von Redaktion
   

Neonazi-Partei Die Rechte nimmt Menschen mit jüdischem Glauben ins Visier

Als die Neonazi-Partei Die Rechte im Sommer 2012 gegründet wurde, strebte ihr Gründer Christian Worch ein „gemäßigtes“ Image an. Diese Ausrichtung ist längst in der Schublade verschwunden, mittlerweile versucht die Straßenkämpfer-Truppe, nur noch mit Krawall-Aktionen wie einer Bürgerwehr, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Ihr neuster Tiefpunkt: In Dortmund erkundigte sich das Die Rechte-Ratsmitglied Dennis Giemsch nach der Zahl der Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt, um „einen angemessen Umgang zu finden“.

Die Rechte-Stadtratsmitglied Dennis Giemsch möchte mehr Informationen über Menschen mit jüdischem Glauben (Foto: Indymedia)

Es sind gerade einmal acht Zeilen, die das hässliche Gesicht der Splitterpartei Die Rechte entlarven. Länger ist die Anfrage, die ihr Stadtratsmitglied Dennis Giemsch an die Verwaltung der Stadt Dortmund gerichtet hat, nämlich nicht. Darin erkundigt sich der ehemalige Kopf der 2012 wegen ihrer Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus und ihrer Nähe zur SA verbotenen Neonazi-Kameradschaft „Nationaler Widerstand Dortmund“ (NWDO) nach der Anzahl der in Dortmund lebenden Menschen mit jüdischem Glauben. Außerdem will der Landeschef der Neonazis, dem einst sogar die NPD ob seiner Radikalität die Aufnahme verweigerte, wissen, ob die Gläubigen „registriert“ würden. Gerne hätte er eine Aufzählung nach Stadtteilen.

Anfrage der Neonazi-Partei Die Rechte

Diese Informationen seien, so das Papier weiter, nicht nur für die „politische Arbeit“ Der Rechten wichtig, sondern, um „einen angemessen Umgang mit allen Religionen“ zu finden. Wie dieser „angemessene Umgang“ aussehen soll, lassen die Verfasser bewusst offen. Es braucht nicht viel Phantasie, um sich angesichts der ideologischen Wurzeln der Neonazi-Splitterpartei mögliche Szenarien auszumalen. Auf Facebook gibt Die Rechte Sorgen um „die Sicherheit unserer Mitbürger“ als Motivation für ihre parlamentarische Initiative an. Angesichts von möglichen „Stellvertreterkriegen für die Konflikte im Nahen Osten“ sei es wichtig zu wissen, „wieviele Menschen potentiell bedroht sein könnten“ [sic!].

Neonazis längst nicht mehr im bürgerlichen Gewand

Wie mit dem politischen Gegner umzugehen sei, demonstrierten Anhänger Der Rechten am Abend der nordrhein-westfälischen Kommunalwahl am 25. Mai. Damals versuchte ein mehr oder weniger einheitlich in gelbe „T-Hemden“ gekleideter Neonazi-Mob gewaltsam ins Dortmunder Rathaus einzudringen. Dabei setzten die Schläger Pfefferspray und Flaschen als Waffen ein, wie im Internet kursierende Fotos und Videos vor Augen führen.

Anwesend war seinerzeit der damals frischgebackene Dortmunder Stadtrat Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt, der vor allem als Wahlkampf-Zugpferd eingespannt worden war. Bald legte er sein Mandat nieder, und Giemsch, dessen Versandhandel einst mit staatlichen Fördermitteln zur Existenzgründung aufgebaut worden war, rückte nach.

Die Dortmunder Rechte gehört darüber hinaus zu den eifrigsten Unterstützern des HoGeSa-Netzwerks aus dem Neonazi-Milieu; Borchardt als Gründungsmitglied der berüchtigten „Borussenfront“ fungiert seit Jahrzehnten als Knotenpunkt zwischen Hooligans und militanten Neonazis. Ihre Passion sehen die vor allem aus verbotenen Kameradschaften stammenden Aktivisten im „Kampf um die Straße“. Einen Vorgeschmack lieferten sie im Herbst, als sie medienwirksam eine Bürgerwehr mit dem Namen „Stadtschutz Dortmund“ ins Leben riefen. Die wenig vertrauenswürdigen Hilfssheriffs wollten vor allem im „Umfeld von Asylantenheimen“, wo sie eine hohe Kriminalitätsrate vermuten, patrouillieren.

Foto: Indymedia, Lizenz: CC

Kommentare(15)

paul.pa Freitag, 14.November 2014, 12:42 Uhr:
Diesen Vorfall kann man ja kaum mit den Geschehnissen am 25.Mai vergleichen . Der NRW Innenminister hat in seiner damaligen Stellungsnahme zu den Vorfällen die Schuld eigentlich nicht bei den Mitgliedern der "Rechten" verortet sondern die Verursacher im linken politischen Spektrum gesehen.
 
Wolfram Schunk Freitag, 14.November 2014, 14:04 Uhr:
Wollt ich grad sagen....umgekehrt wird ein Schuh draus! Die sogenannten"Nazis" in den gelben Shirts wurden massiv angegriffen als sie vollkommen legal an der Wahlparty teilnehmen wollten! Immer schön bei der Wahrheit bleiben liebe Genossen :-)
 
münchhausen Freitag, 14.November 2014, 16:42 Uhr:
W. Schunk: Wieso setzen Sie Nazis in Anführungszeichen? Siegfried Borchardt hat ja nicht nur das sog. "Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers" geleitet, sondern selbst gesagt, er würde gerne als SA-Siggi bezeichnet werden. Der 'Nationale Widerstand Dortmund', dessen Legalisierung die sogenannten "Partygäste" auf ihren T-Shirts propagierten, hat sich ganz selbstbewusst auf den historischen Nationalsozialismus bezogen. Hier haben wir es ja noch nicht einmal mit Nazis zu tun, die ihre Gesinnung leugnen, sondern die sie auch noch gerne offen zur Schau tragen. Wenn einen noch nicht einmal das aufrichtige Bekenntnis zum NS als Nazi qualifiziert, weiß ich wirklich, nicht wo sie Ihre Maßstäbe anlegen. Das ist doch albern: Jahrelang Nazibekenntnisse in die Öffentlichkeit blasen und dann behaupten, man sei kein Nazi.
 
Luise Freitag, 14.November 2014, 17:39 Uhr:
Es reicht, wenn diese Menschen- und Demokratiefeinde von offensichtlichen Dortmunder Wirrköpfen ins Stadtparlament gewählt wurden. Ihren Platz dort haben sie ja medienwirksam eingenommen. Den Hauptakteur "SS-Sigi", der die Verbindung zum Pöbel auf der Straße garantiert, haben sie ja dann sehr schnell mangels Intellekt wieder abgezogen.
Wie gesagt, das reicht! Dass die übrigen Stadträte nicht mit diesem ausländerfeindliche Parolen skandierendem Mob feiern will, ist ja wohl verständlich. - Die würde ich auch nicht zu meiner Party einladen.
 
Irmela Mensah-Schramm Freitag, 14.November 2014, 18:02 Uhr:
Ich denke mal, es ist höchste Zeit, dass nun auch gleich mit der NPD die "DieRechte" verboten werden muss. Es reicht!
Wer derartige Entgleisungen, gegen Juden, Moslems, auch Christen und gegen die Flüchtlinge hetzt, hat sein politisches Betätigungsfeld, oder was auch immer, verwirkt.
Die Rechtsextremen sind Demokratiefeinde und brauchen daher auch nicht jene Rechte der Demokratie, um ihre menschenverachtenden Aktionen
auszuüben - dddihre GegnerInnen zu terrorisieren!
 
Kurth Freitag, 14.November 2014, 19:19 Uhr:
Wo werden die Ereignisse denn verglichen? Es wird nur ein weiterer Vorfall aufgezählt, der einfach zeigt, wessen Geistes KInd die Dortmunder sind.

Tja und die Wahlparty war eine geschlossene Veranstaltung, bei der der Veranstalter bestimmen darf, wer reinkommen darf und wer nicht. So etwas nennt sich übrigens Hausrecht -einfach mal googeln.
Den Herren mit den gelben Shirts wurde der Einlass eben verweigert - völlig legal. Also schön selber bei der Wahrheit bleiben...

Aber wahrscheinlich wurden die Herren in gelben T Shirts ja nur provoziert, genau wie das kleine Mädchen, dass den Vergewaltiger mit seinem kurzen Rock provoziert hat... hach diese nationale Realität mal wieder
 
Bürger Freitag, 14.November 2014, 19:23 Uhr:
Genau! Bleiben wir mal bei der Wahrheit:
Die "sogenannten ""Nazis"""
- waren nicht sturzbetrunken
- trugen keine Sympathie-T-Hemden einer verbotenen Vereinigung
- grölten keine ausländerfeindlichen Parolen
- schlugen keine Frauen ins Gesicht
- hielten keine abgeschlagenen Flaschen in der Hand
- versprühten kein Pfefferspray
und baramm: benutzten Taschentücher.
Wer feiert nicht gern mit solchen wohlerzogenen, gebildeten Vorzeigebürgern ? Unfassbar, diese bösen linksgrünen Gutmenschen!

 
Schwab Freitag, 14.November 2014, 19:43 Uhr:
Wenn der SPD-Ortsverein die "Rechtsextremisten" in seiner Stadt zählt, zählt er sie, um sie später effektiver d e p o r t i e r e n zu können ???
 
Dumbo Samstag, 15.November 2014, 14:19 Uhr:
Hm, wird nicht seitens der hiesigen Kommentatoren den sog. "rechten" Kommentatoren permanent eine ideologisch konnotierte Argumentation unterstellt? Ich bin zwar kein Freund dieser NS-Splitterpartei, aber aus der obigen Anfrage irgendwelche Angriffe auf jüdische Bürger zu schlußfolgern, ist wohl mehr als ideologisch behaftet, liebes ER-Team.
 
Roichi Samstag, 15.November 2014, 14:46 Uhr:
@ Paul

Kannst du das vielleicht auch belegen?
So ist es nur die übliche Behauptung rechter Kreise.
Achso, das Video kannst du bestimmt auch erklären.

@ Wolfram

Siehe Kommentar zu Paul.
 
Roichi Sonntag, 16.November 2014, 13:24 Uhr:
@ Schwab

Mal wieder ein sinnfreier Vergleich von dir zur Relativierung.
Wie armseelig.

@ Dumbo

Wer weiter denken kann, als seine Nase lang ist, kommt auch dahinter, warum das eine handfeste Drohung ist.
 
paul.pa Sonntag, 16.November 2014, 22:07 Uhr:
Hallo Roichi,
Ihre Frage ob ich etwas erklären kann, bezieht sich wahrscheinlich auf die Vorkommnisse im Mai nach der Wahl.

Dazu brauchen Sie nur die Erklärung der Polizei Dortmund und die Erklärung des NRW Innenministers vor dem Landtag zu googlen, die meine Bewertung eindeutig unterstützen.

Aber da sie ja Alles wissen und das auch noch besser, stehen Sie natürlich darüber.
 
Dany Van Minh Montag, 17.November 2014, 09:59 Uhr:
Ihr Gutmenschen und Schlauwisser, diese ewigen Diskussionen über das mediengerechte Wort- und Bildgeschnitzel (...)
Mir ist das so scheißegal ob die gelbe T-Shirts an hatten oder nicht, Fakt ist dass ich weder das Konzerthaus in den Abendstunden noch die Tier-Galeria am Tage ohne Angst davor betreten kann, dass pöbelnde und gewaltbereite Nazis mich und meine Familie verbal oder körperlich angreifen.
Fakt ist auch der alles sagende Brief der Rechten. Ohne Diskussion.

Mfg Daniel L., geb. in Vietnam
 
Rendermani Montag, 17.November 2014, 11:53 Uhr:
Die Diskussion ist wieder typisch Deutsch.
Es wird relativiert, es wird alles entschuldigt, solange es im Demokratischen Rahmen ist.

In einer Demokratie sollten alle Meinungen akzeptiert werden. Es könnte ja sein, dass die Rechten doch Recht haben. Allerdings - nein! Wir haben es ausprobiert in Deutschland. Der Weg der Ausgrenzung im Inneren, und Isolation nach außen führte zum Untergang Deutschlands. Wir sind das Barbarenvolk in der ganzen Welt. Denkt man Deutschland, denkt man Hitler und staatlichem Massenmord. (von einem gewählten Diktator - wohlgemerkt)

Dh. die braue Optionen haben wir schon getested, und es sollte einfach keine Option mehr in der Demokratie sein. Und unserem Fall ist es keine mögliche alternative Zukunft - es ist keine Alternative - weil bereits gescheitert.

Man sollte von einem Volk lernen dass es aus Vergangenen lernt. Ließt man aber die Beiträge denkt man, Hitler könnte das gleiche wieder durchziehen.

Die SA ist ja damals auch nur singend durch die Straßen gelaufen, und hat sich gegen die bösen Kommunisten verteidigt. Wo ist der Unterschied zu diesen Proleten?

Ich weiß nicht was schlimmer ist. Der Nazi selbst, oder der demokratische Deutsch der mit seiner ständigen heuchlerischen Relativierung den Aufstieg ermöglicht.

Es wird Zeit für Deutschland, nicht jede Fehlentscheidung nochmal zu testen (AfD), sondern ganz klar Stellung zu beziehen: Nazis raus, das wollen wir nicht! Egal wie demokratisch sie sich nach außen geben.
 
Kurth Montag, 17.November 2014, 22:12 Uhr:
@Paul Pa:

Du meinst wohl die heftig kritisierte Stellungnahme der Polizei? Ach ja, die wird nur von der Systempresse und den Gutmenschen kritisiert - aus natürlich rein ideologischen Gründen.
Dabei gibt es doch ein schönes Video wie Leute brüllen auf das Rathaus zugehen und sogar Frauen schlagen.. feine Leute sind das.
Aber sebst die Polizei sieht ihr Verhalten zu dem Abend kritisch, wahrscheinlich natürlich nur durch Druck durch die neuen linksgrünen Gutmenschennazis:
http://www.rp-online.de/nrw/panorama/dortmund-rechtsradikale-vor-rathaus-polizei-gibt-sich-selbstkritisch-aid-1.4274376

Übrigens: Mal staatliche Stellen als Beweis nehmen, nur um ihnen dann Parteilichkeit zu unterstellen ist kein guter Stil. Ich suche jetzt nicht die Kommentare raus, wo du das gemacht hast, aber die schizophrenie ist durchaus erkennbar...
 

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