von Marc Brandstetter
   

Neonazi-Großevent: Wohlleben-Unterstützer und Rennicke gemeinsam gegen „Presselügen und Meinungsdiktatur“

Der „Thüringentag der nationalen Jugend“ gehört längst zu den etablierten Neonazi-Musikfestivals. In diesem Jahr soll am kommenden Wochenende in Kahla, wo bereits seit vielen Jahren eine vitale braune Szene existiert, die zwölfte Auflage über die Bühne gehen. Organisiert wird die Veranstaltung, als deren Headliner der Neonazi-Barde Frank Rennicke angekündigt ist, von Unterstützern des mutmaßlichen NSU-Mitverschwörers Ralf Wohlleben.

Der ehemalige NPD-Landesvize von Thüringen, Ralf Wohlleben, muss sich derzeit vor dem Oberlandesgericht München verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 38-jährigen Neonazi vor, diejenige Waffe nebst Munition besorgt zu haben, mit der der NSU seine Mordserie beging. Deshalb lautet die Anklage auf Beihilfe zum Mord. Ferner soll Wohlleben beim Untertauchen der drei mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, mit denen er einst gemeinsam im „Thüringer Heimatschutz“ aktiv war, einen Schlüsselrolle gespielt haben.

Beim „Thüringentag der nationalen Jugend“, der am kommenden Wochenende bereits in die zwölfte Runde geht, zog er in der Vergangenheit ebenfalls die Fäden. Zwischen 2002 und 2009 habe er mehrere Funktionen, u. a. als Veranstalter, Veranstaltungsanmelder, Versammlungsleiter oder Moderator inne gehabt. Außerdem sei er mehrere Male als Redner aufgetreten,mit 300 Teilnehmern weit hinter den Erwartungen zurückblieb, backen die Organisatoren heuer kleinere Brötchen. In diesem Jahr rechnen die Behörden mit Teilnehmerzahlen in ähnlicher Höhe „Auf dem Gries“. „Presselügen und Meinungsdiktatur“, so das Motto, sollten dort bekämpft werden. Neben dem Geraer NPD-Vorsitzenden Gordon Richter, dessen Beschwerde gegen die Wahl eines Oberbürgermeisters in seiner Heimatstadt gestern zurückgewiesen worden war, sind Patrick Schröder vom braunen Internetfernsehen „FSN-TV“ und die „freien Aktivisten“ Maik Müller und Sven Dietsch als Redner angekündigt. Der unvermeidliche Dieter Riefling und der vorbestrafte Neonazi-Bombenbauer Martin Wiese komplettieren die Runde.  

Das musikalische Begleitprogramm gestalten die thüringische Rechtsrock-Band „Hermunduren“, „Priorität 18“, die erst kürzlich bei dem durch die Polizei aufgelösten Event in Finowfurt spielten, und „Exzess“. Letztere gehörten auch zum Billing der Abschiedsfestes des ehemaligen Geschäftsführers der NPD-Postille Deutsche Stimme, Eckard Bräuniger, in Riesa. Als Zugpferd verpflichteten die Veranstalter mit Frank Rennicke ein echtes Szeneurgestein. Zahlreiche Veröffentlichungen des Neonazi-Barden, der bereits zwei Mal für die NPD als Bundespräsident kandidierte, sind indiziert.

Mit Infoständen werden zahlreiche Organisatoren von „Gedenkmärschen“ vertreten sein. Aber auch die NPD, der „Tag der deutschen Zukunft“ oder die „Gefangenenhilfe“, die mehr oder weniger die Nachfolge der verbotenen „Hilfsgemeinschaft für nationale politische Gefangene und ihre Angehörigen“ angetreten hat, möchten ihre Arbeit und Aktionen vor Ort vorstellen.

Bereits im Vorfeld hatten Unbekannte versucht, mögliche Gegendemonstranten einzuschüchtern. Ende April waren in dem frisch eröffneten „Demokratieladen“ in Kahla die Scheiben eingeworfen worden. Doch die Neonazi-Gegner zeigen sich kämpferisch. „Dem Nazifest in Kahla werden wir uns mit Mitteln des zivilen Ungehorsams entgegenstellen“, heißt es etwa auf einem Flyer. Infos zu den geplanten Protesten gibt es hier.

Foto: Johannes Hartl

Kommentare(5)

Henriette von Stetten Donnerstag, 13.Juni 2013, 09:01 Uhr:
Das es den Thüringentag nach wie vor gibt,ist eine Bereicherung der Kultur.
Der zweimalige Bundespräsidentschaftskandidat Frank Rennicke kann nicht nur gut singen.
 
Chewie Donnerstag, 13.Juni 2013, 15:04 Uhr:
@ von Stetten:

Du bist nicht echt, sondern betreibst hier Satire, richtig? Anders kann ich mir dein Füllhorn an hohlen Phrasen und unterirdisch verblödeten Plattitüden jednefalls nicht mehr erklären. Zumindest nicht, ohne dich zu beleidigen.
 
Henriette von Stetten Donnerstag, 13.Juni 2013, 21:16 Uhr:
@Chewie "Du bist nicht echt.....
Ob Du Dir egal was erklären kannst oder nicht,entzieht sich meiner Kenntnis. Aber
ich kann Dich in einem Punkt beruhigen.
Beleidigen kannst Du mich nicht mal ansatzweise. Auch nicht mit
bestmöglicher Hilfe . CIAo
 
Otto Freitag, 14.Juni 2013, 08:01 Uhr:
@ER
Bitte ergänzen, neben der Mobilisierung vom Aktionsnetzwerk gibt es auch andere Initiativen und Bündnisse die gegen den Thüringentag mobilisieren, z.b. das “Thüringenweite Bündnis gegen Nazifeste” unter http://www.tourismus-kahla.de , außerdem aus dem Umfeld eine neue Recherche-Seite über die Naziszene in Kahla, diese Woche erschienen http://www.kahla-info.de
 
bc Freitag, 14.Juni 2013, 11:22 Uhr:
"Der zweimalige Bundespräsidentschaftskandidat Frank Rennicke kann nicht nur gut singen."

bitte jetzt keine intimen details. das mit dem gesinge ist schon ein zumutung.
 

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