von Oliver Cruzcampo
   

Neonazi-Gottesdienst für Rudolf Heß verboten

Wunsiedel kommt nicht zur Ruhe. Nachdem die Gebeine des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß exhumiert worden waren, zogen 250 Neonazis durch die Stadt. Nun wollten sie gar einen Gottesdienst für Heß abhalten – die Stadt hat diesen nun jedoch verboten.

Für kommenden Sonnabend hatte Christian Bärthel, ehemaliger stellvertretender Landesvorsitzender der „Deutschen Partei“ in Thüringen, einen „Rudolf-Heß-Gedenkgottesdienst“ auf dem Wunsiedler Marktplatz angemeldet. Wenige Tage vor dem Todestag des Hitler-Stellvertreters wollten Bärthel und Anhänger sich dort treffen, um „christliche Lieder zu singen, zu beten und zu predigen“. 

Die oberfränkische Gemeinde hat dies nun jedoch unterbunden. Das Gedenken an Heß erfülle die Tatbestände der Volksverhetzung, heißt es in der Verbotsverfügung. „Einen religiösen Schutz zum Gedenken an einen verurteilten Kriegsverbrecher kann es nicht geben“, heißt es laut „Sueddeutsche“ in der Begründung. Ob Bärthel, der wegen Volksverhetzung und anderer Straftaten bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, gegen das Urteil Widerspruch eingelegt hat, ist bisher nicht bekannt.

Durch die überraschende Grabauflösung vor wenigen Wochen wollte der Kirchenvorstand der Stadt erreichen, dass Wunsiedel nicht länger als Pilgerstätte für Neonazis aus ganz Europa herhalten muss. Doch nur zehn Tage später zogen rund 250 Neonazis durch die oberfränkische Gemeinde. NPD und parteifreie Kräfte hatten eine Demonstration unter dem Motto „Fremdarbeiterinvasion stoppen“ angemeldet. Das Motto wurde lediglich benutzt, um eine mögliche Verbotsverfügung zu umgehen.

Die rechtsextreme Szene stilisiert Rudolf Heß seit Jahren zum vermeintlichen „Friedensflieger“ und Märtyrer. Ihrer Meinung nach hat es sich 1987 im Kriegsverbrechergefängnis Spandau nicht um Suizid gehandelt, sondern um Mord.

Neonazis kündigen zudem im Internet sogenannte „Rudolf-Heß-Aktionswochen“ an und rufen dazu auf, „kreativen Aktionen“ zu veröffentlichen, um so „die Erinnerung am Leben“ zu halten.

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