von Benjamin Rehmer
   

Nazi-Festival etabliert sich im Vogtland

Im Oktober dieses Jahres findet das Fireblade Force Festival - mittlerweile eine feste Größe für Fans des so genannten nationalsozialistischen Black Metals (kurz NSBM) - zum vierten Mal statt. Unter den bereits jetzt schon angekündigten Bands befinden sich in der Szene sehr bekannte Namen.

Als das Festival 2007 zum ersten Mal stattfand, damals noch im Uni-Club Lichtenstein in Sachsen, war sofort zu erkennen: Da soll eine hochkarätige Veranstaltung für Fans der NSBM-Szene entstehen. Schon damals trat mit der Band Inquisition ein bekannter Vertreter des extremen rechten Metals auf. In jenem Jahr noch als „Überraschungsband“ auf den Flyern angekündigt, sollte Gerüchten zufolge die im NSBM-Bereich fest etablierte Band Satanic Warmaster auftreten. Die Organisatoren sagten aber den geplanten Auftritt ab.

Im Jahr darauf nahm die Band dann als so genannter „Headliner“ (=Hauptband) am Fireblade Force Festival teil. Spätestens seit diesem Zeitpunkt  hat sich das Festival in der Szene einen Namen gemacht. Satanic Warmaster zeichnet sich durch seine explizit nationalsozialistischen Intentionen aus, die teilweise in den Bezeichnungen der Titel wie „My dreams of 8…“(Anm.: 8 soll für den Buchstaben H an 8. Stelle im Alphabet stehen) und den Texten klar erkennbar sind (metal-archives.com). Durch Aktivitäten des Sängers in anderen Bands wie Gestapo 666 (fightfascism.wordpress.com) ist Satanic Warmaster eine der wenigen Bands, die kaum einen Hehl aus ihrer politischen Gesinnung machen.

Nachdem das Festival für dieses Jahr einen für die Szene geeigneten neuen Standort in Neustadt/Vogtland auf einem alten Militärgelände gefunden hat, konnten zwar bisher erst einige wenige, aber dennoch im NSBM-Bereich bekannte Bands verpflichtet werden. So ist zum Beispiel die Band Inquistion wieder mit dabei. Sie selbst und auch Fans behaupten, in ihren Texten und bei ihren Auftritten würden sich keine nationalsozialistischen Einstellungen widerspiegeln. Inquisition steht jedoch bei dem in Mügeln/Sachsen ansässigen Nazi-Label No Colour Records unter Vertrag. Weiterhin lässt der zweite Titel auf einem im Jahr 2004 erschienen Album mit dem Namen „Crush the jewish prophet“ (Q: metalstorm.net) Vermutungen rechtsextremer Gesinnungen der Band zu. Auch hetzerische Aussagen des Sängers gegen Juden und Christen gehören zu ihrem Repertoire.

Eine weitere Zusage kam von den Portugiesen Corpus Christii. Auch sie bezeichnen sich als nicht nationalsozialistisch, bewundern aber nach eigener Aussage die „okkulte Seite“ des Nazismus (fightfascism.wordpress.com). Aus Finnland hat die Band Baptism zugesagt, welche wie Satanic Warmaster bei dem für NSBM-Veröffentlichungen bekannten Label Northern Heritage unter Vertrag steht. Aus Schneeberg im Erzgebirge tritt in diesem Jahr Andras auf. Wie alle anderen bisher genannten Bands auch, kann sie sich zumindest aus der eigenen Entwicklungsgeschichte heraus nicht klar vom NSBM abgrenzen. Ein ehemaliges Mitglied war Teil der Band Nachtfalke, die ebenfalls 2008 auf dem Fireblade Force Festival auftraten und dem NSBM zuzuordnen sind. Andras nimmt in einem Interview dazu folgende Haltung ein: „Jeder Mensch hat zwangsläufig seine politische Meinung, aber solche Meinungen existieren und interessieren bei Andras nicht!“ (http://www.igelmetal.de) Die Aussage zeigt zumindest, wie wenig man sich in der Black Metal-Szene von nazistischem Gedankengut distanzieren will.

Auffällig ist, dass viele Bands in der NSBM-Szene ihre tatsächlichen Motive außerhalb der eigenen Anhängerschaft oft zu verharmlosen oder gar zu verschweigen versuchen. Unter den Fans gibt es teilweise derart „Unpolitische“, die die Meinung vertreten, es gehe nicht um den Inhalt, sondern um die Musik, was aber vor allem die Verbreitung von nationalsozialistischem Gedankengut innerhalb dieser Gruppe befördern kann (http://www.schwermetall.ch/forum/ftopic7027.php). Andererseits scheint sich gerade der NSBM in einer Position zu glauben, die noch viel weitreichender zu betrachten sei als der „traditionelle“ Nationalsozialismus, nämlich gerade die Synthese aus Satanismus, Nationalsozialismus und einer Menschenverachtung, die nicht nur einzelnen ethnischen oder religiösen Gruppen feindlich gegenüber tritt. Unter Berücksichtigung gerade der von Corpus Christii gemachten Aussage zum okkulten Charakter des Nationalsozialismus wird diese Weltsicht leichter „verstehbar“.

Mit Sicherheit sind bei weiteren Bandzusagen für das diesjährige Fireblade Force Festival noch einige Vertreter des NSBM zu erwarten.

Kommentare(3)

fightfascism Freitag, 25.Juni 2010, 10:31 Uhr:
siehe auch http://fightfascism.wordpress.com/2010/06/24/black-metal-festival-mit-rechtsextremen-bands/

und

http://nazifestivalsabschalten.blogsport.eu/
 
Wissend. Sonntag, 19.September 2010, 13:53 Uhr:
Inquisition sind KEIN NSBM und das Fireblade Force ist KEIN Nazi-Festival[Punkt]
 
martin Horn Samstag, 02.Juni 2012, 17:37 Uhr:
Ziemlich schlecht recherschiert habt ihr da,Satanic Warmaster hat zwar NS Texte ist dennoch vorallem in der unpolitischen Black Metal szene beliebt... zu no colours records sollte man vielleicht auch sagen das sie auch Bands aus China Taiwan und der Türkei unter vertrag haben/hatten.

Im Black Metal ging es von anfang an um Themen wie Satanismus Misanthropie und so weiter von daher empfinden die meisten fans es als lächerliche bei so einer ideologie gegen so etwas wie den Nationalsozialismus zu sein das heisst aber noch lange nicht ,dass sie ein rechtes Weltbild haben .
 

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