Nationalsozialist bis zum Schluss

Im Alter von 102 Jahren ist der Holocaust-Leugner Erich Glagau aus dem nordhessischen Baunatal verstorben.

Mittwoch, 09. August 2017
Redaktion

Der 1914 in Königsberg geborene Glagau war Nationalsozialist bis zum Schluss. Im Zweiten Weltkrieg hatte er in der Luftwaffe gekämpft, nach dem Krieg engagierte er sich in der rechtsextremen Szene vor allem als Publizist. Der Verstorbene habe „sein Leben dem kirchenkritischen Revisionismus verschrieben“, hielt der NPD-Funktionär Thorsten Heise in einem Nachwort fest. „Bis in seine letzten Tage politisch aktiv (…) wirst du mir stets Vorbild bleiben, in Treue und Pflichterfüllung“, so Heise nach dem Ableben Glagaus am 6. Juni. Kontakt unterhielt Glagau in viele rechtsextreme Organisationen und auch zu dem in Vellmar (Kreis Kassel) wohnhaften Verschwörungstheoretiker Norbert Steinbach.

An der Seite der nicht minder unbelehrbaren Revisionistin Ursula Haverbeck-Wetzel kämpfte Glagau für die Verbreitung der „Auschwitz-Lüge“. Haverbeck-Wetzel, die sich selbst immer wieder vor Gericht wegen ihrer antisemitischen Hetze verantworten muss, sprach Glagau zu dessen 100. Geburtstag in der Zeitung „Stimme des Reiches“ ihre „große Hochachtung“ aus. „Die Jungen stehen staunend vor der Lebensleistung, die diese Generation erbracht hat“, schrieb die Holocaust-Leugnerin.

Grabstelle auf der heidnischen „Ahnenstätte Conneforde“ reserviert

Dutzende vor allem revisionistische Schriften publizierte der Altnazi Glagau. Seine Bücher tragen Titel wie „Die Entlarvung des Antisemitismus-Schwindels“, „Freitag der 13. – Die Sängerknaben trauern um Ignatz Bubis“, „Die grausame Bibel“ und „Der Babylonische Talmud“. Teils veröffentlichte er sie im Eigenverlag, ein „Jubiläumsbuch“ bewarb 2014 etwa der rechtsextreme Nordland-Verlag im thüringischen Fretterode unter dem Titel „100 Jahre – und kein bisschen leise“. Glagau beschäftigte wegen seiner antisemitischen Hetzschriften wiederholt die Justiz.

Eine Grabstelle reserviert hatte sich Glagau schon zu Lebzeiten auf der heidnischen „Ahnenstätte Conneforde“ im niedersächsischen Ammerland. Der Friedhof wird von Personen aus dem völkischen Spektrum betrieben. (jf)

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