend auf rückläufige Flüchtlingszahlen von einem „Ansturm der Fremden“ geschrieben und eine Remigration gefordert. Ein Begriff, der vor allem in Kreisen der rechtsextremen Identitären verbreitet ist.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen