von Oliver Cruzcampo
   

Neonazi-Portal: Thiazi-Chef zu Gefängnisstrafe verurteilt

Hunderte Beiträge wurden auf dem Thiazi-Forum täglich gepostet. Der Nationalsozialismus wurde verherrlicht, Rechtsrock-CDs zum Download angeboten, Rechtsextreme konnten sich vernetzen. Heute verurteilte das Landgericht Rostock den Kopf des ehemaligen Neonazi-Portals zu einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren.

Wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung in drei Fällen wurde Klaus R. vor dem Landgericht Rostock heute zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, innerhalb einer Woche kann der Mann Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

Bereits Ende November 2014 wurde der Prozess gegen drei Männer und eine Frau eröffnet, gegen die die Staatsanwaltschaft Rostock Anklage erhoben hatte. Die ersten vier Verhandlungstage wurden alleine benötigt, um die 342 Seiten starke Anklageschrift zu verlesen. Anschließend wurde der Prozess aufgegliedert. Daniela W., Denny S. und Dominik S. hatten Geständnisse abgelegt, seien teilweise aus der Szene ausgestiegene und kooperierten im Zuge des Prozesses mit dem Gericht. Die drei ehemaligen Admininstratoren wurden im Juni zu Bewährungsstrafen verurteilt. R. zeigte sich hingegen kaum geständig – somit wurden gegen seine Person eigene Verhandlungstage anberaumt.


Die Angeklagten vor dem Landgericht Rostock

Der Prozess gegen die vier Administratoren brachte interessante Details ans Tageslicht. So strich R. über Bannerwerbung auf dem ehemals größten deutschen Neonazi-Forum etliche Tausend Euro ein. Diese landeten jedoch offenbar ausschließlich auf seinem Privatkonto. Der 34-Jährige, der bis zur Razzia gegen die Betreiber vor über drei Jahren in Barth als Erzieher arbeitete, hatte die Server der Internetseite im Ausland stehen – so sollte die deutsche Strafgesetzgebung umgangen werden.

Kommentare(8)

Kommentierer Donnerstag, 22.Oktober 2015, 21:26 Uhr:
Wie kommt die Dauer von 3,6 Jahren zustande?
 
Redaktion Freitag, 23.Oktober 2015, 09:57 Uhr:
@ Kommentierer 3,5 Jahre. Das war die Forderung der Staatsanwaltschaft, der das Gericht auch gefolgt ist.
 
Getreide Freitag, 23.Oktober 2015, 12:23 Uhr:
Das Wort "Administratoren" bei den anderen Angeklagten ist unpassend. Die Administratoren waren lediglich Klaus R. und Daniela W.
Die 2 anderen Angeklagten Denny S. und Dominik S. sind, so wie die anderen Mitglieder in den kommenden Verfahren, lediglich Betreuer (ohne bzw. mit nur sehr eingeschränkten administrativen Berechtigungen).
 
Kenner Freitag, 23.Oktober 2015, 13:11 Uhr:
Warten Sie auf die Urteilsgründe. Da spielen Vorstrafen, Reue und erfüllte Tatbestände eine Rolle.
 
Redaktion Freitag, 23.Oktober 2015, 14:53 Uhr:
@ Getreide "Betreuer" war der Terminus, der unter anderem Denny S. und Dominik S. gegeben wurde, das stimmt. Das haben wir auch in anderen Artikeln zum Prozess so erläutert:

http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/medien/artikel/thiazi-forum-eine-kriminelle-vereinigung-drei-angeklagte-zu-bewaehrungsstrafen-verurteilt.html

http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/medien/artikel/thiazi-prozess-und-dann-kam-halt-die-polizei.html

http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/medien/artikel/thiazi-prozess-junge-menschen-sollten-fuer-die-rechte-szene-rekrutiert-werden.html

Die beiden Personen hatte dennoch Admin-Rechte, nur nicht so umfangreiche wie R. oder W.. Um es verständlich zu halten, haben wir die "Betreuer" in diesem Artikel ebenfalls "Admins" genannt, um nicht nochmal die Hierarchie darlegen zu müssen.
 
Spätervielleicht Freitag, 23.Oktober 2015, 18:52 Uhr:
Zum Strafmaß:
S. auch §§129 und 130 StGB.
Und wieso genau 3.5 Jahre: wie Kenner schon schrieb, die Urteilsbegründung wird's zeigen.
Schön zu sehen, dass ihn das deutsche Strafrecht trotz Vermeidungsversuchen (Server im Ausland etc.) einholt.
 
kattascha Samstag, 24.Oktober 2015, 06:19 Uhr:
@redaktion "Der Prozess gegen die vier Administratoren brachte interessante Details ans Tageslicht. So strich R. über Bannerwerbung auf dem ehemals größten deutschen Neonazi-Forum etliche Tausend Euro ein. Diese landeten jedoch offenbar ausschließlich auf seinem Privatkonto. "

Das ist nicht neu und war den Moderatoren & zum Teil auch den Stammnutzern bekannt.

Interessant ist auch das eingenommenes Geld zum Teil an Downloadforen, wie das Wolfsfront Forum gespendet wurde. Pikant dabei - und wie die Spenden auch in der Verhandlung nie thematisiert - ist, dass Wolfsfront Forum wurde, unter Anderen von Daniela W. (mit)gegründet.
 
Rudi Samstag, 24.Oktober 2015, 21:08 Uhr:
@kattascha

Woher haben sie sie Erkenntnis? Das Wolfsfront Forum wurde wegen der unautorisierten Veröffentlichung des sogenannten "Thiazi-Samplers" sogar angegriffen.

Das Wolfsfront Forum war ein reines Downloadforum. Was hätte Thiazi davon gehabt so ein Forum zu unterstützen, wenn Thiazi selbst von den Downloads gelebt hat (und somit von den Spenden)?
 

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