von Redaktion
   

Neonazi-Szene sammelt für „ihre“ Gefangenen

Die extreme Rechte unternimmt weiterhin große Anstrengungen, um inhaftierte „Kameraden“ bei der Stange zu halten: Das Internetportal „Altermedia“ hat in Zusammenarbeit mit der „Gefangenenhilfe“ eine Spendenaktion für Gesinnungsgenossen hinter Gittern ins Leben gerufen. Szene-Mailorder spenden beim Kauf bestimmter Produkte kleinere Beträge, mit denen Geschenke gekauft werden sollen. Mit an Bord ist auch die antisemitische „Europäische Aktion“.

Anhänger der Europäischen Aktion auf einer Neonazi-Demonstration in Sonneberg (Foto: Thomas Witzgall, Archiv)

„Stolze“ 100 Euro stellt der „Odin Versand“ in Aussicht, wenn Kunden das Buch „Männer und Taten – Ritterkreuzträger erzählen“, ein „Tischfähnchen Schwarz-Weiß-Rot mit Plastikständer“ oder eine Reichskriegsflagge zu zehn Euro kaufen. Auch Rechtsrock ist im Angebot, etwa die CD „Die Rückkehr des Unbegreiflichen“ der neuen Band des früheren Sängers der als Kriminellen Vereinigung eingestuften Kapelle „Landser“, Michael Regener, „Die Lunikoff Verschwörung“. Fünf Euro pro abgesetztem „Soli-Hemd“ steuert nach eigenen Angaben der „Zentralversand“, der sich selbst „Versand des Nationalen Widerstandes“ nennt, bei. Das in rot oder schwarz erhältliche Kleidungsstück unter dem Motto „Drinnen und Draussen eine Front“ [sic!] ist auf der Rückseite dem Slogan „Freiheit für alle nationalpolitischen Gefangenen“ bedruckt.

Aufgerufen zu dieser Spendenaktion hat mit „Altermedia“ eine der bekanntesten deutschsprachigen Internetseiten der extremen Rechten. In dem entsprechenden Online-Beitrag heißt es: „Um unseren Gefangenen in der Zeit der Abgeschiedenheit und Isolation etwas Licht in das graue Leben zu bringen, fordern wir euch auf sie etwas zu unterstützen.“ Um die Durchführung kümmert sich mit der „Gefangenenhilfe“ ein aus Schweden operierendes Neonazi-Netzwerk, das offensichtlich die nach dem Verbot der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ (HNG) entstandene Lücke füllen soll. Zuletzt warb die „Gefangenenhilfe“ auf verschiedensten Szene-Veranstaltungen mit einem Info-Stand für ihr Anliegen.

„SS-Dienstdolch“ für 48,88 Euro

Besonders spendenfreudig zeigt sich nach eigenen Angaben die „Europäische Aktion“ (EA). Der von dem Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub vor mehr als fünf Jahren gegründete Dachverband mit stark antisemitischer Ausrichtung stellt zahlreiche Publikationen zur Verfügung, die zusammen einen Wert von ungefähr 1.600 Euro haben sollen. Fündig werden aber besonders Ewiggestrige, denen ein „SS-Dienstdolch“ zum Preis von 48,88 Euro oder ein Poster „Du bist Front“ den eigenen kleines Führerbunker verschönern dürfte.

Wiederkehrende Solidaritäts-Aktionen, ob als Konzerte, spezielle „Motto-T-Hemden“ oder wie oben beschrieben als „Spendenaktion zum Julfest“ haben für die extreme Rechte eine wichtige Funktion. Sie stärken den inneren Zusammenhalt und halten inhaftierte Gesinnungsgenossen gleichzeitig in der Szene.

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