Neofolk-Event strahlt stark nach rechts

Beim international besetzten „Runes & Men“-Festival Mitte Oktober in Leipzig treten wieder Bands und Musiker mit Affinität zu rechtem Gedankengut auf.

Freitag, 07. Oktober 2016
Horst Freires

Neofolk ist eine Musikgattung, die zunächst einmal nicht in die „Schublade“ gehört, generell etwas mit der rechten Szene zu tun zu haben. Bestimmte Vertreter aus dem Genre tun aber sehr viel dafür, die Musikrichtung in Verruf zu bringen und sie für rechtsgerichtete Kreise interessant zu machen. Am 14. und 15. Oktober in Leipzig wird genau das wieder einmal zu beobachten sein, wenn das international besetzte „Runes & Men“-Festival ansteht. Es ist die mittlerweile fünfte Auflage des Festivals, das zur Premiere 2012 noch in Dresden startete, und es soll nach Angabe der Veranstalter von „Equinoxe Organization“ nun zum letzten Mal stattfinden. 

Im Line Up befinden sich fast durchgängig Bands und Musiker, die mit Äußerungen und Interviews, ihrem Erscheinungsbild und ihrer Bühnen-Performance sowie nicht zuletzt ihren Texten für Aufsehen gesorgt haben, weil sie mit Tabubrüchen und frei interpretierbarer Geschichtsdeutung offen provozieren und bei Kritik daran dann wie selbstverständlich künstlerische Freiheit für sich reklamieren. Mit dem Kokettieren von rechtem und völkischem Gedankengut sowie einer entsprechenden Symbolik beziehungsweise Ästhetik, welche faschistische oder konkret nationalsozialistische Züge beinhalten, wird eine Botschaft gestreut, die sowohl bei der Neuen Rechten wie bei Rechtspopulisten und Ethno-Nationalisten auf Neugier und Zustimmung stößt. Fühlen sich diese doch in ihrer intellektuellen Kulturoffensive eines gesellschaftlichen Rechtsrucks animiert, bestätigt oder gestärkt. Dazu gesellt sich bei einigen Bands eine extrem esoterische, neuheidnische und zum Teil an nordische Mythologie und Okkultismus anknüpfende Fokussierung und Verherrlichung, gekoppelt mit einer Neigung zu Altertum respektive Mittelalter als künstlerischer Beitrag zur Anti-Moderne. 

„Blood Axis“ aus den USA als Headliner 

Insgesamt zwölf Bands sind für das zweitägige Festival gelistet, dazu das Angebot von elektronischen Discoklängen ganz im Takt und Rhythmus von musikalisch hyper-techno durchgestyltem Industrial und Dark Ambient. Als DJ ist ein Grieche verpflichtet, der bereits im Mai in Leipzig beim Wave-Gotik-Treffen (WGT) an den Turntables stand.

Die Veranstaltungsreihe „Runes & Men“ trägt ihren Namen in Anlehnung an den gleichnamigen Song von „Death In June“ aus deren 1987 veröffentlichtem Album „Brown Book“. Der Tonträger wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wegen seiner nationalsozialistischen Ausrichtung indiziert. In besagtem Lied ist im Hintergrund eine Rede des SA-Stabchefs Viktor Lutze eingespielt. Auf dem Album befindet sich auch eine Vertonung des „Horst Wessel-Liedes“. Das neurechte Blatt „Blaue Narzisse“ feierte bereits 2011 überschwänglich ein Konzert von „Douglas Pearce & Co.“ Die nun schon 35 Jahre in wechselnder Besetzung aktive britische Band um den häufig mit einer Maske auftretenden, bekennenden Homosexuellen Pearce wird genau wie 2012 beim Festival dabei sein. Als Band-Logo ist immer wieder der hierzulande verbotene SS-Totenkopf zu sehen.

Als weiterer Headliner wurde zudem „Blood Axis“ aus den USA gebucht. Ihr Kopf Michael Moynihan ist eigenen Ausführungen zufolge ein Verehrer von SS-Brigadeführer Karl Maria Wiligut und nimmt positiv Bezug auf den NS-Ideologen Karl Rosenberg. Er ist seit langem Mitglied der amerikanischen Gruppierung „Church of Satan“. Die seit 1991 aktive Band „Fire & Ice“ aus Großbritannien war bereits 2012 und 2014 Bestandteil des Festivals. Ihr Frontmann Ian Read ist unter anderem mit Aussagen eines rassistischen und darwinistischen Menschenbilds aufgefallen. „Spiritual Front“ aus Rom kennen Leipzig von ihren WGT-Auftritten aus 2000, 2004, 2006 und 2011.  Sie gehörten zum „Runes & Men“-Programm in den Jahren 2012 (damals noch in Dresden) und 2014. Im Vorjahr begleiteten sie „Death In June“ auf ihrer Nordamerika-Tour.

Auftritte in uniformierten Braunhemden

Regelmäßig geben auch „Of The Wand And The Moon“ ihre Visitenkarte in Leipzig ab, sei es beim WGT, bei „Runes & Men“ 2012 (Dresden) und 2014 oder wie zuletzt beim sommerlichen Tagesfestival „Fire & Sun“ im Juni, ebenfalls ausgerichtet von „Equinoxe Organization“. Das dänische Musikprojekt um Kim Larsen ist seit 1998 auf der Bildfläche. Der Frontmann hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass „Death In June“ zu seinen Vorbildern gehört. Immer wieder hat Larsen auch die Zusammenarbeit mit dem am rechten Rand agierenden „Der Blutharsch“ aus Österreich gesucht.

Ebenfalls aus Dänemark kommt „Die Weiße Rose“, die ebenso schon 2012 und 2014 bei „Runes & Men“ mit vertreten waren. Die Combo um Thomas Bojden ist bekannt für ihre Auftritte in uniformierten Braunhemden. Sie war 2012 Tourbegleiter der von ihr bewunderten Band „Death In June“. Zusammen mit „Death In June“ stand auch mehrfach bereits Matthias Krause aus Saarbrücken, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Vurgart“, auf der Bühne, beispielsweise 2012 bei der „Runes & Men“-Premiere. „Vurgart“ ist als Solokünstler, mit eigener Band oder als Bandmitglied bei „Jännerwein“ aus Österreich unterwegs, die ebenfalls in diesem Juni bei „Fire & Sun“ aufspielten. Quasi ein Heimspiel hat die Band „Darkwood“ von Henryk Vogel aus Leipzig. Sie hat es zu einem ihrer Markenzeichen gemacht, ihr Programm mit Zitaten von Künstlern aus der NS-Zeit zu bestücken und sich bei bündischem Liedgut zu bedienen.

Unterdessen läuft bereits der Vorverkauf fürs nächste „Fire & Sun“ am 24. Juni 2017 in Leipzig, wofür „Sol Invictus“ bereits zugesagt haben. Die englische Band von „Death In June“-Mitbegründer Tony Wakeford, der früher stramm rechts Mitglied der „National Front“ war, bewegt sich seit Jahren im Dunstkreis neurechten Gedankenguts und deren Vordenker. Vielleicht wird man deshalb genau wie in diesem Jahr auch dem rechtsintellektuellen Verleger Götz Kubitschek und dessen Frau Ellen Kositza dort wieder begegnen.

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