von Tim Mönch
   

Nach Wahl-Aus in Sachsen: Dritter Weg gründet Landesverband

In Sachsen hat die neonazistische Kleinstpartei Der Dritte Weg am vergangenen Wochenende einen neuen Landesverband gegründet. Im Vorstand finden sich vor allem Neonazis, die bereits seit Jahren aktiv sind. Die Gründung der Gliederung dürfte auch mit einem verhinderten Wahlantritt zur letzten Landtagswahl zu tun haben.

Anhänger der Partei bei einem Aufmarsch in Plauen, Foto: Thomas Witzgall

Am vergangenen Sonnabend hat die neonazistische Partei Der Dritte Weg im mittelsächsischen Augustusburg den neuen Landesverband Sachsen gegründet, wie die Partei auf ihrer Website bekannt gab. Bislang war die Partei lediglich durch die drei „Stützpunkte“ Mittelsachsen, Westsachsen und Vogtland in Sachsen vertreten, die dem „Gebietsverband Mitte“ unterstellt waren. Zu der Gründungsveranstaltung waren alle Mitglieder der Partei aus Sachsen eingeladen. Ziel sei es, den Strukturaufbau weiter voranzubringen und sich somit auch auf kommende Wahlen vorzubereiten, so Parteikader Tony Gentsch.

Neonazistische Prominenz im Landesvorstand

Tony Gentsch, der für die Partei bereits im Stadtrat Plauen und im Kreistag Vogtland sitzt, ist einer der aktivsten Neonazis des Dritten Wegs und wurde nun auch zum neuen Landesvorsitzenden gewählt. Gentsch war bereits einer der führenden Köpfe der Kameradschaft „Freies Netz Süd“, aus der später der Dritte Weg entstand, nachdem die Kameradschaft verboten wurde. Neben seinen Ämtern, die Gentsch für die Partei bestreitet, tritt er regelmäßig als Anmelder und Redner auf Demonstrationen der Partei auf.


Tony Gentsch am 01. Mai 2019 in Plauen, Foto: Tim Mönch

Als stellvertretender Vorsitzender wurde Manuel Ganser in den Landesvorstand gewählt. Ganser, der ursprünglich beim Dritten Weg in Baden-Württemberg aktiv war, ist seit seinem Umzug nach Sachsen fest in die Strukturen des Dritten Wegs in Zwickau eingebunden. Auch er ist regelmäßig auf Aufmärschen des Dritten Wegs anzutreffen oder ist in die Organisation von kleineren Veranstaltungen der neonazistischen Partei eingebunden. Zudem war Ganser 2019 Gast beim Kampfsportevent „Tiwaz“.

Bei rechten Kampfsportturnieren ebenfalls gern gesehener Gast ist David Dschietzig, der jetzt als Beisitzer in den Landesvorstand gewählt wurde. Dschietzig war 2018 in einem T-Shirt des Dritten Wegs beim „Tiwaz“-Turnier anwesend. Auch er kann auf eine lange Karriere in der sächsischen Neonaziszene zurückblicken. Begonnen bei der NPD-Jugendorganisation Junge Nationalisten, kandidierte er bereits 2009 für die NPD bei den Kommunalwahlen und nimmt seitdem regelmäßig an Szene-Aufmärschen teil. Bevor es ihn zum Dritten Weg verschlug, war Dschietzig Teil des Neonazimobs, der 2016 durch den Leipziger Stadtteil Connewitz zog und einen Straßenzug verwüstete. 2018 wurde Dschietzig am Amtsgericht Leipzig wegen besonders schweren Landfriedensbruchs zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt.

Zweiter Beisitzer des neuen Landesvorstands ist Udo Sieghart, der in der Vergangenheit mehrfach für die NPD bei Kommunal- und Landtagswahlen in Bayern und Sachsen antrat. Komplettiert wird die Führungsebene durch den Schatzmeister Thomas Heyer, der seit Jahren beim Dritten Weg im Vogtland aktiv ist.

Versuchter Strukturausbau des Dritten Weg in Sachsen

Seit Gründung des Dritten Wegs 2013 haben sich die Aktivitäten der Partei in Sachsen stark auf die vogtländische Kreisstadt Plauen konzentriert. Dort schaffte es die Partei in den vergangenen Jahren dafür umso mehr, gefestigte Strukturen aufzubauen. Die Partei kann in der Stadt gleich auf zwei Immobilien zurückgreifen und hat mit Tony Gentsch den Sprung in die Kommunalpolitik geschafft. Zudem finden regelmäßig kleinere Kundgebungen und Demonstrationen statt und es werden Vorträge und vermeintlich soziale Hilfsaktionen (nur für Deutsche) organisiert.

In Zwickau versuchte der Dritte Weg in den vergangenen Jahren, diesen Erfolg zu wiederholen. Zwar gibt es dort noch keine parteieigene Immobilie, doch rund um Manuel Ganser hat sich ein fester Kern von Neonazis gebildet, der es beispielsweise schafft, regelmäßig kleinere Kundgebungen zu organisieren.

Die Aktivitäten der Partei in den anderen Regionen Sachsens tendieren hingegen gen Null. Lediglich eine größere Demonstration am 1. Mai 2018 in Chemnitz und Kleinstaktionen in anderen Landkreisen können die Neonazis vorweisen.

Dass der Fokus der Parteiarbeit im Südwesten des Bundeslandes liegt, zeigt sich nun auch bei Gründung des Landesverbands. Vier der fünf Vorstandsmitglieder kommen aus Plauen, Zwickau oder Umgebung. Der neue Landesvorsitzende Gentsch erklärte zwar, dass man neue Stützpunkte gründen und die bereits vorhandenen weiter unterstützen wolle, doch dass sich der Dritte Weg in anderen Regionen Sachsens ähnlich stark etablieren kann wie in Plauen, ist auch mit einem neuen Landesverband äußerst unwahrscheinlich. Der Hauptgrund für die jetzige Landesverbandsgründung dürfte vielmehr darin liegen, dass man zukünftig wieder bei Wahlen antreten möchte – auch, um den Parteienstatus nicht zu gefährden.

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