Neonazis instrumentalisieren BVB

Fußballbundesligist Borussia Dortmund will einen führenden Funktionär der Worch-Partei „Die Rechte“ ausschließen. Michael Brück, DR-Landesvize in NRW und Stadtratskandidat in Dortmund, soll seinen Mitgliedsausweis abgeben.

Donnerstag, 30. Januar 2014
Tomas Sager

Mit einem Stadionverbot war Brück, der einst im verbotenen „Nationalen Widerstand Dortmund“ aktiv war, bereits 2012 belegt worden. Bei Spielen des BVB muss er also draußen bleiben. In seiner Kandidatenvorstellung zur Kommunalwahl hatte sich der 23-jährige Jura-Student, der regelmäßig als Anmelder von Neonazi-Veranstaltungen und als Redner bei solchen Szene-Events auftritt, aber damit gebrüstet, irgendwie immer noch dazuzugehören: „Nach wie vor bin ich jedoch auch Mitglied bei Borussia Dortmund, dem Verein, der eng mit unserer Stadt und Identität verbunden ist.“ Damit soll nun Schluss sein, geht es nach den Verantwortlichen der Borussia.

Einmal mehr zieht sich die Spitze des Bundesligisten damit den Zorn der Neonazi-Partei zu. „Die Rechte“ (DR) wittert eine „politischen Säuberung beim BVB“ und beschimpft den Vereinspräsidenten Reinhard Rauball als „sozialdemokratischen Gesinnungswächter“. Brück, DR-Landesvize in Nordrhein-Westfalen, meint, „unter dem Deckmantel von Integrationsprojekten“ werde das Westfalenstadion „in bester DDR-Manier in regelmäßigen Abständen zur Umerziehung missbraucht“. Ganz allgemein wirft „Die Rechte“ den Vereinen vor, sie würden „Integration ebenso wie Antinationalismus propagieren“, während „in der gesunden Fußballgemeinschaft Traditionen und Normen noch nicht hoffnungslos untergegangen“ seien.

„Belange der deutschen Dortmunder Anhänger“

Brück ist nicht der einzige DR-Kandidat, der im Vorfeld der Kommunalwahl am 25. Mai mit einer vermeintlichen Nähe zum BVB punkten will. Für ihren „Spitzenkandidaten“ Siegfried („SS-Siggi“) Borchardt hatte die Partei mit dem Slogan „Von der Südtribüne ins Rathaus“ und unter Verwendung der Vereinsfarben des BVB werben wollen. (bnr.de berichtete) Borchardt werde im Stadtparlament „nicht zuletzt die Belange der deutschen Dortmunder Anhänger aufgreifen“, hatte „Die Rechte“ angekündigt. Die Werbeaktion mit Vereinsfarben und dem Hinweis zur Südtribüne untersagte das Oberlandesgericht in Hamm Anfang Dezember. (bnr.de berichtete) Nun soll sich das Bundesverfassungsgericht mit der Angelegenheit befassen. „Die Rechte“ hat eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.

Um die eigene Isolation wissend, versuchen die DR-Akteure praktisch seit Gründung ihres Kreisverbands im Herbst 2012, quasi als Fürsprecher von Fußballfans zu erscheinen, etwa wenn Polizeieinsätze oder die Kommerzialisierung des Fußballs kritisiert werden. Sogar ins Programm zur Stadtratswahl – in Anlehnung an das 25-Punkte-Programm der NSDAP in ebenso vielen kommunalpolitischen Forderungen formuliert – hat der Fußball Eingang gefunden. Unter der Überschrift „Fußballstadt Dortmund leben“ wird dort etwa „ein politisches Signal für Pyrotechnik“ gefordert.

„Medienhysterie nach Fußballgeplänkel“

Besonders ausgeprägt sind die Sympathien der Neonazis für solche „Fan“-Gruppen, die sich in der Vergangenheit als empfänglich für rechte Parolen und als offen für Mitglieder aus der Szene erwiesen haben. So titelte etwa eine Internetseite der „Rechten“ nach schweren Ausschreitungen mitten in der Kölner Innenstadt, an denen Mitglieder der Dortmunder „Desperados“ beteiligt gewesen sein sollen und bei denen ein Mann lebensgefährlich verletzt worden war: „Medienhysterie nach Kölner Fußballgeplänkel“. Nicht an der folgenreichen Randale an sich störte sich der Autor offenbar. Er fand vielmehr kritisierenswert, dass abseits der Öffentlichkeit „ein anderer Austragungsort wünschenswert gewesen wäre“.

Die Hoffnung, so Teile der Fanszene auf die eigene Seite zu ziehen, ist bisher nicht aufgegangen. So organisierten Verein und Fanorganisationen zum Heimspiel am vorigen Samstag eine Gedenkaktion zum 69. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz. Die Neonazi-Partei schäumte: Im Stadion habe es weder „eine Erinnerungsaktion an die Gefallenen Helden beider Weltkriege, in denen Deutschland gegen einen übermächtigen Gegner verteidigt wurde“, gegeben, noch sei der „Nachkriegsverbrechen“ gedacht worden – während für die Opfer des Nationalsozialismus „ein sprichwörtliches Fass aufgemacht“ werde.

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