Neonazi-Festival in Mattstedt geplatzt

Für das im thüringischen Mattstedt geplante Neonazi-Festival wurden Tausende Teilnehmer erwartet – doch in letzter Sekunde wurde ein Verbot ausgesprochen. Für die rechtsextreme Szene ein Fiasko. Neonazi-Unternehmer Tommy Frenck lockte 400 verprellte Gäste in seinen Gasthof, eine unangemeldete Ersatzveranstaltung wurde am Abend von der Polizei untersagt.

„Letzte Information der Veranstalter auf der offiziellen Seite war, dass das Konzert auf jeden Fall stattfinden wird“, lautete am frühen Freitagabend noch die Botschaft auf einer eilig eingerichteten Ersatzseite auf Facebook, nachdem das US-Unternehmen den zum geplanten Festival gehörenden Event, als auch die Seite zuvor gelöscht hatte.

Wenig später stand jedoch fest: Das „Rock gegen Überfremdung“, das unter dem Motto bereits zwei Mal stattfand, würde an diesem Wochenende nicht in die dritte Runde gehen. Wie der MDR berichtet, hätte der Mietvertrag für das Gelände in Mattstedt ohne ausdrückliche Zustimmung aller Grundstückseigentümer nicht abgeschlossen werden dürfen. Ein Teil der Flächen gehört offenbar dem Bund, auch weitere Eigentümer seien nicht gefragt worden.

Shitstorm nach Absage

Die Entscheidung hatte das Verwaltungsgericht Weimar bekanntgegeben, die Veranstalter wären nicht vor die nächste Instanz gezogen. Kurz vor 23 Uhr bestätigte dann NPD-Funktionär Sebastian Schmidtke „im Namen des Veranstalters“ die Absage des Neonazi-Konzerts. „Das Rock gegen Überfremdung wird morgen also ausfallen! So Leid es uns tut“, schreibt Schmidtke auf seiner Facebook-Seite. Und weiter: „Durch Spitzfindigkeiten und ein sehr merkwürdiges Schlupfloch haben die Behörden es geschafft den Zugang zum Veranstaltungsort gänzlich zu untersagen.“ Wenig später veröffentlichten weitere angekündigte Bands und Einzelpersonen die Nachricht.

Der Online-Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten. „Ihr seit einfach zu blöd!!!! Hauptsache Kohle kassieren im Vorverkauf. Vier Karten gekauft und Wohnmobil gemietet. 430€ im Arsch“, schreibt ein Ticketinhaber. Weitere Kommentare gingen in eine ähnliche Richtung. Andere Neonazis kündigten des Verbots zum Trotz dennoch ihr Kommen an, doch die Polizei sperrte weitläufig die Zufahrtswege, so dass Neonazis die 500 Einwohner zählende Gemeinde erst gar nicht erreichten.

Neonazis ziehen nach Kloster Veßra

Der findige Neonazi-Unternehmer Tommy Frenck hingegen nutzte die Chance und mobilisierte zu seinem Gasthof „Goldener Löwe“ in Kloster Veßra. Dort hatte er eine Kundgebung angemeldet und einige Redner und Bands zusammengetrommelt. Vor Ort anzutreffen waren neben dem umtriebigen Axel Schlimper und Sebastian Schmidtke auch Kategorie C und F.I.E.L. Für den Abend wurde zudem Michael Regener, Sänger der Lunikoff-Verschwörung, angekündigt. Bereits am Nachmittag sah sich Frenck gezwungen, von einer weiteren Anreise abzuraten. Zu dem Zeitpunkt hatten sich bereits rund 400 Neonazis auf dem Grundstück eingefunden, die Kapazitätsgrenze war erreicht und die Polizei riegelte die Zufahrtswege ab. Der Stimmung vor Ort tat dies keinen Abbruch. Es floß reichlich Alkohol – immer wieder torkelten betrunkene Teilnehmer an der Polizei vorbei und versuchten, sich Medienvertretern zu nähern.

Rechtsrock in Kloster Veßra

Insgesamt hätte die Polizei an dem Tag 18 Stafanzeigen aufgenommen, u. a. wegen Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, sowie Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und das Waffengesetz. Bei 24 Personen sei die Identität festgestellt und gegen 63 Personen Platzverweise ausgesprochen worden. Dies bezieht sich allerdings wohl auf das gesamte Demogeschehen in Thüringen, so fand auch in Erfurt eine Kundgebung des Dritten Weges statt.

Neuer Termin?

Am Abend hatte die Polizei zudem eine Veranstaltung im sachsen-anhaltischen Sotterhausen unterbunden. Diese war offenbar unangemeldet und sollte als Ersatz für das geplante Konzert in Mattstedt dienen.

Die Organisatoren des geplatzten „Rock gegen Überfremdung“ haben öffentlich bislang noch nicht reagiert. Veranstalter war Steffen Richter, der zur „Bruderschaft“ der Turonen zählen soll, die vor allem im Hintergrund agiert. Tickets im vierstelligen Bereich seien bereits verkauft worden, heißt es. Auch für die Bereitstellung des ehemaligen Industriegeländes dürften hohe Kosten angefallen sein. Nun wabert das Gerücht, dass die Veranstalter das Neonazi-Festival zeitnah nachholen wollen – auch, um die verprellten Besucher zu besänftigen.

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