von Oliver Cruzcampo
   

Neonazi Sven Krüger lädt zu Kaffee und Kuchen

Es wirkt wie eine Farce. Der im deutschlandweit bekannten Dorf Jamel wohnhafte Sven Krüger lädt zu einem „unpolitischen“ Maifest seiner „Dorfgemeinschaft“ - und das ausgerechnet per Mitteilung an die „Lügenpresse“. Zudem wünscht sich der Neonazi möglichst wenig Polizeipräsenz vor Ort – doch diese wiegelt klar ab.

Sven Krüger als regelmäßiger Teilnehmer der zahlreichen Anti-Asyl-Demo im Lande

Kein anderer Ort in Deutschland dürfte symbolhaft so sehr für die Dominanzansprüche der rechtsextremen Szene stehen wie die kleine Gemeinde Jamel bei Grevesmühlen. Jamel mit seinen rund 40 Einwohnern landete in der Vergangenheit immer wieder in den Schlagzeilen, im Zuge des Verbotsverfahrens der NPD fand die Gemeinde im Kapitel „Angstzonen“ Erwähnung.

Bestimmt wird die Wahrnehmung vor allem von Sven Krüger, der mehrfach vorbestrafte und knasterfahrene Mann wohnt seit geraumer Zeit in Jamel und führt dort immer wieder Szene-Veranstaltungen wie Sonnenwendfeiern und vermeintlich unpolitische Kinderfeste durch, zuletzt im vergangenen Jahr. Auch NPD-Parlamentarier wie Udo Pastörs oder Stefan Köster sind gern gesehene Gäste beim ehemaligen NPD-Vorstandsmitglied Krüger.

In einer E-Mail an die Lokalpresse und die Polizei wies der Mann nun auf die für den 30. April geplante Veranstaltung hin, die vor Skurrilität kaum zu überbieten ist. Der Neonazi spricht von einem „guten Weg zur Verständigung“, „Akzeptanz“ und „positiver Umsetzung“. Während Maifeste für gewöhnlich wohl vor allem im Bereich der Freizeitgestaltung anzusiedeln sind, sieht sich Krüger veranlasst, explizit drauf hinzuweisen, was seine Veranstaltung nicht sei. Es handele sich um kein „kein Parteifest, kein Rechtsrockkonzert und auch keine sonstige NS-Kulturveranstaltung“, es würden „weder einschlägige Bands noch Redner auftreten“.


Auszug der an Presse und Polizei geschickten Einladung zum Maifest bei Sven Krüger

Auch an die Polizei richtet sich der Jamelner, bittet um „Rücksichtnahme und vor allem auch um Gleichbehandlung mit anderen Dörfern, die Maifeste ausgestalten“. Dass Veranstaltungen in dem Dorf kaum vergleichbar sind mit gewöhnlichen Maifesten, übergeht Krüger geflissentlich. Dennoch seien – auf die Einsatzstärke der Polizei bezogen – „ein bis zwei Einsatzfahrzeuge mehr als genug“. Eine Sprecherin der Polizei wiegelt umgehend ab. Ein Streifenwagen würde „nicht ausreichen“, heißt es. Die dortigen Szene-Events seien zudem nie als unpolitisch einzuordnen.

Beim ebenfalls in Jamel wohnhaften Künstlerpaar Lohmeyer, dass sich seit Jahren der Szene entgegenstellt, brannte erst im vergangenen Jahr eine Scheune bis auf die Grundmauern nieder. Ein Täter konnte bis heute nicht ermittelt werden.

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