von Tim Schulz
   

Neonazis gegen Höcke

Innerparteilichen Gegnern sagt Björn Höcke offen den Kampf an. Nun kommt allerdings Widerstand von unerwarteter Seite: die selbsternannte Volksbewegung „Wir lieben Sachsen/ Thügida“, eine rechtsextreme Gruppierung um Neonazi David Köckert, ruft zum Protest in Höckes Wohnort auf. Der Aufmarsch richte sich gegen den „fehlgeleiteten Lehrer und/oder BRD Politiker“.

David Köckert, der seit Kurzem für die Republikaner wirbt, auf einer Demonstration.

Bis zu 50 Gleichgesinnte erwartet Köckert am Sonntag im thüringischen Bornhagen. Gemeinsam wollen die Rechtsextremen unter dem Banner von „Thügida“ durch das Dorf ziehen, in dem Björn Höcke lebt. Wie viele Gefolgsleute der skurrile Auflauf tatsächlich anziehen wird, bleibt fraglich. In jüngster Vergangenheit stieß Köckert mit seinen Aktionen auf keine nennenswerte Resonanz. Die Stoßrichtung der Demonstration ist derweil klar: In einem Aufruf auf deren Facebook-Seite prangerte die Protestgruppierung eine „Politik ohne Rückgrat“ an, die dem „Verrat am Volk“ gleichkomme.

Allerdings sind nicht wie üblicherweise die sogenannten etablierten Parteien gemeint, sondern die Sprache ist von einem „gewissen Pädagogen“ und „fehlgeleiteten […] BRD Politiker“ – eine deutliche Anspielung auf den thüringischen Landeschef der AfD. Statt der „Faust im Parlament“ sei dieser nur auf Geld und Macht bedacht. Komplett wird der Aufruf mit antisemitischen Anspielungen – Höcke solle sich „dahin begeben, wo der Schekel rollt“. Noch deutlicher wird Köckert in einer Videobotschaft: Björn Höcke sei der „rückgratsloseste, feigeste Politiker“, seine Aussagen „Scheiße“.

Höcke der Volksverräter?

Entscheidend für den Gegenwind von rechts dürften Höckes Lippenbekenntnisse auf dem letzten Landesparteitag der Thüringen AfD in Arnstadt gewesen sein. Vor seiner Wiederwahl als Vorsitzender distanzierte er sich mitunter vom Rechtsextremismus – eine Äußerung, die nicht zuletzt unter dem Eindruck der drohenden Beobachtungen durch den Verfassungsschutz stehen dürfte. Stephan Kramer, Präsident des thüringischen Landesamtes, machte eine mögliche Überwachung der Partei zuletzt immer wieder an den Positionen des Rechtsauslegers fest. Seine Wiederwahl dürfte trotz aller Distanzierung ein deutliches Signal an die Behörde sein. Schließlich demonstrierte Höcke zuletzt beim Trauermarsch in Chemnitz noch recht distanzlos Seite an Seite mit Köckert und anderen Größen der neonazistischen Szene. Auch werden ihm enge Verbindungen zu NPD-Vizechef Thorsten Heise nachgesagt.

Für Köckert dürfte der Aufmarsch in Bornhagen vor allem der Selbstprofilierung dienen. Der Neonazi, der von NPD über AfD bis zu den Republikanern erfolglos diverse Organisationen am rechten Rand durchlief, ließ in den letzten Wochen kaum eine Möglichkeit aus, sich in den Mittelpunkt zu drängen. Ob sein Engagement bei den REPs die Partei aus der Bedeutungslosigkeit ziehen wird, ist unwahrscheinlich.

Rechte Premiere in Bornhagen

In der Vergangenheit kam es vermehrt zu Protesten in der Wahlheimat Höckes. 2016 demonstrierten etwa 200 linke Aktivisten in Bornhagen. Der sogenannte Antideutsche Männertag löste eine Kontroverse aus, in die auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow verwickelt wurde. Ein Jahr später sorgte das „Zentrum für politische Schönheit“ mit einer Aktion im Dorf für Aufmerksamkeit: Die Aktionskünstler bauten auf dem Grundstück neben Höckes Wohnhaus einen Teil des Berliner Holocaust-Denkmals nach, das Höcke zuvor als „Mahnmal der Schande“ bezeichnete. Das allerdings gerade rechtsextreme Aktivisten gegen den AfD-Rechtsaußen protestieren, dürfte ein Novum sein.

Kommentare(2)

H.P. Donnerstag, 18.Oktober 2018, 21:42 Uhr:
Die Abgrenzung vom NS ist Höcke und Co. sicher ernst, entsprechend die Reaktion von den Hardcore-Typen wie Köckert, ob die Antifa jetzt eine Gegendemo, also somit eine Pro-Höcke-Demo macht? Es ist nicht einfach in der Postmoderne haha
 
NWM Samstag, 20.Oktober 2018, 12:03 Uhr:
@ H.P.

Ach, Köckert und seine braune Bande wollen doch nur ihren Landolf Ladig zurück.
Wie heißt es so schön: "Pack das schlägt sich, Pack verträgt sich."
 

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