„Nationalrevolutionäre Klänge“

Hiphop und Rap für die neonazistische Szene – in den einschlägigen Foren wird das Projekt kontrovers diskutiert.

Donnerstag, 19. Januar 2006
Michael Klarmann

ie Neonazi-Szene entdeckt den ursprünglich aus der Musikwelt farbiger US-Amerikaner stammende HipHop und Rap – oder lehnt diese neue Entwicklung strikt ab. In diesem Zusammenhang kursiert ein Name im Internet: „N-Soundz“. Zuerst gab es Mitte 2005 dazu eine Homepage, unterdessen wurde diese aber auf ein schlichtes E-Mail-Formular zwecks Kontaktaufnahme minimiert. Zudem geistert die „N-Soundz Crew“ seit Monaten durch verschiedene Webforen, etwa denen des „Freien Widerstands“, des „West Versands“ oder aktuell durch das der „Gesinnungsgemeinschaft Westdeutschland“. „N-Soundz“ selbst werben mit dem Slogan „Rap ist nicht schwarz!“ und wollen jetzt auch einen „Demo-Sampler“ mit „nationalrevolutionären Klängen“ gratis online stellen.
Ursprünglich wurden die wohl eher als Projekt zu bezeichnenden „N-Soundz“ von Antifaschisten in Aachen verortet. Als Anmelder einer neuen Homepage fungiert indes ein junger Mann aus Grevenbroich bei Neuss, offenbar der Sohn eines führenden Neonazis aus Nordrhein-Westfalen (NRW), Christian Malcoci. Der gelernte Schriftsetzer trat im Jahr 2002 für die niederländische NS-Partei NVU zu den Kommunalwahlen im Grenzort Kerkrade an und kandidierte im Mai 2005 bei der NRW-Landtagswahl auf Platz 8 der NPD-Reserveliste.

„N-Soundz“ selbst hatten einst angekündigt, ihre Aufnahmen in Kooperation mit dem rechtsextremen „West Versand“ aus Hamm zu veröffentlichen. Im Internet-Forum des Versandhandels beteiligte sich unter dem Nickname „Mustache“ (deutsch: Oberlippen- beziehungsweise Schnurrbart) der Webmaster der „N-Soundz“ rege an den Diskussionen. Traf er dort mit seinem Projekt meist auf breite Zustimmung und äußerten andere Forenteilnehmer Interesse an rechtsextremem HipHop und Rap – „nationaler Rap statt diese Amischeiße!“, forderte eine Teilnehmerin, ein Mann merkte an, „Freue Mich Schon Auf Den National Rap“ –, schwenkte unlängst die Stimmung in der Neonazi-Szene etwas um.

Nachdem der „West Versand“ – offenbar hatte er Interna der rechtsextremen Szene ausgeplaudert – bei großen Teilen der nordrhein-westfälischen Neonazis in Ungnade gefallen war, machte nun das Forum der „Gesinnungsgemeinschaft Westdeutschland“ wohlwollend auf die „N-Soundz“ als „neue Rechtsrock-Band aus NRW“ aufmerksam. Unterdessen ruderte jedoch der Administrator des Forums zurück und schrieb seinen „Kameraden“ zum Nazi-Rap der „Idioten“ folgendes: „Den Mist könnt ihr an euch vorübergehen lassen.“ Auf die Anmerkungen anderer Diskutanten, „N-Soundz“ würden „doch nur den Widerstand bereichern“, antwortete der Administrator: „Es gibt auch rechte Punks, bereichern die etwa auch den Widerstand? – NEIN – Genauso brauchen wir auch keine nationalen Rapper...“

„Mustache“ gab sich im Forum des „West Versandes“ einst als Besucher von Rap-Konzerten zu erkennen und als Computer- und Onlinespieler – gelegentlich spiele er die „KZ-Maps“ eines der Ballerspiele. Die „N-SoundZ Crew“ selbst hatte schon im August 2005 auf ihrer damals noch relativ ausführlichen Homepage bekannt gegeben: „Die ersten Lieder sind theoretisch schon fertiggestellt. Das einzige Problem liegt nur noch an der Stimmenaufnahme. Wir benötigen nur noch die richtigen Programme, um ein qualitatives Ergebnis zu erzielen.“ Offiziell, so war zu lesen, sei die Homepage am 1. August 2005 online gegangen. Zum Start war gegrüßt worden: „Heil Euch! (...) Wir haben uns als Ziel gesetzt den Rap-Hörenden Anhängern unserer Bewegung, Musik zu bieten, die in ihren nationalrevolutionären Klängen zu überzeugen weiß.“ Im Oktober wurden dann im Forum des „West Versandes“ mehrere Demos/CDs angekündigt, zwei mit dem Titel: „Mustache – Abschiebeknast Vol.1“ und „Krauts – Just Deutsch“.

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