von Oliver Cruzcampo
   

Neonazi-Kader bei Rostocker Fight Night

Seit geraumer Zeit sind Rostocker Neonazis im Bereich Kampfsport aktiv, werben gar mit einem eigenen Label. Und versuchen offenbar gezielt, in Sportvereine einzusickern. Über den größten Sportverein des Bundeslandes nahm ein rechtsextremer Kampfsportler an der Rostocker Fight Night teil.

Kevin Käthner (mit blauer Brille) auf einer Neonazi-Demonstration in Stralsund

An der Rostocker Fight Night beteiligte sich in diesem Jahr auch ein Kämpfer, der in der lokalen Neonazi-Szene zu verorten ist. Auf der Fightcard, der Listung der am 2. November antretenden Sportler, tauchte auch Kevin Käthner auf. Der 27-Jährige wird dort im Bereich Boxen aufgeführt, den anschließenden Kampf über zwei Runde à drei Minuten verlor der Neonazi.

Ebenfalls gelistet sind die jeweiligen Vereine der Kämpfer. Im Fall von Käthner ist das der PSV Rostock, der damit wirbt, der größte Breitensportverein des Landes Mecklenburg-Vorpommern zu sein. Im Internet kursieren zudem Fotos, die eine Mitgliedschaft des Mannes in dem Verein nahelegen. Auch auf mehrfache Nachfrage wollte sich der Verein dazu nicht äußern, verweist lediglich darauf, dass „umfangreiche Maßnahmen mit hohem integrativem Charakter“ durchgeführt würden.

Teilnehmender Verein geht auf Distanz

Ein teilnehmender Verein aus Leipzig distanzierte sich im Nachgang von der Teilnahme des Neonazis an der Fight Night. „Nachdem wir darüber informiert wurden, leider erst nach seinem Boxkampf, haben wir den Veranstalter darüber informiert, welcher uns zugesichert hat, dass diese Person nicht mehr auf deren Events kämpfen wird“, heißt es auf der Facebook-Seite des „8 Weapons Gym Leipzig“.


Kevin Käthner (rechts) im Boxring der Rostocker Fight Night, Foto: Screenshot Facebook

Käthner gilt als einer der umtriebigsten Neonazis im Raum Rostock und wichtiger Akteur der Gruppierung „Aktionsblog“. Auch der Verfassungsschutz hat die Kameradschaft auf dem Schirm, widmet ihr im aktuellen Bericht knapp drei Seiten. Dort heißt es u.a.: „In der Gesamtbetrachtung besteht die berechtigte Sorge, dass sich das rechtsextremistische Gewaltpotenzial auf diese Weise professionalisiert, so dass der „Kampf um die Straße“ in einer neuen – noch brutaleren – Intensität umgesetzt werden könnte.“

Der Neonazi war 2017 an einer Störaktion einer DGB-Demonstration in Rostock beteiligt, auch an einem sogenannten Heldengedenken auf dem Friedhof in der Hansestadt war er zugegen. Seitdem reihte sich Käthner in zahlreiche Aufmärsche der rechtsextremen Szene ein, zusammen mit Mitgliedern seiner Kameradschaft fand er sich zuletzt auch mehrfach auf AfD-Demonstrationen ein. Dort war er im Frühjahr vergangenen Jahres teil einer Gruppe, die versuchte, einen Fotografen zu attackieren. Die Polizei konnte dies verhindern.

Neonazi-Kampftruppe gegen „eiserne Machteliten und Ströme fremder Ethnien“

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. David Mallow, ein „Kamerad“ von Käthner, trainierte nicht nur in einem Güstrower Sportverein, sondern war auch als Trainer im Bereich Boxen aktiv. Von dieser Aufgabe soll er mittlerweile entbunden worden sein.

Die beiden Rechtsextremen werden auch immer wieder mit „Baltik Korps“ in Verbindung gebracht. Unter dem Label tritt die Kameradschaft seit etwa einem halben Jahr zunehmend öffentlich in Erscheinung, laut Eigenaussage als „sportlicher Arm unseres Netzwerkes“. Selbsternanntes Ziel der Neonazi-Kampftruppe: sich gegen „den kranken Geist der einhergehenden Gesellschaft (…) stellen, der sich durch eiserne Machteliten und Ströme fremder Ethnien, inmitten unseres Seins manifestiert hat.“

Die rechtsextreme Kampfsport-Szene hat sich zuletzt rapide professionalisiert und agiert längst über die Landesgrenzen hinaus. In diesem Jahr wurde der wichtigste Szene-Event, der „Kampf der Nibelungen“, in letzter Minute untersagt. Auch Mitglieder des Rostocker „Aktionsblog“ waren zuvor dort mit einem Stand vertreten und beteiligten sich an den Kämpfen.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen