Neonazi-Aufmarsch: "Zurückeroberung" Leipzigs fällt aus

Seit mehreren Wochen hatten verschiedene extrem Rechte Gruppierungen mobilisiert, um Leipzig „zurückzuerobern“. Gekommen sind jedoch lediglich 200 Neonazis. Begleitet wurde der Aufmarsch von massiven Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstrant_innen und der Polizei.

Bereits seit mehreren Wochen mobilisierte die extreme Rechte überregional zu einem Leipziger Sternmarsch durch den linksalternativen Szenestadtteil Connewitz. Man wolle mit den Linken „ins Gespräch kommen“, hieß es süffisant.

In den sozialen Netzwerken klang das dann anders, dort hieß es, man wolle „Connewitz in Schutt und Asche legen“. Nur die wehrfähigen Männer sollten dafür anreisen. Organisiert wurden die geplanten Aufmärsche durch die Offensive für Deutschland (OfD), Thügida und Die Rechte.

Im Vorfeld deutete sich jedoch schon an, dass die angemeldeten Routen so nicht genehmigt würden. Zunächst wurden diese ein Stück aus dem Szenekiez heraus verlagert und schließlich in einem Kooperationsgespräch mit der Leipziger Ordnungsbehörde zu einem Aufmarsch zusammengelegt. Dieser führte jedoch gar nicht mehr durch Connewitz, sondern auf etwa 600 Metern durch die Leipziger Südvorstadt. Zudem versammelten sich am Samstagnachmittag gerade einmal 200 Personen.

Auch wenn im Vorfeld nach außen das Bild drei gemeinsam agierender aber doch verschiedener Gruppierungen vermittelt werden sollte, zeigte sich der Aufmarsch als eine recht homogene Gruppe, welche sich vor allem aus dem Hooliganspektrum und Freien Kameradschaften rekrutierte.

Extreme Rechte vereint

Auch wenn die Versammlungen von verschiedenen Personen angemeldet wurden, sah sich insbesondere OfD-Gründer Silvio Rösler in der Rolle des Moderators. Wie schon bei den vergangenen Aufmärschen, unterstützten ihn dabei Alexander Kurth und Anne Zimmermann. Während letztere zuvor bei der Initiative Heimatschutz Meißen aktiv war, blickt Kurth schon auf eine längere extrem Rechte Karriere in Leipzig zurück. Er war zunächst in die Freien Kameradschaft Mockau aktiv, später NPD-Funktionär und ist jetziger Vorsitzender des sächsischen Landesverbandes der Splitterpartei Die Rechte.

Weitere Unterstützung kam vom Thügida-Organisator David Köckert und dem Neonazikader Michel Fischer aus Thüringen. Der thüringische Pegida-Ableger kündigte schon vor Wochen an, auch vermehrt in Sachsen aktiv zu werden. Thügida wurde erst kürzlich durch das Thüringer Innenministerium als „rechtsextrem“ eingestuft.

Prominenter Anmelder der Demonstration war Christian Worch. Der Gründer der Partei Die Rechte hatte zwischen 2001 und 2007 zahlreiche Aufmärsche in Leipzig organisiert, bis die „Demonstrationskette“ durch sinkende Teilnehmendenzahlen und starke Gegenproteste ein Ende fand.

Der Kampf um Leipzig

Mit der Anmeldung von mehreren Aufmärschen in dem „symbolträchtigen Connewitz“, wie es Worch schon 2007 nannte, versuchte man das „Frontstadt“-Konzept wiederaufleben zu lassen, bei dem Aufmärsche gezielt in „linken“ Städten angemeldet wurden. Es galt also mit dem geplanten Sternmarsch, Leipzig als „Frontstadt“ ihrer Bewegung „zurückzuerobern“; unterstrichen wurde dies mit Aussagen à la: „wenn Leipzig steht, fällt das System.“

Diesen Kampf um die Wiedererlangung einer Gebietshoheit in Leipzig sahen die wenigen angereisten Neonazis am Ende des Aufmarsches als gewonnen an und feierten dies als großen Erfolg. Man würde auf jeden Fall wieder kommen. Mit Blick auf die stark verkürzte Route, welche zudem nicht einmal durch Connewitz führte, kann dies nur als übertriebene Selbstüberschätzung angesehen werden.

Begründete man die Aufmärsche in Connewitz anfänglich noch mit einer vermeintlichen Dialogbereitschaft gegenüber Linken, standen in den Reden verbale Angriffe auf den politischen Gegner, der „links“ stehe, im Vordergrund.

Von Beginn an begleiteten Sprechchöre wie „Connewitz, wir sind da, eure Anti-Antifa“ den Aufmarsch. Insgesamt war die Demo vom gewaltbereiten Auftreten der Teilnehmenden geprägt. Wie schon viele Sympathisanten zuvor im Internet äußerten, sie es eher auf eine direkte körperliche Konfrontation mit „der Antifa“ gegangen. Immer wieder kam es aus dem Aufzug heraus zu Bedrohungen, Böllerwürfen und versuchten Angriffen auf Journalist_innen.

Schon in der Nacht vor dem Aufmarsch gab es nicht nur vereinzelt Brände von Autoreifen im Leipziger Süden, sondern wohl auch einen politisch motivierten Angriff auf das Abgeordneten-Büro der Linken in Leipzig-Lindenau. Hierbei schmissen unbekannte Täter alle Scheiben ein.

Umfangreiche Gegenproteste

Nachdem es bereits am Vorabend eine Demonstration mit etwa 1.000 Teilnehmer_innen gegeben hatte, waren auch am Samstag mehrere tausend Menschen auf den Straßen, um sich dem Neonazi-Aufmarsch entgegenzustellen. Insgesamt elf Gegenveranstaltungen waren im Vorfeld angemeldet worden.

Während immer wieder Kleingruppen versuchten, auf die Aufzugsstrecke zu gelangen, kam es fernab der geplanten Route zu zahlreichen Sachbeschädigungen und Barrikadenbau.

Im Laufe des Nachmittags kam es zu massiven Auseinandersetzungen mit der sichtlich überforderten Polizei. Diese versuchte in zunehmenden Maße, gewaltvoll die Oberhand zurückzugewinnen. Dabei kam es häufig zu wenig nachvollziehbarem eskalativen Verhalten und erheblichen Einsatz von Reizgas, so ging in einigen Einheiten sogar das Pfefferspray zur Neige und Sicherheitskräfte setzten auf den Einsatz von CS-Gas. Dabei wurden neben zahlreichen Demonstrant_innen auch Polizeikräfte verletzt.

Nichtsdestotrotz fanden viele friedliche Proteste in einiger Entfernung zu dem Aufmarschgebiet der Neonazis statt. Ebenso wurden durch Anwohner_innen eine Vielzahl von Transparenten aus den Fenstern gehängt, die ihre Ablehnung gegen Neoazis und Botschaften wie „Refugees Welcome“ und „No Border no Nation“ zeigten.

Kommentare(13)

Robert Niedermeier Sonntag, 13.Dezember 2015, 17:44 Uhr:
"Der Sinn und das Ziel des passiven Widerstandes ist, den Nationalsozialismus zu Fall zu bringen, und in diesem Kampf ist vor keinem Weg, vor keiner Tat zurückzuschrecken, mögen sie auf Gebieten liegen, auf welchen sie auch wollen. An allen Stellen muß der Nationalsozialismus angegriffen werden, an denen er nur angreifbar ist. " http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/weisse-rose/61019/flugblatt-iii
 
Irmela Mensah-Schramm Montag, 14.Dezember 2015, 23:18 Uhr:
Na, da haben aber auch jene "Wutpolizisten" in Leipzig ähnlich "gewütet".
Das sieht man auch an der Vorgehensweise gegen Pfarrer König!
Rache, nichts als Rache, da es unter dem Druck der großen Öffentlichkeit die sächsische Skandal-Justiz in Dresden es nicht geschafft hat, ihn wegzusperren, meinen nun die leipziger Polizisten es nachholen zu müssen.

Nun, auch die Vorgehensweise und das Versagen der Stadt hat letztendlich den Gewaltexess der Antifa - den ich dennoch ganz sicher nicht befürworte oder billige - mit zu verantworten.
 
Erik Dienstag, 15.Dezember 2015, 12:33 Uhr:
Wer Straftaten begeht, der muss sich über entsprechende Maßnahmen der Polizei nicht wundern. Das gilt auch für Pfarrer König.
 
Martin Dienstag, 15.Dezember 2015, 14:42 Uhr:
@Irmela Mensah-Schramm

Was ist denn ein "Wutpolizist"?

Und was steckt hinter der Verschwörungstheorie, um den vermutlichen Anstifter zum schweren Landfriedensbruch Herrn König?

Meinen Sie ernsthaft, dass das Versagen des Staates des Staates hinreichende Begründung für Gewaltsames Vorgehen (immerhin dutzende zerstörte Autos, massive Sachbeschädigung. Brandstiftung, etc...) ist.

Haben Sie sichon mal überlegt, wie das mit Kants kathegorischem Imperativ zusammen geht, wenn man daraus ein allgemeines moralischen Prinzip ableitet: "Staatsversagen = Rechtfertigung für Aufruhr und Gewalt." Ein Prinzip das für jedermann und jedes Staatsversagen gleichermaßen gilt.

Auf dem Boden der Demokratie stehen Sie jedenfalls nicht.
 
Roichi Dienstag, 15.Dezember 2015, 16:52 Uhr:
@ Erik

Nach seiner Darstellung ist fraglich, ob der Einsatz gerechtfertigt war.
Aber das werden wohl die Ermittlungen ergeben.

@ martin

Über den Boden der Demokratie solltest gerade du schweigen. Hast du dich doch bisher nicht als Verfechter der Demokratie und deren Grundlagen hervorgetan. Ganz im Gegenteil.
Und so hältst du es dann auch hier.
Verbunden natürlich mit etwas Ablenkung und falschen Behauptungen.
 
Roichi Dienstag, 15.Dezember 2015, 16:54 Uhr:
Nachtrag zu erik:

Vielleicht auch mal weiterlesen:
http://www.vice.com/de/read/ausschreitungen-am-samstag-in-leipzig-982
 
kritiker Dienstag, 15.Dezember 2015, 20:00 Uhr:
Die eigenartige Art und Weise, wie Roichi, I.Mensah-Schramm und auch andere
immer wieder die Straftaten (auch die mutmaßlichen !) einzelner Rechtsextre-
misten scharf und unerbittlich verurteilen, die erheblichen Gewalttaten der
Antifa-SturmAbteilung aber verniedlichen, kleinreden oder gar anzweifeln ,
diese Art und Weise der Kommentierung zeigt mir die wahre Einstellung dieser
"Kämpfer gegen Rechts" zu Gewalt und Terror und zum Rechtsstaat.
Und, werte Frau I.Mensah-Schramm, die von Ihnen geschriebene Verunglimpfung ,ja Beleidigung der Leipziger Polizeibeamten zeigt, wie Sie
wirklich zu unserem Rechtsstaat stehen. Dutzende durch linksextremistische
Gewalttäter der "Antifa" verletzte Polizisten scheinen Sie nicht zu rühren -
im Gegenteil, Sie beleidigen die Männer und Frauen, die ihren Kopf hinhalten
müssen, wenn geistesgestörte linke Terroristen ihre krude Ideologie mit
Gewalt austoben. Offensichtlich besteht Ihr Denkmuster, Frau I.M.S., nur aus
dem einfachen Schwarz und Weiß : die Linken und Frau I.M.S. sind immer die
Guten, alle anderen und vor allem die "Rechten" sind immer die Bösen. So
funktioniert die Welt aber nicht !
 
Erik Dienstag, 15.Dezember 2015, 20:01 Uhr:
@ Roichi

"Nach seiner Darstellung ist fraglich, ob der Einsatz gerechtfertigt war."

Nur wenn man Herrn Königs Darstellung glaubt.

"Aber das werden wohl die Ermittlungen ergeben."

Als wenn dich Ermittlungen interessieren würden.
Wenn Ausländer zusammengeschlagen werden oder sich selbst zusammenschlagen, dann interessieren dich die Ermittlungen doch auch nicht, sondern dann waren es bei dir immer die Rechten. Aber wenn es um deine Genossen geht, dann sind Ermittlungen für dich auf einmal wichtig?

"Vielleicht auch mal weiterlesen:
http://www.vice.com/de/read/ausschreitungen-am-samstag-in-leipzig-982"

Oh, noch ein Artikel in dem versucht wird, die Taten der Linksextremisten zu relativieren. Hättest du dir sparen können.
 
Roichi Donnerstag, 17.Dezember 2015, 07:45 Uhr:
@ kritiker

Wie nett, dass du nur mit Behauptungen mir gegenüber einen Text zustande bekommst.
Mehr als das bringst du nämlich nicht zustande.
Weder belegst du die irgendwie, noch kommst du aus dem Vokabular der Kamerraden heraus.
Also mal wieder ein sinnfreier Pöbelkommentar von dir.


@ Erik

Siehe Antwort zu kritiker.
Du bringst auch nicht mehr.
Aber den verlinkten Artikel lesen hättest du wenigstens können.
 
Irmela Mensah-Schramm Donnerstag, 17.Dezember 2015, 15:51 Uhr:
@Erik, @Kritiker,@ martin!
Könnt Ihr denn nicht lesen ?
Wenn ja, dannlest doch bitte nochg einmal meinen Kommentar durch!
Wenn es noch immer nicht gelingt, dann ein 3. oder 4., 5., auch 6. Mal.
Ansonsten kann man Euch nicht mehr helfen!

Ich bewege mich auf "Demokratischen Boden", habe die Ausschreitungen der Antifa in Leipzig nicht gebilligt,erkenne aber sowohl den Hintergrund, als auch die Ursachen!!
Und noch etwas: Ich stehe voll hinter Pfarrer König und billige seine Aktionen. Auch ich habe selbst in jungen Jahren Barrikaden gebaut und bis in mein fortgeschrittenes Alter an sehr vielen Sitzblockaden u.a. gegen Neonazis teilgenommen. Letzteres werde ich garantiert wieder tun mit größtem Vergnügen!
Außerdem geht morgen in einer brandenburgischen Stadt meine Aktion gegen die Nazisticker weiter!
Und jetzt Ihr Lieben:
Hilfe, hilfe "Sachbeschädigung"!
 
Erik Sonntag, 20.Dezember 2015, 10:30 Uhr:
@ Roichi

"Aber den verlinkten Artikel lesen hättest du wenigstens können."

Habe ich. Mehr als Relativierungen von linksextremen Straftaten steht da auch nicht drin.
PS: Wo bleibt eigentlich deine Distanzierung von linksextremen Straftaten?

@ Frau Mensah-Schramm

" Ich stehe voll hinter Pfarrer König und billige seine Aktionen. "

Sie billigen also Straftaten? Dann stehen sie nicht auf demokratischen Boden.

"Auch ich habe selbst in jungen Jahren Barrikaden gebaut und bis in mein fortgeschrittenes Alter an sehr vielen Sitzblockaden u.a. gegen Neonazis teilgenommen."

Sie billigen also nicht nur Straftaten, sondern sie haben selbst Straftaten begangen? Das sind keine demokratischen Mittel im Kampf gegen Extremisten. Sie sind selbst eine Extremistin.
 
nur mal nachgefragt Sonntag, 20.Dezember 2015, 11:56 Uhr:
@ Erik

"Wo bleibt eigentlich deine Distanzierung von linksextremen Straftaten?"

Warum forderst du von ihm denn nur Kritik an linken Straftätern? Es gibt auch eine Menge anderer Straftäter, die man durchaus kritisieren kann, oder etwa nicht?

"Sie billigen also Straftaten?"
"Sie billigen also nicht nur Straftaten, sondern sie haben selbst Straftaten begangen? Das sind keine demokratischen Mittel im Kampf gegen Extremisten."

Welche Straftaten? Wer hat das entschieden? Du oder PI-News?
 
Roichi Sonntag, 20.Dezember 2015, 12:25 Uhr:
@ Erik

"Habe ich. Mehr als Relativierungen von linksextremen Straftaten steht da auch nicht drin. "

Also doch nicht gelesen.
Die Ideologie verbaut dir aber auch so einiges.
Ist aber logisch, dass du nicht weiter kommst, als die Parolen zulassen. Dass es dort nicht um Relativierung geht, sondern beleuchtet wird, was alles beigetragen hat, passt nicht in die Ideologie und wird ausgeblendet.
Da hilft dann auch deine Ablenkung nicht weiter.

"Sie billigen also Straftaten? "

Und die wären?
Mehr als die Behauptung hast du nicht vorzuweisen.
Ich zitiere dich mal: "Als wenn dich Ermittlungen interessieren würden. "
Na offensichtlich interessieren sie dich dann doch nicht.

"Sie sind selbst eine Extremistin. "

Und was war daran nun dein Argument?
Nichts.
Es war nur wieder eine Ablenkung.
 

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