von Redaktion
   

Neue Allianz gegen schlechten Modegeschmack: YouTube-Star Dahlemann wird „Ehrenbotschafter der Storchenstaffel“

Für seinen Mut, an ein „offenes Mikrofon“ der NPD zu treten, erhielt Patrick Dahlemann, ein junger SPD-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern, in den letzten Wochen viel Zuspruch. Ein entsprechendes Video verbreitete sich in den Sozialen Netzwerken in Windeseile. Bis die NPD die beleidigte Leberwurst mimte und den 15-Minüter unter dem Hinweis auf ihre Urheberschaft stoppen ließ. Für den engagierten Kampf gegen „die braunen Leichtmatrosen“ wurde Dahlemann gestern zum „Ehrenbotschafter der Storchenstaffel“ ernannt.

Patrick Dahlemann, Storch Heinar (Foto: Screenshot)

Gestern wurde der Jungpolitiker von Führer-, Front- und Modestorch Heinar in den „Führerhorst“ zu einer persönlichen Audienz geladen. Dort betonte Heinar, es sei ihm eine große Freude, Patrick Dahlemann zu treffen. Denn dieser habe „der braunen Brut gehörig den Marsch“ geblasen. Für „vorbildhaftes Handeln nach adebarischen Tugenden“, so der Frontkämpfer gegen schlechten Modegeschmack weiter, „ernenne ich Patrick Dahlemann zum Ehrenbotschafter der Storchenstaffel für Demokratie und Frohsinn“. Dahlemann zeigte sich sichtlich gerührt und stolz wie Bolle.

In den letzten Wochen hatte der 25-jährige Sozialdemokrat mit einem Video, in dem er die rassistischen Botschaften der NPD auseinandernimmt, in den Sozialen Medien – aber nicht nur hier – für Furore gesorgt. Weit über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus erhielt er für seinen Mut Respekt, an das „offenen Mikrofon“ der NPD zu treten und den Hetzern bei einer Veranstaltung Paroli zu bieten.

Für die NPD endete ihre Propagandaaktion als Bumerang. Die Mannschaft um Udo Pastörs und Stefan Köster erwies sich als Spielverderber; beleidigt ließ die Landespartei das Dahlemann-Video mit dem Verweis auf ihrer Urheberschaft auf YouTube löschen. Doch bekanntlich ist diese Vorgehensweise in Zeiten des Web 2.0 ein stumpfes Schwert. Zahlreiche Nutzer luden den 15-Minüter einfach erneut hoch und sorgten so dafür, dass die Bloßstellung der braunen Wahlkämpfer ohne Probleme weiterhin abrufbar ist.

Auch Dahlemann selbst kündigt an, sich nicht geschlagen zu geben. Den Vorwurf einer Urheberrechtsverletzung wies er energisch zurück: „Zunächst möchte ich mich bei allen Menschen bedanken, die mir in den vergangenen Tagen so viele Nachrichten, Mails und Kommentare geschrieben haben. Das gibt Kraft und motiviert uns im Engagement gegen Rechtsextremismus enorm. Viele Menschen wollen das Video sehen und sich selbst ein Bild machen. Deshalb werden wir selbstverständlich alles versuchen, damit das Video wieder auf meinem YouTube-Account zu sehen ist. Politische Meinungsbildung und Meinungsfreiheit wiegen in einem demokratischen Rechtsstaat unserer Auffassung nach schwerer als diese Urheberrechtsverletzung.“

Gegen die Löschung des Videos sei bei YouTube Widerspruch eingelegt worden. „Nach juristischer Recherche sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass unser Vorgehen, das Originalvideo der NPD zum Zwecke der politischen Auseinandersetzung zu zitieren, durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist“, ergänzte Eric Hartmann von der „Agentur-Sofa“.

Heute Abend ist Patrick Dahlemann bei Markus Lanz (ZDF, 22.15 Uhr) zu Gast.

Kommentare(3)

Elvira Dienstag, 21.Januar 2014, 12:13 Uhr:
Na, da hat die NPD der SPD doch mal zu Ruhm und Ehre verholfen.
Doch auch eines sollte man nicht vergessen, hier zeigt sich auch ganz klar wer das Wort Demokratie richtig auslegt, nämlich die NPD. Ich glaube nicht das die SPD auf einer ihrer Kundgebungen ein NPD Mitglied sprechen ließe, oder etwa doch ? Eigendlich wäre das doch kein Problem, wenn die SPD sich so sicher ist der NPD Parolie bieten zu können.
 
Ein Nienhagener Dienstag, 21.Januar 2014, 14:43 Uhr:
Ha, ha, ha, Elvira, selten so gelacht.

Schließlich ist ja bei Youtube gut zu sehen, wie zensuristisch die "unerschrockene Kämpferin für die Meinungsfreiheit" NPD sich bemüht, die Videos mit Herrn Dahlemann zu löschen.

Wenn die SPD in Person des Herrn Dahlemann so Unrecht hat und die Hetze der NPD eigentlich so vor Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit überschäumt - warum dann die Löschaktion? Wäre doch die perfekte Gelegenheit.

Tatsächlich erkennen wohl selbst die NPD-Oberen, dass ihre Ansichten vollkommen neben der Spur sind und sie sich mit ihren Ansichten der Lächerlichkeit preis geben.
 
John Dienstag, 21.Januar 2014, 15:01 Uhr:
Wie die NPD Demokratie auslegt kennen wir. Dementsprechend bemüht sind die Nazis nun auch, dass für sie außerordentlich peinliche Video zu entfernen - denn sie ist nun so gar nicht happy über ihr offenes Mikrophon. Schon blöd wenn das eigene Demokratieverständnis den KameradInnen um die Ohren fliegt. Oder wie möchtest Du erklären, dass man das Video am liebsten ganz verschwinden lassen würde? Achja, "Urheberrecht"!
In der Diskussion um das Video wurde leider vor allem der erste Teil gezeigt, dabei war der letzte Teil der besonders spannende. Besser kann man Nazis nicht Paroli bieten - und sie an ihren eigenen Lügen vorführen. Schläger Köster fabuliert dort von 600 Millionen Euro, und der steigenden Kriminalität in Wolgast. Beides erweist sich als reines Phantasieprodukt. Anstatt nun beleidigt die Videos zu entfernen, könnte man ebenso gut zu den Lügen Stellung nehmen - aber da ist mit dem Demokratieverständnis, und dem Verstand, bereits Schluss bei den ehrenwerten KameradInnen.
Meinen Glückwunsch an Patrick Dahlemann für diese hervorragende Idee!
 

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