von Oliver Cruzcampo
   

Neonazi-Festival in Magdala: Tausende Teilnehmer erwartet

Nachdem das in Mattstedt geplante Rechtsrock-Festival Ende August nicht zustande kam, soll es am kommenden Wochenende nun nachgeholt werden. Die Organisatoren haben gleich zwei Orte angemeldet, erneut muss mit Tausenden Festivalgängern gerechnet werden. Der thüringische Innenminister teilte derweil mit, dass alles getan werde, um die Neonazi-Veranstaltung zu „be- oder verhindern“.

Teilnehmer auf dem Weg zum Konzert in Themar im vergangenen Sommer

„Kameraden, ihr dürft nicht resignieren“ – so heißt es in einem Mobilisierungsvideo der rechtsextremen Veranstalter des sogenannten Rock gegen Überfremdung 3 für das kommende Wochenende. Und weiter: „Das ist unser Land und wir sehen nicht tatenlos zu, wie es zerstört wird.“

Diesmal haben die Veranstalter gleich in zwei Städten Versammlungen angemeldet: in Apolda und in Magdala. So wollen sie verhindern, dass ihnen die Behörden erneut einen Strich durch die Rechnung machen und eine Durchführung in letzter Sekunde unterbunden wird. Nach derzeitigem Stand spricht einiges für Magdala.

Zeltfläche für Festival-Teilnehmer

In der 2.000 Einwohner-Gemeinde können die rechtsextremen Veranstalter auf gleich drei Grundstücke zurückgreifen, die ihnen für den Zeitraum vermietet wurden. Auf einer Ackerfläche sollen Bühnen und Zelte aufgebaut werden, offenbar werden erste Materialien bereits angeliefert. Eine weitere Fläche soll als Parkplatz dienen, ein drittes Grundstück als provisorischer Campingplatz. In Apolda wären diese Möglichkeiten wesentlich begrenzter, es stünde schlicht weniger Raum zur Verfügung.

Vor wenigen Tagen veröffentlichten die Organisatoren letzte Informationen für das Neonazi-Festival, begrüßt werden die potentiellen Konzertgänger mit „Heil Euch Kameraden“. Es folgen in erster Linie Verbote für die beiden Tage: Die Teilnehmer dürften nicht alkoholisiert sein, die Mitnahme von Essen und Getränken sei ebenfalls untersagt, nur Telefone ohne Kameras dürften mit auf das Gelände genommen werden.

Spätestens seit dem Rechtsrock-Festival in Themar im vergangenen Sommer sind rechtsextreme Massenveranstaltungen bundesweit in den Medien. 6.000 Teilnehmer für das „Rock gegen Überfremdung“ wird die Polizei vermutlich nicht erneut registrieren müssen, dennoch rechnen Beobachter mit Zahlen im vierstelligen Bereich.

Politische Kundgebung

Veranstalter ist Steffen Richter, der bereits in Themar Tommy Frenck unterstützend zur Seite stand, diesmal will der Neonazi ein eigenes Festival auf die Beine stellen. Richter wird der Gruppierung „Turonen“ zugerechnet, deren Mitglieder maßgeblich in die Durchführung eingebunden sein dürften.


Organisator Steffen Richter zusammen mit „Makss Damage“ vergangenen Sommer in Themar

Aus dem ursprünglich für einen Tag in Mattstedt geplanten Event sollen nun zwei Tage werden. Ab Freitagabend sollen insgesamt acht Bands auftreten, wie immer einhergehend mit mehreren Rednern aus der rechtsextremen Szene. So soll der Schein einer politischen Versammlung gewahrt werden, Untersagungen werden erschwert.

„Headliner“ in der rechtsextremen Erlebniswelt dürften vor allem Stahlgewitter und die Lunikoff Verschwörung sein, Freitagabend tritt bereits Gigi & die braunen Stadtmusikanten auf. Für Reden eingeplant sind in etwa Michael Brück und Sascha Krolzig, die beiden Vorsitzenden der Splitterpartei Die Rechte, die beiden NPD-Funktionäre Sebastian Schmidtke und Christian Häger, sowie die Szene-Aktivisten Dieter Riefling und Sven Skoda.

Behörden sollen gegen Veranstaltung vorgehen

Ob das Festival in der Form stattfinden kann, ist derzeit unklar. In Mattstedt sorgten behördliche Auflagen dafür, dass die Organisatoren um Steffen Richter das Konzert in letzter Sekunde absagen mussten. Zu dem Zeitpunkt waren Bühnen und Technik bereits aufgebaut, etliche Teilnehmer angereist. Im Internet entlud sich dementsprechend der Frust. „Hauptsache Kohle kassieren im Vorverkauf . Vier Karten gekauft und Wohnmobil gemietet. 430 Euro im Arsch“, schreibt ein Festivalgänger.

„Land, Kreis und Stadt werden alles tun, um #rgü3 (Rock gegen Überfremdung 3, Anm. der Red.) zu be- oder verhindern“, kündigte vor wenigen Tagen der thüringische Innenminister Georg Maier auf Twitter an. Was genau Meier damit meint, ist bislang unklar. Währenddessen mobilisiert das Bündnis „Wir für Apolda“ zu Gegenprotesten, ein Shuttle-Bus soll Demonstranten aus umliegenden Städten nach Magdala bringen. Weitere Organisationen haben ihre Unterstützung zugesagt.

Der Undercover-Journalist Thomas Kuban weist zudem darauf hin, dass eine Band, die Kuban im August auf einem konspirativ organisierten Konzert in Kirchheim sah und auch für kommenden Sonnabend angekündigt ist, mutmaßlich Aufrufe zu Straftaten verbreitet haben soll. „Schlagt sie alle tot“, soll der Sänger laut Kuban Richtung Neonazi-Gegner gesungen haben.

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