von Redaktion
   

Neonazis versuchten 2015 acht Menschen zu töten

Im vergangenen Jahr legten die rechtsextremistisch motivierten Straftaten um 34,9 Prozent auf 22.960 Delikte zu. Die Gewalttaten erreichten ebenfalls Rekordniveau. Unter den 1.485 Taten erfasste das BKA acht versuchte Tötungsdelikte. Drei davon wurden bei Anschlägen auf Unterkünfte für Flüchtlinge verübt.

Es ist der höchste Wert seit Einführung der Statistik im Jahr 2001 – Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach gestern in Berlin bei der Vorstellung der Fallzahlen zur Politisch motivierten Kriminalität (PMK) von einer „bedrohlichen gesellschaftlichen Entwicklung“. Die Sicherheitsbehörden, so der CDU-Politiker weiter, beobachteten eine zunehmende Gewaltbereitschaft der rechtsextremistischen, aber auch der linksextremistischen Szene. Die Gewalttaten haben der Statistik zufolge um rund ein Drittel im Vergleich zu 2015 zugenommen. Die verschiedenen Landeskriminalämter meldeten im Vorjahr 4.402 Fälle nach Berlin. 2.561 Menschen wurden verletzt, ungefähr jeder zweite (45,0 Prozent) von Rechtsextremisten (37,7 Prozent „links“). Insgesamt zählte das BKA 38.981 politisch motivierte Verbrechen, darunter 22.960 im Bereich „rechts“ (zumeist „Propagandadelikte“) und 9.605 im sogenannten linken Phänomenbereich.

Radikalisierung der Gesellschaft

Justizminister Heiko Maas (SPD) twitterte, es müsse „alles dafür getan werden, den erschreckenden Anstieg der politisch motivierten Straftaten zu dämpfen“. „Deutschland muss ein weltoffenes Land bleiben“, forderte der Saarländer weiter. De Maizière unterstrich: „Die Bundesregierung setzt sich mit allen Mitteln des Rechtsstaates gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt zur Wehr. Aber auch die gesamte Gesellschaft ist gefordert, dieser zunehmenden Radikalisierung auch in Sprache und im Umgang entgegen zu treten.“ 

1.485 Delikte wurden von rechten Gewalttätern verübt, was einer Steigerung um rund 45 Prozent entspricht. Alleine 155 davon richteten sich gegen Asylbewerberunterkünfte. Neonazis versuchten im vergangenen Jahr acht Mal einen Menschen zu töten (acht „links“), sie verübten 102 Brandstiftungen (106 „links“). Außerdem ermittelte die Polizei in 18 Sprengstoffdelikten, denen ein extrem rechtes Weltbild zugrunde liegt (fünf „links“). In 1.177 Fällen gingen die Ermittlungsbehörden Anzeigen wegen Körperverletzungen nach (1.345 „links“).

Fünf Mal mehr Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte

Um 77 Prozent stieg die sogenannte Hasskriminalität an (10.373). Das sind Verbrechen, die durch gruppenbezogene Vorurteile motiviert sind. Überdurchschnittlich legten laut BKA die „Hasspostings“ im Internet zu, auf nun 3.084 erfasste Fälle (plus 177 Prozent). Die überwiegende Mehrheit, nämlich 2.261 Vorfälle, waren Volksverhetzungen.

Attacken auf Unterkünfte für geflüchtete Menschen haben sich binnen eines Jahres verfünffacht. Zählten die Behörden 2014 noch 199 solcher Verbrechen, waren es im zurückliegenden Jahr 1.031. Neun von zehn Straftaten seien nach BKA-Erkenntnissen der „PMK rechts“ zuzuordnen, darunter drei versuchte Tötungsdelikte (insgesamt vier). Außerdem wurden 60 Körperverletzung (58 „rechts“), 94 Brandstiftungen (76 „rechts“) und acht Sprengstoffdelikte (alle „rechts“) erfasst.

Kommentare(7)

Rostockä Mittwoch, 25.Mai 2016, 13:25 Uhr:
Ehrlich gesagt hätte ich in Anbetracht der Berichterstattung über politische Gewalt gedacht, dass rechte Gewalt die Gewalt der Linken deutlich übersteigt. Nun zeigt sich, dass Linke mehr und öfter zuschlagen als Rechte.

Stellt sich die Frage warum die Mainstream Medien nicht annähernd so oft über linke Gewalt berichten, wie über rechte.

Und obwohl Linke öfter Gewalt anwenden, auch gegen Personen, gibt es kein einziges Programm gegen Linksextremismus und keinen einzigen Euro im Kampf gegen links.

Darüber hinaus meint unsere Familienministerin tatsächlich das linke Gewalt ein aufgebauschtes Problem sei. Wer Mordversuche und schwere Gewalttaten als aufgebauscht verharmlost trägt direkte Mitverantwortung für folgende Taten. Solch eine Person ist für eine Regierung untragbar. Zumindest für eine demokratische...
 
Roichi Donnerstag, 26.Mai 2016, 07:35 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Nicht überraschend versuchst du von der Gewalt deiner Kamerraden abzulenken.
Der übliche lahme Versuch.
Wo bleibt eigentlich deiner Distanzierung von der Gewalt der Kamerraden?
 
Vereinsmeier Freitag, 27.Mai 2016, 18:04 Uhr:
@ Rostock, der sich mal @ Björn nannte

"... gibt es kein einziges Programm gegen Linksextremismus und keinen einzigen Euro im Kampf gegen links."

Gründe einen Verein. Sechs Gleichgesinnte wirst du doch wohl finden, oder? ;o)
Gebt euch eine Satzung, lasst euch ins Vereinsregister beim Amtsgericht Rostock eintragen, beantragt beim Finanzamt Rostock die Gemeinnützigkeit, sammelt Spenden, beantragt öffentliche Mittel.
... und hört endlich auf zu jammern.
Könnt ihr Rechten denn gar nichts?
 
Rostockä Freitag, 27.Mai 2016, 22:27 Uhr:
Lieber Vereinsmeier,

wie kommen sie auf eine Vereinsgründung? Es ist Aufgabe der politisch Verantwortlichen in diesem Staat linksextreme Gewalt genauso zu bekämpfen wie rechtsextreme Gewalt. Stattdessen verharmlost die Familienministerin, die die Resourcen im Kampf gegen Extremismus verteilt, linksextreme Tötungsversuche als "aufgebauschtes Problem" und streicht mal eben alle Mittel im Kampf gegen die linken Demokratiefeinde.

Darüber hinaus gibt es für mich eine subjektive Diskrepanz zwischen der medialen Berichterstattung über beide Formen extremistische Gewalt und deren tatsächlicher Häufigkeit.

Und wenn sie mal ehrlich sind müssten auch sie zugeben, dass gemessen an der Häufigkeit von Berichten über rechte Gewalt der Eindruck entsteht, dass diese der linken Gewalt quantitativ deutlich überlegen ist. Wie wir aber an den Zahlen sehen ist stattdessen die medial kaum beachtete linke Gewalt das größere Problem.
Da braucht sich dann auch niemand über den "Lügenpresse"-Vorwurf wundern.
 
Roichi Sonntag, 29.Mai 2016, 13:20 Uhr:
@ Rostockä/Björn

Dein gestörtes Volksempfinden interessiert nun wirklich niemanden.
Weder kommst du mit Fakten, noch mit Argumenten, sondern wiedermal nur mit Behauptungen, Ideologie und Ablenkung. Und im letzten Absatz dann noch mit einer Lüge.
Und das alles nur, um von der Gewalt deiner Kamerraden abzulenken.
 
Roichi Montag, 30.Mai 2016, 17:12 Uhr:
Und mal ganz weg von Björni ein Beitrag zur Diskussion des Artikels:
http://www.sueddeutsche.de/politik/straftaten-statistik-wen-das-innenministerium-zum-linksextremisten-macht-1.1950184
 
Vereinsmeier Montag, 30.Mai 2016, 21:02 Uhr:
@ Björn

Wischen Sie sich doch bitte den Schaum vom Mund.

"wie kommen sie auf eine Vereinsgründung?"

Doch, doch, genau so läuft das (wahlweise kann man natürlich auch eine andere Körperschaft gründen).
In Ihrem ersten Kommentar haben Sie doch noch geweint, dass "es kein einziges Programm gegen Linksextremismus und keinen einzigen Euro im Kampf gegen links" gibt.
Erkundigen Sie sich doch mal, wie z.B. EXIT-Deutschland entstanden ist. Gutes Programm übrigens.
Es steht Ihnen doch auch völlig frei, etwas in dieser Art zu organisieren.
Vielleicht gibt es dann ja auch Knete von Frau Schwesig für Ihren Kampf.
Mit Ihrem mimosenhaftem Getue kriegen Sie das natürlich nicht auf die Reihe.
Oder finden Sie niemanden, der Ihnen eine Satzung formuliert, die beim Finanzamt durchgeht?

"Wie wir aber an den Zahlen sehen ist stattdessen die medial kaum beachtete linke Gewalt das größere Problem.
Da braucht sich dann auch niemand über den "Lügenpresse"-Vorwurf wundern."

Aus der Sicht eines am äußersten rechten Rand Stehenden wohl wahr.

Und da jeder Cent im Kampf gegen Rechts sehr gut angelegt ist, werden wir hoffentlich künftig nicht mehr lesen müssen, dass Neonazis innerhalb eines Jahres versuchten, acht Menschen zu töten.
 

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