von Oliver Cruzcampo
   

Neonazis aus Jamel treten zur Kommunalwahl an

In der kleinen häufig als „Neonazi-Dorf“ bezeichneten Gemeinde Jamel in Nordwestmecklenburg will der Neonazi Sven Krüger mit zwei weiteren Personen für die Kommunalwahl kandidieren, allerdings nicht auf dem Stimmzettel der NPD. Krüger, der auch Eigentümer des Thinghauses ist, hat derzeit mit einem Gutachten zu kämpfen, dass Rechtsrock-Veranstaltungen dort erschwert. Wenige Kilometer weiter – in Wismar – will die NPD am 1. Mai aufmarschieren.

Sven Krüger tritt zur Kommunalwahl an - diesmal nicht unter dem Label NPD

Am 26. Mai werden zur Kommunalwahl in Mecklenburg-Vorpommern gleich mehrere Personen aus Jamel auf dem Stimmzettel zu finden sein. Für die Stadtvertretung in Gägelow, zu der Jamel zählt, kandidiert erstmals Birgit Lohmeyer. Die 60-Jährige organisiert zusammen mit ihrem Mann jährlich das „Jamel rockt den Förster“ und engagiert sich gegen rechtsextreme Umtriebe.

Aber auch der umtriebige Neonazi-Kader Sven Krüger tritt für die Wahl zur Stadtvertretung an. Zusammen mit Tino Streif und Steffen Meinecke bilden die drei die offenbar erst vor wenigen Wochen gegründete „Wählergemeinschaft Heimat“ – laut Eigenaussage auch, um „das Leben in unserer Heimat zu beschützen“.

NPD-Tarnlisten

Alle drei Neonazis kandidierten in der Vergangenheit bereits für die NPD, saßen teilweise im Kreistag. Krüger war zudem Landesvorstandsmitglied der „Nationaldemokraten“, musste dann 2011 allerdings eine mehrjährige Haftstrafe antreten. Ein Gericht hatte ihn in sieben Fällen wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und illegalen Waffenbesitzes verurteilt.

Der mehrfach vorbestrafte Neonazi will nach einigen Jahren Abstinenz nun auf kommunaler Ebene erneut politisch aktiv werden. Diesmal jedoch lassen Krüger und seine zwei Mitstreiter das Label NPD außen vor. Bereits zur letzten Kommunalwahl vor fünf Jahren ließen einige Partei-Kader einen Testballon starten und tauchten auf Wahlzetteln mit unverfänglichen Namen wie „Wir von hier“ in Ueckermünde auf – teilweise mit beachtlichen Ergebnissen.

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Bedeutungsverlustes und des negativen Images der Partei erscheint es wahrscheinlich, dass weitere Rechtsextreme nicht für die NPD kandidieren, in den Gemeindevertretungen bzw. Kreistagen dann allerdings deren politische Agenda vertreten werden.

Auflagen machen Thinghaus zu schaffen

Wenige Kilometer entfernt, in Grevesmühlen, hat Krüger als Betreiber des deutschlandweit bekannten Thinghauses derzeit mit behördlichen Auflagen zu kämpfen. Nach Auskunft des Landkreises Nordwestmecklenburg dürfen in dem Gebäude „nach der seinerzeit erteilten Baugenehmigung bis 22 Uhr musikalische Veranstaltungen“ durchgeführt werden. Danach sei „Zimmerlautstärke einzuhalten“. Um dies zu umgehen und weiter als wohl wichtigster Ort für Rechtsrock-Veranstaltungen der Szene dienen zu können, muss ein Schallgutachten nachgewiesen werden.

Doch die dafür anfallenden Kosten in Höhe von 4.800 Euro kann Krüger offenbar nicht aufbringen. Und ohne dieses Gutachten „wird es nicht möglich sein hier künftig Musikveranstaltungen durchführen zu können“, heißt es auf der Seite des Thinghauses. Um diese Summe begleichen zu können, werden derzeit neben „Geld- oder Sachspenden“ auch „politische Literatur, Musik oder sonstiges Material“ eingesammelt.

In gut drei Wochen treffen sich traditionell am Vorabend des 1. Mai erneut mehrere Hundert Neonazis auf dem Grundstück Krügers in Jamel. Der Blog „AST Westmecklenburg“ berichtete im vergangenen Jahr von der völkischen Feier der „Dorfgemeinschaft Jamel“, Neonazis aus ganz Norddeutschland hatten sich am 30. April auf den Weg in die kleine Gemeinde gemacht.

NPD-Demo in Wismar

Kurze Wege erwartet die Teilnehmer der Neonazi-Feier, am nächsten Tag will die NPD in Wismar aufmarschieren. Unter dem Motto „Arbeit – Zukunft – Heimat“ mobilisiert der Landesverband zu 12 Uhr in die Hansestadt. Nachdem im letzten Jahr die Demo am „Tag der deutschen Arbeit“ ausfiel, will die rechtsextreme Partei dieses Jahr vor der Kommunalwahl nochmal für Öffentlichkeit sorgen. Das Bündnis „Wismar für alle“ hat derweil bereits Aktionen gegen die Demo angekündigt.

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