Neofolk-Band für Rechtsintellektuelle

Ein nahe Potsdam geplantes Konzert von „Fire&Ice“ ist kurzfristig abgesagt. Für Mitte Oktober wird aber in Leipzig bereits das Festival Runes&Men beworben – mit einschlägigen Gruppen und Affinität zu rechtem Gedankengut.

Samstag, 05. Juli 2014
Horst Freires

Nach kurzfristigen Auftrittsabsagen in Potsdam wird bereits der nächste Bühnentermin in Leipzig verkündet: Die britische Musikgruppe „Fire&Ice“ gehört zu den einschlägigen Vertretern des Neofolk und Darkwave, die ihr Programm auch schon mal inhaltlich mit neonazistischen Betrachtungen anreichern, sich sonst aber bewusst im spirituellen Dunstkreis von nordischer Mythologie, Heidentum, Esoterik und Okkultismus bewegen. Ihre aktuelle „Fractured-Europe-Tour“, die sie in dieser Woche bereits nach Norwegen, Schweden und Russland führte, wird dabei auf einschlägigen Internetportalen der rechtsintellektuellen Szene beworben.

Ein entsprechendes Publikum besucht dann die Konzerte der Band, deren Kopf Ian Read zudem in Interviews schon mehrfach mit provozierenden Aussagen im Hinblick auf eine Affinität zum rechten Gedankengut aufgefallen ist. Read pflegte immer wieder eine Zusammenarbeit mit der ebenso umstrittenen Band „Death In June“, für die er bei einer Veröffentlichung das Horst-Wessel-Lied eingesungen hat.

Die nun abgesagten Auftritte waren in der Kirche und im Schloss von Marquardt vorgesehen. Begleitet wird „Fire&Ice“ auf ihrer Europa-Tour von „Knotwork“, einem Seitenprojekt von „Blood Axis“. Die US-Amerikaner fallen seit Jahren ebenfalls mit Äußerungen pro Faschismus und Nationalsozialismus auf. Die nächste Kontroverse ist bereits in Sichtweite und sie fokussiert sich einmal mehr auf die Theaterfabrik Sachsen in Leipzig. Dort hatte es bereits im August 2011 einen Auftritt der Amerikaner gegeben. Für den 17. und 18. Oktober wird dort nun das Festival „Runes&Men“ beworben – ein Titel, der einem Songtext von „Death In June“ entnommen wurde. Auch bei dem zweitägigen Event werden „Fire&Ice“ angekündigt, ebenso wie der Däne Thomas Bojden, der sein Musikprojekt „Die Weiße Rose“ nennt und ein Anhänger Ezra Pounds ist, des US-Literaten, der von der italienischen neofaschistischen Bewegung „Casapound“ als Vordenker gehuldigt wird.

„Sol Invictus“ plant Auftritt in Dresden

Unter den für Leipzig aufgeführten Musikern befindet sich auch die italienische Formation „KirlianCamera“. Immer wieder musste sie sich Kritik stellen, mit Faschismus und Nationalsozialismus zu sympathisieren, ausgelöst durch Songtexte, Gesten und Anspielungen, die eine Nähe zum Dritten Reich assoziieren.

Für das Musikereignis gibt es auch eine eigens eingerichtete Homepage mit einer Impressum-Adresse in London. Die Domain läuft allerdings auf den Namen Toralf Stertze vom Druckhaus Leipzig. Die Festivalgeburt geht auf das Jahr 2012 zurück. Im Dezember traten in Dresden dabei neben anderen „Death In June“, „Fire&Ice“ und auch „Die Weiße Rose“ auf. Im Vorjahr fand die Zweitauflage Anfang Oktober eintägig in der Theaterfabrik Leipzig statt. Dabei stand dann die Ex-Band von Ian Read, „Sol Invictus“, auf der Bühne, deren Texte zum Teil als Referenzen für rechte Vordenker wie Julius Evola oder Oswald Spengler gedeutet werden können.

„Sol Invictus“ plant im Übrigen am 26. Juli in Dresden aufzutreten. Nicht zuletzt wegen des international beachteten jährlichen Wave-Gothic-Treffens in Leipzig hat sich für diese Musikrichtung insbesondere in Sachsen eine große Anhängerschar entwickelt. Vielen geht es dabei vorrangig um Symbolik und weniger um Inhalte, was sich auch bereits am Outfit festmachen lässt. Dennoch trifft man immer wieder auch auf eine Mischszene etwa mit Satanisten, zu der auch rechtsgerichtete Kreise Zugang haben und suchen beziehungsweise umgekehrt.

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