Neonazi-Partei führt Doppelspitze ein

Nach dem überraschenden Rückzug Christian Worchs vom Vorsitz der Kleinstpartei Die Rechte wurden am vergangenen Wochenende gleich zwei neue Vorsitzende gewählt. Die ehemaligen Kameradschaftler Michael Brück und Sascha Krolzig übernehmen nun die Geschicke der Neonazi-Partei. Zudem soll die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck Spitzenkandidatin für die Europawahl werden – falls sie vorher nicht bereits ihre Gefängnisstrafe antreten muss.

Michael Brück und Sascha Krolzig als neue Bundesvorsitzende der rechtsextremen Splitterpartei

Am Sonntag führte die rechtsextreme Splitterpartei ihren neunten Bundesparteitag durch – und musste selbst darauf hinweisen, dass es sich dabei um keinen Aprilscherz handeln würde. Auf dem Treffen – der Ort wird auch im Nachgang geheim gehalten – sei vor allem über einen neuen Bundesvorsitz zu entscheiden gewesen. Christoph Drewer hatte seit Anfang November kommissarisch auf dem Chefsessel Platz genommen, nachdem Parteigründer und -vorsitzender Christian Worch hingeschmissen hatte.

Neue Doppelspitze

Nun führte Die Rechte nach eigenen Angaben ihren neunten Bundesparteitag durch und wählte eine neue Parteispitze. Die beiden Neonazis Sascha Krolzig und Michael Brück wurden ohne Gegenkandidaten gewählt und bilden fortan eine Doppelspitze. Die beiden Dortmunder sind seit Jahren in wechselnden Spitzenfunktionen der Partei aktiv, waren zuletzt Beisitzer im Bundesvorstand. Dass Krolzig und Brück nun das Zepter in die Hand nehmen, überrascht insofern kaum. Nach lediglich etwas mehr als einer Stunde sei der Bundesparteitag bereits beendet worden.

Christian Worch hatte die Partei im Sommer 2012 gegründet, einen Tag nach dem offiziellen Aus der DVU. Die Rechte entwickelte sich schnell zum Auffangbecken militanter und mittlerweile verbotener Kameradschaften, aus denen auch die beiden Bundeschefs entstammen. Krolzig aus der Kameradschaft Hamm, Brück war zuvor beim „Nationalen Widerstand Dortmund“ aktiv.

Der 1990 geborene Neonazi kandidiert derzeit zudem für den Bürgermeister-Posten im rund 600 Kilometer von Dortmund entfernten Weingarten (Baden-Württemberg), wohl auch, um das wichtige Parteienprivileg zu wahren. Bereits Worch war vergangenes Jahr für eine ähnliche Kandidatur verantwortlich, insgesamt kam der Parchimer auf acht Stimmen.

Enttäuschte Kader gehen zur Konkurrenz

Die beiden neuen Bundeschefs werden nun die Wogen glätten müssen. In Thüringen hatte sich der Landesvorstand zurückgezogen, sprach von einer „Rufmordkampagne“ des Bundesverbandes. Einige Zeit später kehrten offenbar auch mehrere etliche Mitglieder aus Brandenburg der Partei den Rücken. Einige Funktionäre tauchten später beim Dritten Weg erneut auf, der sich derzeit in den ostdeutschen Bundesländern zunehmend ausbreitet.

„Sahnestück“ Europawahl

Im Anschluss an den Parteitag wählte die Neonazi-Truppe zudem ihre Kandidaten für die voraussichtlich im Mai stattfindende Europawahl. Durch den Wegfall der Drei-Prozent-Hürde konnte die NPD 2014 ein Mandat erringen, bezugnehmend darauf schreibt der neue Die Rechte-Vorsitzende Brück von einem „Sahnestück“, „von dem jeder naschen möchte“. Dennoch gibt sich der Neonazi keiner Hoffnung hin, die Ein-Prozent-Hürde mit seiner Partei knacken zu können.

Als Spitzenkandidatin nominierte Die Rechte die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck und erhofft sich so wohl ein gewisses Maß an medialer Aufmerksamkeit. Über die 89-Jährige wird derzeit aufgrund mehrerer laufender Gerichtsverfahren deutschlandweit berichtet. Doch eine erste Verurteilung zu zwei Jahren Haft wurde nun rechtskräftig. Anhänger legten ihr gar, ähnlich wie Horst Mahler, eine Flucht nahe, doch Haverbeck entschied sich dagegen, hält sich laut eigener Aussage jedoch für nicht haftfähig.

Für die Spitzenkandidatur zur Europawahl scheinen die Kräfte hingegen zu reichen. Auch die tourt in rechten Kreise gerne als „Dissidentin“ bezeichnete Haverbeck quer durch die Bundesrepublik und hält für rechtsextreme Parteien und Organisationen Vorträge.

Auf den weiteren Plätzen folgen Sven Skoda, Ex-Parteichef Christian Worch und der umtriebige Neonazi Dieter Riefling – insgesamt wurden 15 Personen nominiert.

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