Nach Razzia gegen „Thiazi-Forum“: Mutmaßlicher Drahtzieher aus M-V vom Dienst als Erzieher suspendiert

Am Donnerstag führte das Bundeskriminalamt eine großangelegte Razzia gegen die größte deutschsprachige Neonazi-Internetplattform „Thiazi-Forum“ durch. Dabei wurde ein 30-jähriger Erzieher aus Mecklenburg-Vorpommern verhaftet. Noch am selben Tag suspendierte ihn die Stadt Barth vom Dienst.  

Samstag, 16. Juni 2012
Marc Brandstetter
Nach Razzia gegen „Thiazi-Forum“: Mutmaßlicher Drahtzieher aus M-V vom Dienst als Erzieher suspendiert
Im Rahmen der Razzia gegen eines der größten rechtsextremistischen Internetforen, dem „Thiazi Forum“, war auch ein 30-jähriger Erzieher aus Mecklenburg-Vorpommern festgenommen worden. Er gilt laut Bundeskriminalamt (BKA) als Drahtzieher hinter dem rechtsextremistischen Kommunikations- und Propagandainstrument. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seit Jahren für das Forum verantwortlich zu sein. Der Mann steht im Verdacht, gemeinsam mit Gesinnungsgenossen eine „kriminelle Vereinigung“ gebildet zu haben.

Insgesamt 26 Personen werden beschuldigt, mehr als 2.400 Liedtexte von Tonträgern und mehr als 1.400 Tonträger zum Download angeboten zu haben. In einer Vielzahl der Liedtexte würde zum Hass gegen Ausländer, Juden und Menschen anderer Hautfarbe angestachelt und zu gewalttätigen Übergriffen gegen diese aufgerufen. Zudem seien auf der Internetseite menschenverachtende Beschimpfungen zu lesen, der Holocaust werde geleugnet und die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft verherrlicht, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft Rostock gemeinsam mit dem BKA mit.

Wie das Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales gestern verlauten ließ, zog die Stadt Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen), in deren Hort „Villa Kunderbunt“ der mutmaßliche Hauptbeschuldigte seit sieben Jahren als Erzieher arbeitete, umgehend die Konsequenzen und suspendierte ihn noch am Tag seiner Festnahme vom Dienst. Ministerin Manuela Schwesig lobte das schnelle Eingreifen der Kommune. Extremisten würden in den Kitas des Landes nicht geduldet.

Die Leitung des städtischen Hortes, in der 240 Kinder betreut werden, war nicht zu erreichen. Der Bürgermeister der Stadt in Vorpommern, Stefan Kerth, zeigte sich entsetzt. Er sagte gegenüber der taz: „Die Kolleginnen hätten nie gedacht, dass Herr R. ein Rechtsextremist ist, ihn hätten sie sich als Letzten als Rechten vorstellen können.“ Und weiter: „Die Leiterin wie alle Mitarbeiterinnen sind wirklich aufgelöst. Sie fragen sich auch, was sie vielleicht übersehen haben könnten.“ Noch am Donnerstag sei man zu einer Dienstbesprechung zusammengekommen. Am Freitag sollten die Eltern in einem Elternabend dann informiert und auf ihre Bedenken eingegangen werden.

Für die Neonaziszene bedeutet die Razzia einen schweren Schlag. Das „Thiazi-Forum“ war das größte und am meisten frequentierte deutschsprachige rechtsextremistische Internetforum. Die Teilnehmer tauschten dort Infos aus, posteten Veranstaltungseinladungen und -tipps oder diskutierten über politische Themen. Das Forum ist nach wie vor offline.

Foto: Screenshot
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