von Redaktion
   

„Nazi-Hipster“ Patrick Schröder hat Ärger mit dem Gesetz

Kaum ein Neonazi war in den letzten Monaten derart in den Medien präsent wie der bayerische NPD-Funktionär Patrick Schröder. Überregionale Zeitungen wie die Süddeutsche widmeten dem geschäftstüchtigen „Nazi-Hipster“ ein Porträt, der amerikanische „Rolling Stone“ sah in ihm den Vorreiter einer modernisierten Bewegung, SPIEGEL TV drehte einen Beitrag. Langsam aber scheint sich das Blatt zu wenden. Ein geplatztes Konzert kratzt genauso an seinem Image wie ein Ordnungswidrigkeitsverfahren der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien, die Schröder ein Bußgeld aufbrummte.

Patrick Schröder hat Ärger mit dem Gesetz (Foto: Thomas Witzgall)

Die Vorbereitungen liefen seit Wochen auf Hochtouren. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate wollte der umtriebige Patrick Schröder im Mai in der kleinen mittelfränkischen Gemeinde Scheinfeld ein Rechtsrock-Konzert mit einschlägig bekannten Bands auf die Beine stellen. Die Premiere des „Live H8“ im Oktober letzten Jahres verbuchte der Betreiber der Neonazi-Modemarke „Ansgar Aryan“ als Erfolg; Gut 1.000 musikbegeisterte Neonazis feierten damals in der Provinz. Während die örtlichen Behörden vielfältige Kritik einstecken mussten – sie hatten die Öffentlichkeit erst spät informiert –, schoben die zuständigen Stellen den Bemühungen des NPD-Nachwuchsmannes dieses Mal einen Riegel vor. Nachdem eine Brandschutzbegehung in der Diskothek „Nachtwelt“ angesetzt worden war, zogen die Organisatoren ihre Anmeldung überraschend zurück. Die kurzfristige Absage sorgte in der Szene für böses Blut, denn die Eintrittskarten mussten im Voraus bezahlt werden: für 25 Euro das Stück.

Weiteres Konzert unter Schröders Regie

Sein ramponiertes Ansehen versucht Schröder, der mit „FSN TV“ ein Internetformat an den Start gebracht hat, das jeden Sonntag in einer Live-Sendung die braune Ideologie mal mehr, mal weniger in flotte Sprüche verpackt transportieren will, durch ein weiteres Konzert wieder aufzubessern. In Zusammenarbeit mit dem „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ (BZH), einer der NPD nahestehenden thüringischen Kleinstgruppierung, bewirbt sein „FSN TV“-Projekt eine Großveranstaltung am 23. August in der knapp 12.000 Einwohner zählenden Stadt. Schröder, der praktischerweise gleich eine Rede übernimmt, unterhält seit Längerem Beziehungen zum BZH; für dessen Anhänger führte der selbstbewusste, gerne mit rechtsextremistischen Klischees spielende NPD-Funktionär politische Schulungen durch. Die Werbung für das Konzert in den Sozialen Medien läuft derweil nicht optimal. Kürzlich löschte Facebook die Fanseite von „FSN TV“ mit gut 3.000 „Likes“. 

Möglicherweise ist der Event unter dem Motto „Wir wollen Zukunft – Musik und Redebeiträge gegen den Zeitgeist“ eine Art Kompensation für das ausgefallene Konzert in Scheinfeld. Mit den Szeneveteranen „Nahkampf“, von deren sechs Tonträgern gleich fünf von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurden, „Terroritorium“ (Hannover) und den Tirolern „T[error]sphära“ sind drei der zuvor angekündigten Hasskapellen erneut am Start. „T[error]sphära“ sorgen aktuell mit einen Crossoversong mit dem bezeichnenden Namen „Sargnagelhagel“, an dem auch der „nationale Rapper“ „MaKss Damage“ beteiligt ist, für Aufsehen. Darin heißt es: „Wir kommen in Schwarz-Silber, blitzblanker Totenkopf […] bist du rot, wirst du tot geboxt und im Ofen verkohlt. [...] Ich box dich weg wie Peter Fox und seine Mongo-Bands. Fresse auf den Bordstein. Willkommen im Romper Stomper Land!“

Ärger mit dem Gesetz

Sorgenfrei wird sich der gelernte Informatikkaufmann an diesem Wochenende nicht zum Festival „In.Bewegung“ in Sondershausen in Thüringen machen, wo er ebenfalls als Redner auf der Bühne stehen soll. Laut dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz hat nämlich die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den 31-Jährigen durchgeführt und ein Bußgeld verhängt. Dem früheren Praktikanten der NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern wird vorgeworfen, in zwei „FSN TV“-Sendungen Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags und des Rundfunkstaatsvertrags begangen zu haben. Deshalb untersagte die BLM eine erneute Ausstrahlung der beiden Aufzeichnungen. Zu Details wollte sich eine Behördensprecherin mit Verweis auf das laufende Verfahren gegenüber ENDSTATION RECHTS. nicht äußern. Der Bußgeldbescheid sei noch nicht rechtskräftig.

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