Nachfolgeveranstaltung zum braunen „Antikriegstag“

Dortmund – Die Liste der Redner liest sich fast wie ein „Who is Who“ verbotener Neonazi-Gruppen und ihrer Funktionäre: Am letzten Samstag im August ruft „Die Rechte“ (DR) zu einer Demonstration in Dortmund.

Dienstag, 11. Juni 2013
Tomas Sager

Fast genau ein Jahr nach dem Verbot des „Nationalen Widerstands Dortmund“ (NWDO) will dessen Nachfolgestruktur, der örtliche DR-Kreisverband, zusammen mit „Freien Nationalisten“ am 31. August durch die Ruhrgebietsstadt ziehen. „Gegen Organisationsverbote – Für Meinungsfreiheit!“ soll das Motto sein.

Neonazi-Demonstrationen zu dieser Jahreszeit haben in Dortmund fast schon Tradition. Seit 2005 lud die örtliche Szene jeweils am ersten Samstag im September zum „Nationalen Antikriegstag“ ein. Das ist nach dem Verbot des NWDO nicht mehr möglich. Stattdessen wird nun für den letzten Samstag im August ein Aufmarsch gegen „staatlichen Verbotswahn“ organisiert. Wie die Demos zum braunen „Antikriegstag“ soll die Veranstaltung in eine Kampagne in Dortmund und andernorts eingebettet sein. Die Organisatoren kündigen „bundesweite Aktionstage im Vorfeld“ an. Lokal sollen die „Aktionstage“ am 23. August beginnen, dem ersten Jahrestag des NWDO-Verbots.

Thomas Wulff als Redner

Am 31. August sollen „verbotserfahrene“ Redner aufreten:
– Siegfried Borchardt, nun Kreisvorsitzender der „Rechten“ in Dortmund“ und einst bei der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten“ (ANS/NA), der „Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front“ (GdNF), der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP), der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige“ (HNG) und der „Kameradschaft Dortmund“ aktiv;
– Ursula Haverbeck, wegen Volksverhetzung vorbestraft, ehemalige Chefin des „Collegium Humanum“, stellvertretende Vorsitzende des „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ (VRBHV);
– der DR-Vorsitzende Christian Worch, einst unter anderem aktiv in den verbotenen Gruppierungen „Nationalen Liste“ (NL), ANS/NA und FAP, in der GdNF und der HNG;
– Thomas Wulff, einst Vorsitzender der „Nationalen Liste“ und aktiv bei HNG, FAP, ANS/NA sowie beim „Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers“ (KAH). Wulff fungiert derzeit als stellvertretender Vorsitzender der NPD in Hamburg und als deren „Spitzenkandidat“ für die Bundestagswahl im September. Bereits im Mai sprach Wulff bei einer Veranstaltung der Konkurrenzpartei DR in Kirchweyhe, obwohl seine Partei solche Auftritte missbilligt. (bnr.de berichtete)

Bei der Veranstaltung in Dortmund sollen außerdem namentlich nicht genannte Ex-Mitglieder der „Kameradschaft Aachener Land“, der Berliner „Kameradschaft Tor“, der „Nationalen Sozialisten Döbeln“, der Neonazi-Truppe „Besseres Hannover“ und der „Kameradschaft Hamm“ ans Mikro treten, außerdem ein „Aktivist“ aus Göppingen, der an Aktionen der „Unsterblichen“ beteiligt gewesen sein soll. (bnr.de berichtete)

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