von Oliver Cruzcampo
   

Neue Broschüre für Gastwirte: „Rechtsextremisten nicht auf den Leim gehen“

Häufig mieten Rechtsextremisten Räume unter dem Deckmantel privater Feiern an. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) und das mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus bringen nun die Broschüre „Rechtsextremisten nicht auf den Leim gehen: ein Ratgeber für die Gastronomie“ heraus, um Gastwirte vor einem bösen Erwachen zu bewahren.

Foto: Screenshot der Broschüre

Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, entpuppen sich anfänglich als „privates Sommerfest“ oder „Weihnachtsfeier“ getarnte Veranstaltungen in Hamburger Gaststätten oder Hotels noch immer häufig als Zusammenkünfte rechtextremer Gruppierungen. 

Im vergangenen Jahr soll so die Hooligan-Band „Kategorie C“ unter dem Deckmantel einer privaten Feier in einer Gaststätte der Saga aufgetreten sein. Auch das Hotel Intercontinental wurde als Treffpunkt Rechtsextremer angefragt. Beide Veranstaltungen ließen für den Vermieter im Vorfeld keine Rückschlüsse auf den politischen Hintergrund zu.

Die Broschüre „Rechtsextremisten nicht auf den Leim gehen: ein Ratgeber für die Gastronomie“ soll helfen, Anmietungsversuche klar politisch zuzuordnen. Gastronomen wird darin geraten, auf versteckte Codes, beliebte Kleidungsmarken oder Zahlencodes zu achten und sich in jedem Fall einen persönlichen Eindruck vom Mieter zu machen. Auch die regelmäßigen „Feiertage“ im rechtsextremen Kalender werden erklärt, Tipps für die Formulierung von Mietverträgen gegeben.

Die kostenfreie Broschüre (pdf-Datei) kann hier heruntergeladen werden.

Kommentare(11)

K. Weber Donnerstag, 09.Dezember 2010, 11:48 Uhr:
Das klingt ja höchst demokratisch. Vielleicht könnte man das Profiling ja gleich noch auf andere missliebige soziale Gruppen ausweiten, zB Leute, die nicht eifrig genug im "Kampf gegen Rechts" mitmachen, die nicht links genug wählen oder die sich nicht zur Wiedereinführung des DDR-Regimes bekennen wollen. Wird höchste Zeit, dass der Gast sich ebenfalls informiert, welche Gaststätten und Hotels an solchen Stasi-Methoden mitwirken, um solche Betriebe effektiv zu meiden.
 
v.Faltin Donnerstag, 09.Dezember 2010, 14:22 Uhr:
Fällt das keinem von Euch auf?
Da war doch mal was! Deutsche, kauft nicht bei Juden!
Die Aktion mit den Gastwirten ist genauso verwerflich und zeigt die geistige Verwandtschaft, die mit den Begriffen Demokratie und Toleranz nichts anfangen kann. Wie wäre es mit geistiger Auseinandersetzung?
 
Paul:pa Donnerstag, 09.Dezember 2010, 16:21 Uhr:
Dieses Verhalten der DeHOGa ist mehr als erschreckend. Ich kann Weber und Faltin nur zustimmen.
 
Manfred Wohlgemut Donnerstag, 09.Dezember 2010, 19:46 Uhr:
Wir haben einen Festsaal für 80 Personen und 20 Betten. Ja, bei uns waren auch schon Rechte. Das Verhalten war allerdings sehr positiv, Vorträge höchst interessant.
Auch Sie dürfen uns gerne weiter auf den Leim gehen. Wo kommen wir denn hin ?!
 
Roichi Donnerstag, 09.Dezember 2010, 19:56 Uhr:
Ein wenig mehr künstliche Aufregung bitte.

Betrug ist immernoch nicht legal.
Da ist es doch gut, wenn Wirte zumindest einen groben Leitfaden haben, wie eventuelle Betrüger auch aussehen könnten.
Immerhin kann solch eine Veranstaltung geschäftsschädigend wirken. Da sollte der Wirt schon Bescheid wissen, wer da sein Haus wofür mieten will.
Oder meint ihr etwa, nur weil es der Nationalen Sache dient, ist es in Ordnung den Wirt zu betrügen?
Das ist erschreckend.
Wenn auch nicht neu.
 
Amtsträger Donnerstag, 09.Dezember 2010, 20:56 Uhr:
In einem solchen Fall liegt kein Betrug nach §263 StGB vor. Es handelt sich lediglich um zivilrechtliche Streitigkeiten. Der Wirt könnte, dem Thor-Steiner Urteil folgend, das Recht haben den Vertrag aufzulösen und von seinem Hausrecht gebrauch zu machen. Das sollte aber lieber ein Richter entscheiden...
 
MaRo Donnerstag, 09.Dezember 2010, 21:59 Uhr:
@ Roichi:
Betrug??? Wohl kaum:
" §263 StGB, Abs.(1) Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Ich wüsste nicht, inwiefern der Tatbestand hier gegeben sein sollte.
 
Roichi Freitag, 10.Dezember 2010, 12:37 Uhr:
Da hab ich mich dann wohl geirrt.
Dennoch sollte der Wirt wissen, wer wozu in seinen Räumlichkeiten ist.

@ Amtsträger

Gibt es im Strafrecht keine Möglichkeit, gegen bewusste Täuschung vorzugehen?
 
Amtsträger Freitag, 10.Dezember 2010, 14:53 Uhr:
Da es sich um Streithgkeiten zweier privater Parteien handelt, ist das Gericht zuständig. Ein Wirt könnte auf Schadensersatz klagen, wenn durch die Schädigung seiner Reputation unmittelbare wirtschaftlich messbare Nachteile eingetreten sind.
Das zu beweisen dürfte schwierig sein.
 
LK Sonntag, 12.Dezember 2010, 23:43 Uhr:
Was mich in dieser Broschüre mehr erzürnt ist der Fakt das nicht jeder Heide und Runenkenner ein Faschist oder Neonazi ist!!! Und das die Blasphemie die von den Rechtsextremen betrieben wird ... so plakativ und wenig kritisch dargestellt wird!

Es sollte mehr differenziert und nicht ausgeschlossen und verboten werden!!!
 
B.C. Montag, 13.Dezember 2010, 07:42 Uhr:
B.C.
"Es sollte mehr differenziert und nicht ausgeschlossen und verboten werden!"

die broeschuere verbietet doch nix. sie gibt lediglich tips fuer den unkundigen vermieter. nicht jeder heide und runenkenner ist ein faschist. an welcher stelle der broschuere haben sie gegenteiliges herausgelesen?
 

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