Neonazi mit hoher krimineller Energie – früherer Chef des „Thüringer Heimatschutzes“ wegen Verdachts auf Kindesmissbrauch in U-Haft

Während seiner „aktiven“ Zeit in der Neonazi-Szene baute Tino Brandt – nach eigener Aussage mit Geldern des Verfassungsschutzes – die Straßenkämpfer-Truppe des „Thüringer Heimatschutzes“ auf, in der auch die mutmaßlichen NSU-Terroristen aktiv waren. Zuletzt machte der frühere V-Mann vor allem mit seiner kriminellen Energie Schlagzeilen. Gestern wurde der 39-Jährige verhaftet: Verdacht auf Kindesmissbrauch.

Donnerstag, 26. Juni 2014
Redaktion
Gefängnis (Foto: Michael Kötter)
Gefängnis (Foto: Michael Kötter)
Betrug, Zuhälterei und nun Kindesmissbrauch. Die Liste der Vorwürfe gegen den früheren Chef des „Thüringer Heimatschutzes“ (THS), Tino Brandt, ist lang. Gestern wurde der 39-Jährige in Untersuchungshaft genommen, berichtet die Thüringer Allgemeine. Grundlage sei die Aussage eines damals 15-jährigen Jungen, an dem sich der Neonazi vergriffen haben soll. Die neuen Erkenntnisse waren im Laufe der Ermittlungen gegen Brandt wegen Zuhälterei ans Tageslicht gekommen. Bereits vor vier Wochen war u. a. die Wohnung des einstigen thüringischen NPD-Kaders durchsucht worden. Seit 2011 soll Brandt männliche Heranwachsende und Jugendliche, die sich prostituierten, ausgebeutet haben. Aus Ermittlerkreisen hieß es, der mehrfach wegen verschiedener Delikte angeklagte, aber nicht verurteilte Neonazi habe bis zu 60 Prozent „Provision“ einbehalten. Ermittlung reiht sich an Ermittlung Auf die vermutete Zuhälertätigekeit war die Polizei im Rahmen einer anderen Ermittlung gestoßen. Seit Frühjahr 2012 steht Brandt, der als V-Mann des Verfassungsschutzes nach eigener Aussage mehr als 200.000 DM Spitzellohn eingestrichen haben will, im Zentrum eines Versicherungsbetrugsfalls. Ihm und rund einem Dutzend Personen aus seinem Umfeld wird vorgeworfen, mit fingierten Arbeitsunfällen abkassiert zu haben. Das Geld des Verfassungsschutzes habe Brandt, wie er mehrfach betonte, in den Aufbau eines militanten Kameradschaftsnetzwerkes, des THS, gesteckt. Dort waren auch die späteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe aktiv, denen zehn Morde und mehrere Banküberfälle zur Last gelegt werden. Deshalb soll Brandt in drei Wochen vor dem Münchner Oberlandesgericht, wo derzeit gegen Zschäpe und vier Mitverschwörer verhandelt wird, aussagen. Hierfür sind drei Termine anberaumt. Den ersten Auftritt hatte der Neonazi, der sich weiterhin zu seiner menschenverachtenden Ideologie bekennt, platzen lassen. Der Grund: Krankheit.

Foto: Michael Kötter, Lizenz: CC

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