Nazi-Verbrecher gesucht – Wiesenthal-Zentrum setzt 25.000 Euro Kopfgeld aus

Als womöglich letzte große Aktion ruft das Simon-Wiesenthal-Zentrum zur Unterstützung auf der Suche nach noch lebenden Nazi-Verbrechern auf. Geworben wird mit einer Art Kopfgeld in Höhe von 25.000 Euro. Derweil solidarisieren sich etliche Neonazis mit dem Kriegsverbrecher Erich Priebke.

Mittwoch, 24. Juli 2013
Nazi-Verbrecher gesucht – Wiesenthal-Zentrum setzt 25.000 Euro Kopfgeld aus
„Operation last chance – Spät, aber nicht zu spät“ prangt in großen Lettern auf einem Plakat, dass das Simon-Wiesenthal-Zentrum derzeit 2.000 Mal in Berlin, Hamburg und Köln hängen ließ. Die Nichtregierungsorganisation bittet seit Dienstag die Bevölkerung um Mithilfe – gesucht werden Nazi-Kriegsverbrecher. 

„Einige der Täter sind frei und am Leben! Helfen Sie uns, diese vor Gericht zu bringen“, heißt es weiter in dem Aufruf. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, hätte es eine ähnliche Aktion bereits Ende 2011 gegeben. Doch die Ergebnisse seien ernüchtern ausgefallen: Aus Deutschland seien insgesamt 27 Hinweise eingetroffen. Ein Fall sei an die Staatsanwaltschaft weitergereicht worden, doch das Verfahren wurde eingestellt.

Nun versucht das Wiesenthal-Zentrum durch eine provokantere Vorgehensweise möglicherweise doch noch den ein oder anderen der schätzungsweise 60 bis 120 noch lebenden Kriegsverbrecher ausfindig zu machen. Geworben wird mit einer Prämie von 25.000 Euro, die im Erfolgsfall gestaffelt ausgezahlt werden soll.

Sollte ein Hinweis zur Anklage führen, würde der Person eine erste Summe in Höhe von 5.000 Euro ausgezahlt. Eine Verurteilung des Nazi-Verbrechers würde eine weitere Auszahlung von 5.000 Euro mit sich bringen. Zusätzlich sollen 100 Euro pro Tag gezahlt werden, den der Täter anschließend in Haft verbringt.

Hintergrund der neuerlichen Aktion ist die Verurteilung John Demjanjuks. Der frühere Wachmann des NS-Vernichtungslagers Sobibor wurde 2011 wegen Beihilfe zum Mord an geschätzten 28.000 Menschen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Mit dem Urteil hätte sich die Rechtslage verändert. Zuvor hätte den Angeklagten ein spezifisches Verbrechen an bestimmten Personen nachgewiesen werden müssen, nun reiche auch der Nachweis, dass die entsprechende Person in Vernichtungslagern Dienst getan hätte.

Kritik an der neuen Kampagne kommt derweil von Michael Wolffsohn. Der Historiker bezeichnete diese gegenüber dem Deutschlandfunk als „pietätlos und schamlos“. Wolffsohn plädiert für eine weitere „solide intensive Aufarbeitung der NS-Verbrechen“ durch die Geschichtswissenschaften, Medien und politisch-pädagogisch Verantwortliche.

Seit einigen Wochen finden unterdessen etliche Solidaritätskampagnen der rechtsextremen Szene für den Kriegsverbrecher Erich Priebke statt. Der ehemalige SS-Führer befindet sich seit knapp 20 Jahren in Hausarrest, am 29. Juli feiert er seinen 100. Geburtstag.

So trat Anfang Juli Sascha Krolzig, Bundesvorstandsmitglied der rechtsextremen Splitterpartei Die Rechte, mit einen T-Shirt vor dem Bundeswahlausschuss auf, auf dem „Freiheit für Erich Priebke“ zu lesen war. An dem Tag wurde Die Rechte für die Wahl zum Bundestag zugelassen. Der Vorsitzende der Jungen Nationaldemokraten, Andy Knape, stattete Erich Priebke kürzlich in Rom gar einen Besuch ab und schrieb dazu vielsagend: „Sein Schicksal ist unser Vermächtnis!“. Auch etliche weitere Neonazi-Gruppierungen setzen sich weiterhin für den Nazi-Verbrecher ein und fordern seine Freilassung.
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