Neu-rechte Grundpositionen

Der Verlag Antaios veröffentlicht in seiner Schriftenreihe „kaplaken“ weitere Bände, die sich – mehr oder weniger – mit dem ideologischen Selbstverständnis der Neuen Rechten befassen.

Montag, 08. Juni 2020
ArminPfahl-Traughber

Dem Komplex um das Institut für Staatspolitik lässt sich nicht nur das Publikationsorgan „Sezession“, sondern auch der Verlag Antaios zurechnen. In ihm erscheinen kontinuierlich Bücher von Repräsentanten der Neuen Rechten oder ideologisch verwandten Richtungen. Dazu gehören auch Nachdrucke literarischer Werke, sofern sie in den Diskursrahmen des Instituts passen. Eine Besonderheit stellt die Schriftenreihe „kaplaken“ dar, wo mittlerweile fast 70 Bände erschienen sind. Es handelt sich jeweils um gebundene Bücher von 15,5 Zentimeter mal 11 Zentimeter-Größe mit einem Umfang von knapp unter 100 Seiten. Der Preis liegt aktuell bei 8,50 Euro. Damit hat das Institut ein Publikationsforum gefunden, worin in knapper Form einige Grundpositionen zum politischen Selbstverständnis vorgetragen werden können. In den letzten Jahren veröffentlichte man meist gleich drei Bände zusammen und bot sie als „Staffel“ für 20 Euro an. Die letzten Bände, die als „23. Staffel“ mit den Nummern 67, 68 und 69 herauskamen, sollen hier dargestellt und kommentiert werden.

Faszination für den Faschismus

Als Band 67 erschien eine Art „Klassiker“ im Nachdruck, nämlich Armin Mohlers „Der faschistische Stil“ von 1973. Der Autor gilt als „geistiger Vater“ der deutschen Neuen Rechten, was bereits frühere Reprints von Mohler motiviert hatte. Ihm ging es hier um einen „physiognomischen Zugriff“ auf das Thema, wo er sich moralisierender Voreingenommenheit“ entledigen und einfach nur „sehen“ wollte (S. 7). Bei der Absicht, zu klären, was der Faschismus „war und was er nicht war“ (S. 14), konzentrierte sich Mohler allerdings auf den Stil. Die Ideologie wird kaum angesprochen, die Praxis nur sehr randständig. Der Autor lieferte mehr einen erörternden Essay, weniger eine systematische Interpretation. Gemeinsam sei den Phänomenen eben ein „Stil“(S. 17), wobei es mehr um eine Haltung, weniger um Positionen gegangen sei. Die Auffassungen von Literaten interessierten dabei Mohler mehr als die Praktiken der Systeme. So betonte er auch hier immer wieder die Differenzen von Faschismus und Nationalsozialismus, aber eben im Stil.

Indessen benannte der Autor schon eine besondere Form faschistischer Gewalt, wozu aber mehr Geschichten erzählt, denn Spezifika herausgearbeitet wurden. Überhaupt lebt die ganze Abhandlung von verschiedenen Fallbeispielen, die etwas erläutern sollen, es dann aber doch nicht tun. Durchgängig lässt sich eine gewisse Faszination für die gemeinte Haltung von Mohler erkennen, wobei er sich dazu nicht offen positionierte. Erst Jahrzehnte später, 1995, bejahte der Autor in einem Interview, dass er sich selbst als Faschist verstehe: „Ja, im Sinne von José Antonio Primo de Rivera ...“. Darauf geht Benedikt Kaiser, Stammautor der„Sezession“, in einem Nachwort ein. Er sieht hier ein „Kokettieren mit dem Faschist-Sein ohne entsprechenden Substanznachschub“ (S. 93). Das trifft zu, doch wenn man Faschismusprimär als Stil ansieht, muss ein „Begründungszusammenhang“ auch nicht geliefert werden. Deutlich wird hier schon, dass es eine Faszination für den Faschismus – dann aber nicht nur als Haltung – eben auch in der Neuen Rechten gab und gibt.

Linksgewendete Elite in Politik und Wirtschaft

Der Band 68 „Konservativenbeschimpfung“ stammt von Manfred Kleine-Hartlage, der sich als „Ex-Linker“ (S.29) und „gelernter Rechter“ (S. 7) präsentiert. Der Buchtitel spielt auf die „Liberalenbeschimpfung“ von Mohler an, wobei der Autor aber mit diesem weder in Form noch Inhalt mithalten kann. Kleine-Hartlage geht davon aus, dass sich die deutschen Konservativen der herrschenden Elite angepasst hätten und es dafür schon immer eine gewisse Tradition gegeben habe. Nun bestünde aber ein „weit nach links gedriftetes Establishment“ (S. 14), wobei unklar bleibt, was oder wen er damit eigentlich meint. Durchgängig sind die Ausführungen allgemein gehalten, nur auf zwei bis drei Seiten wird klar, wen Kleine-Hartlage überhaupt mit den Konservativen meint. Er behauptet indes, dass deren Agieren mit Begriffen wie „Bauernschläue“, „Charakterlosigkeit“,„Opportunismus“ und „Untertanengeist“ (S. 12) wahrnehmbar sei. Man habe sich einer linksgewendeten Elite wohl auch in Politik und Wirtschaft unterworfen.

Da die Gemeinten nicht genannt werden, lässt sich eine solche Wahrnehmung schwerlich überprüfen. Dafür bietet Kleine-Hartlage eine Unterscheidung von „Konservativen“ und „Rechten“ an, wobei er sich der letztgenannten Richtung zuordnet. Es gehe hierbei um Habitus und Mentalität, nicht um Werte und Ziele: „Der Rechte kann ... ein Staatsfeind sein, der Konservative höchstens ein Oppositioneller ...“ (S. 27). Und als eines der wenigen Beispiele zum Gemeinten heißt es später: „Der AfD-Politiker, der seine Partei von allen Mitgliedern säubern will, die vom Verfassungsschutz, also einem Organ der Herrschenden, angeprangert werden, sollte lieber in einen Beruf wechseln, in dem seine Zivilcourage weniger strapaziert wird“ (S. 70). Damit positioniert sich der Autor klar und deutlich in einem entsprechenden Sinne. Der „bornierte Elitismus“ (S. 73) der Konservativen sei verantwortlich für diesen Opportunismus. So verortet sich der Autor sich selbst auch in aller Deutlichkeit außerhalb eines demokratischen Konservativismus.

Gedankensplitter über die „Siebensachen“

Und schließlich erschien als Band 69 „Selbstrettung. Unsere Siebensachen“ von Caroline Sommerfeld, promovierte Philosophin und Stammautorin der „Sezession“. Worin ihre eigentliche Absicht besteht, erschließt sich aus dem Büchlein nicht unbedingt. Am Ende des ersten Kapitels meint sie: „Unsere Siebensachen zu packen heißt folglich, die Pflicht zur Selbstrettung bitter ernst zu nehmen“ (S. 26). Und danach geht es in auch so betitelten Kapiteln um „Ratlosigkeit“, „Jemeinigkeit“, „Verbindlichkeit“, „Aufmerksamkeit“, „Mittelbarkeit“, „Entängstigung“ und „Abschiedlichkeit“ (sic!). Dabei werden Dichter, Philosophen und Publizisten zitiert, was die Autorin wieder zu eigenen Kommentaren veranlasst. Übrigens ist dabei der am häufigsten erwähnte Autor Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, der im Literaturverzeichnis mit fünf Titeln genannt wird. Sommerfeld hält ihre individuell-persönliche Wahrnehmung für sehr wichtig, kommt doch allzu häufig „ich“ vor, wobei wohl diese Ausrichtung die inhaltliche Struktur ersetzen soll.

Denn in den einzelnen Kapiteln wird mal dieser, mal jener Punkt angesprochen. Es gibt einkontinuierliches Hin und Her, das irgendwie die genannten „Siebensachen“ begründen soll, aber allenfalls dazu Gedankensplitter ohne systematische oder tiefgründige Reflexionen präsentiert. Da liest man: „Unverbindlichkeit ist nämlich tödlich für die menschliche Seele. Sie steigert nicht deren Freiheit, sondern zehrt sie auf“ (S. 47) oder „Ein sich vor dem Essen bekreuzigender Matthias Matussek, ein im Video sein Bett machender Martin Sellner, ein rote Beete erntender Götz Kubitschek ziehen Nachahmer wie mich an“ (S. 49) oder „Der Grund dafür, dass ich keine Angst um mich selbst und die Kinder habe, ist Gottvertrauen ...“ (S. 80). Es gibt auch Behauptungen, die empirisch schlicht falsch sind: „Abstrakte Empathie ... ist unmöglich“ (S. 19). Was ist denn dann das Engagement für Hungernde in der Welt? Es handelt sich hier eher um die Ansammlung persönlicher Betrachtungen und Ressentiments, die jedoch kaum etwas zur neu-rechten Theoriebildung beitragen dürften.

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