Neonazi-Demo diesmal unter „Die Rechte“-Label

Soest – Nachdem Neonazis bereits im Februar 2011 und ein Jahr darauf in Soest demonstriert hatten, planen sie nun für den 9. März eine weitere Demo in der westfälischen Stadt.

Montag, 04. März 2013
Redaktion

Eng in die Vorbereitungen involviert ist offenbar erneut Sascha Krolzig aus Hamm. In den beiden vorigen Jahren trat er bereits als Anmelder und Versammlungsleiter auf. Damals waren „Freie Kräfte“ als Veranstalter der Soester Demonstrationen genannt worden. Diesmal – Krolzig ist nach dem Verbot der von ihm geführten neonazistischen „Kameradschaft Hamm“ inzwischen zum Bundes- und Landesvorstandsmitglied der Partei „Die Rechte“ (DR) avanciert – nennen die Organisatoren des braunen Aufzugs auf einer eigens eingerichteten Internetseite „Die Rechte – Landesverband NRW, unterstützt durch freie Kräfte“ als Veranstalter.


Beginnen soll die Veranstaltung unter dem Motto „Dreieinhalb Jahre für ein Menschenleben? – Schluß mit der Kuscheljustiz für kriminelle Ausländer!“ mittags am Soester Bahnhof. Als Redner werden nach dem aktuellen Stand der Planung der DR-Vorsitzende Christian Worch, Vertreter der DR-Kreisverbände Dortmund und Hamm sowie ein „Freier Aktivist aus Soest“ auftreten.
Der Anlass für die Demo liegt etwas mehr als zwei Jahre zurück. Die Neonazis wollen auch diesmal den Tod des 20-jährigen Tim K., der Ende Januar 2011 bei einer Vorabi-Fete in Soest durch einen Messerstich ums Leben kam, für ihre Propagandazwecke nutzen. Wegen einer Körperverletzung mit Todesfolge hatte die Jugendkammer des Landgerichts Arnsberg einen zur Tatzeit 17-jährigen Deutschen türkischer Abstammung zu drei Jahren und sechs Monaten Jugendhaft verurteilt. Inzwischen ist das Urteil nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes rechtskräftig geworden.


170 bzw. 150 Neonazis hatten an den Neonazi-Demonstrationen der beiden Vorjahre teilgenommen. Vor allem aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland waren sie gekommen. Mit „Deutschland den Deutschen – Ausländer raus“- und „Alles für Volk, Rasse und Nation“-Parolen sowie der Aufforderung, Ausländer „plattzumachen“, zogen sie durch die Straßen der Stadt. (bnr.de berichtete hier und hier). Eine besondere Provokation hatten sich einige der Neonazis im vorigen Jahr für das Ende der Veranstaltung aufgespart. „Heute ist nicht alle Tage – wir kommen wieder, keine Frage“, riefen sie nach der Titelmelodie der „Paulchen Panther“-Serie. Motive der „Paulchen Panther“-Serie und jenen Titelsong hatten die Rechtsterroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) für ihre Bekenner-Videos benutzt.


Bisher haben sich die Ansätze von Neonazis, auch mittels regelmäßiger Demonstrationen in der 50.000-Einwohner-Stadt Fuß zu fassen, als wenig erfolgreich erwiesen. Der Versuch, vor Ort Strukturen der Szene aufzubauen, scheiterte bislang. (ts)
 

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