von Oliver Cruzcampo
   

Neonazi-„Bürgerwehr“ will Bevölkerung schützen

Nach mehreren Demonstrationen und Mahnwachen gründete die umtriebige rechtsextreme Szene in Güstrow nun eine „Bürgerwehr“. Vorbestrafte Neonazis wollten am Freitagabend die Bevölkerung „vor kriminellen Aktivitäten“ schützen – und bekamen stattdessen eine Polizeieskorte.

Nils Matischent (Mitte) und weitere Teilnehmer einer Mahnwache in Krakow am See

Am Abend des Karfreitag versammelten sich in Güstrow laut Polizeiangaben 27 Personen, die in den folgenden Stunden „zum Schutz der Bevölkerung vor kriminellen Aktivitäten und Gefahrenunterbindung“ durch die Stadt patrouillieren wollten. Die Mehrheit der Teilnehmer ist der rechtsextremen Szene des Ortes zuzurechnen, auch der NPD-Gemeindevertreter Nils Matischent war vor Ort vertreten.

Im Internet brüstet sich die Gruppe „Güstrow wehrt sich gegen Asylmissbrauch“ mit der abendlichen Aktion und spricht von einem „vollen Erfolg“ der „45 friedlich – angaschierten (!) Teilnehmer und Helfer“. In sechs „Einsatzgruppen“ sei man anschließend durch Güstrow gezogen.

Gänzlich unter sich konnten die Neonazis jedoch nicht bleiben. Die Polizei war mit mehreren Beamten vor Ort und führte Personenkontrollen durch, ein Böller sei gefunden worden. Anschließend seien die 27 Personen während des „Kontrollgangs“ durch die Polizei begleitet worden – eine Konstellation, die mit einem „klassischen“ Neonazi-Aufmarsch vergleichbar sein dürfte. Zudem wird laut Polizei im Zuge der Gefahrenabwehr die weitere Beobachtung der Aktivitäten angekündigt.


So präsentiert sich die „Bürgerwehr“ bei Facebook, Foto: Screenshot

Das eigentliche Anliegen einer Bürgerwehr, ein Gefühl der Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen, dürften die Neonazis mit ihrer nächtlichen Patrouille kaum erreichen. Mehrere Teilnehmer seien bereits selbst strafrechtlich in Erscheinung getreten. Erst zwei Wochen zuvor gab es in der Kreisstadt eine Demonstration der rechtsextremen Szene, während der sich der NPD-Hobbypolitiker Nils Matischent eine Rangelei mit der Polizei leistete. Das Ergebnis: ein blaues Auge für den 24-Jährigen.

Der harte Kern der Szene in Güstrow, der aus rund einem Dutzend Personen besteht, betreibt seit Monaten vermehrt politische Agitation. Nur wenige Stunden nach dem Aufmarsch der „Bürgerwehr“ führten größtenteils dieselben Personen eine Mahnwache im nahegelegenen Krakow am See durch. Zuvor gab es Demonstrationen in Güstrow und Bützow, einhergehend mit Drohgebärden und Morddrohungen gegenüber Pressevertretern. Auf eine kulturelle Begegnungsstätte wurde ein Anschlag verübt, die Täter werden im rechtsextremen Spektrum vermutet.


Ein Güstrower Neonazi traut sich ohne Waffen nicht mehr aus dem Haus

Vor vier Jahren hatte bereits die NPD-Fraktion im Landtag die „Einführung eines freiwilligen Streifen- und Ordnungsdienstes in Mecklenburg-Vorpommern“ Die Mannen um Udo Pastörs wollten eine „Mitwirkung von ehrenamtlich engagierten Bürgern bei der Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit im Land“ erreichen.

Ebenfalls bei Facebook hatte sich vor knapp einem Jahr eine „Bürgerwehr Rostock“ formiert, da ein flüchtiger Exhibitionist gestellt werden sollte. Um die Gruppe, in der sich neben Hooligans auch bekannte Neonazis tummeln, ist es seitdem jedoch ruhig geworden.

Kommentare(3)

B aus M-V Dienstag, 07.April 2015, 21:15 Uhr:
Ja, voll angaschiert, das rechte Randgruppendebakel hier in M-V. ;oP
Zum Glück werden diese Typen niemals etwas zu melden haben. Dem Volke sei Dank.
 
Roichi Dienstag, 07.April 2015, 23:48 Uhr:
Also an sich ist die Idee ja zu begrüßen.
Die Kamerraden treffen sich im kleinen Kreis, vielleicht beim Stricken oder Fernsehen, möglichst ohne Alkoholkonsum. Dann lungern sie nicht auf der Straße rum, sind weniger versucht Brandanschläge oder Körperverletzungen zu begehen und anschließen geht man geschlossen und begleitet nach hause.
Das würde die Kriminalität definitiv senken.
Allerdings auch sowas wie Selbstreflektion und Ehrlichkeit voraussetzen.

So bleibt es nur bei dem Versuch von Kriminellen mal wieder Straftaten zu begehen, das aber propagandistisch zu verkaufen.
Das braucht nun wirklich Niemand.
 
Irmela Mensah-SWchramm Mittwoch, 08.April 2015, 15:57 Uhr:
Oh, ich glaube, ich habe da schon mal etwas "Vorarbeit" geleistet und den
- zumindest sichtbaren - Nazi-Propaganda-Dreck beseitigt!
Fortsetzung folgt!
Na dann könnt Ihr wegen meiner angeblichen "Sachbeschädigung" jammern!
 

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