von Redaktion
   

Nach rassistischter Hetze: NPD bietet Meißner CDU-Stadtrat Parteibuch an

Der Meißner CDU-Stadtrat Thomas Tallacker verbreitete vergangene Woche bei Facebook Hetztiraden gegen Asylbewerber. Am Freitag musste er seinen Rücktritt verkünden und sandte einen Entschuldigungsbrief an den Meißner Oberbürgermeister. Nun bietet ihm die NPD ihr Parteibuch an.

Ein Bekannter von Thomas Tallacker habe vergangene Woche über Facebook einen Focus-Artikel verbreitet, in dem berichtet wurde, dass in einer schweizer Kleinstadt Asylbewerber nicht ohne Begleitung ins Schwimmbad gehen dürfen. Der CDU-Stadtrat aus Meißen kommentierte den Beitrag mit den Worten „Find ich gut, was wollen wir mit dem zu 90 % ungebildeten Pack was hier nur Hartz 4 kassiert und unseren Sozialstatt [sic] ausblutet“, so berichtet die Sächsische Zeitung.

Nachdem diese Äußerungen für Wirbel gesorgt hatten, stand Tallacker am Donnerstag noch zu seiner Meinung und habe der SZ erklärt, dass ihm bewusst sei, dass „jeder das lesen kann“.  Auch der CDU-Fraktionschef im Stadtrat, Falk Werner Orgus, habe zunächst nichts Verwerfliches an den Äußerungen gefunden. Es sei eine private Aussage gewesen, die ihn nichts anginge. Am vergangenen Freitag verkündete Tallacker dann seinen Rücktritt, was der Fraktionschef dann als „konsequent und richtig“ bezeichnet habe.

Die Stimmen aus den anderen Parteien sind äußerst kritisch. So sagte der Meißner Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos): „Ich finde es ekelhaft, dass solche Äußerungen durch einen Stadtrat öffentlich verbreitet werden.“ Sören Skalicks, Vorsitzender der Piraten Meißen, sagte der Sächsischen Zeitung: „Diese Äußerungen zeigen einmal mehr, wie tief Fremdenhass und Alltagsrassismus vor allem in der sogenannten „Mitte“ der Gesellschaft immer noch verankert sind und auch vor angeblich etablierten Parteien keinen Halt machen.“

Erfreut zeigte sich demgegenüber die NPD, die dem Stadtrat mittlerweile ihr Parteibuch angeboten habe. Die Einladung sei von dem NPD-Landtagsabgeordneten Jürgen Gansel ausgegangen. Zu Tallackers möglicher Zukunft bei den Rechtsextremen heißt es in einer Pressemitteilung: „Dort kann er ohne Selbstverleugnung offen gegen den deutschenfeindlichen Multikulturalismus Position beziehen und mit Gleichgesinnten gegen die Mißstände im Land arbeiten.“

Thomas Tallacker habe mittlerweile folgendes in einem Entschuldigungsbrief an den Meißner Oberbürgermeister Raschke geschrieben: „Ich habe sprachlich Grenzen überschritten, was mich in den Augen neutraler Nutzer zu einem Verbreiter von rassistischen Ansichten macht. Dies war nicht meine Absicht. Ich bedaure meine Handlungsweise, distanziere mich nunmehr von den Kommentaren. Klarstellen möchte ich an dieser Stelle, dass ich weder rassistischem Gedankengut anhänge noch hetzerische Kampagnen gegen ausländische Mitbürger unterstütze.“

Kommentare(2)

suse Montag, 12.August 2013, 11:12 Uhr:
Es ist doch immer das Gleiche...natürlich, nach außen hin wird sich distanziert vom rassistischen Gedankengut, aber bei solchen Aussagen zeigt sich doch das latent solche Ansichten im privaten Kontext leider völlig selbstverständlich sind
 
Brian Griffin Samstag, 17.August 2013, 17:02 Uhr:
@ suse:

Agreed. Und deswegen erachte ich es für unzureichend und sogar verlogen, sich im Kampf gegen Rassismus auf eine Kasperszene zu konzentrieren, bei der ohnehin schon nichts mehr zu retten ist. Wenn nicht aus der gesellschaftlichen Mitte selbst dauernd zugefüttert würde, bräuchte man sich über die Paranoia-Propaganda irgendwelcher Irrer wirklich gar keine Gedanken mehr zu machen.
Das Problem ist, dass Rassismus in der Gesellschaft eine kanalisierende und stabilisierende Rolle einnimmt. Es ist leichter, mit dem Finger auf Unschuldige zu zeigen als sich mit den tatsächlichen Gründen der Misstände zu beschäftigen. Und deswegen kann Frau Merkel auch weiterhin fein die Griechen und Spanier für den Nidergang Europas verantwortlich machen, ohen dass sich wirklich Stimmen bemerkbar machen. "Die Griechen sind faul und zahlen keine Steuern" ist doch viel eingänglicher als "wir haben uns mit dem Neoliberalismus in die Scheisse geritten und jetzt müssen das ausbaden". Bloss nichts an den Zuständen ändern. Und wenn dann doch mal Stimmen laut werden, übertönt man sie, indem man Ressentiments gegen andere schürt oder hirnverbrannte Extremismustheorien erfindet, um links mit rechts ohne Berücksichtung von Inhalten in eine Tüte zu stopfen, so dass die Argumentation gegen links über die Argumentation gegen rechts laufen kann.
Damit nährt man dann auch die Nazis, die dankbar diese Argumentation für ihre eigene Agitation nutzen. Und wer, der nicht schon bei demselben Mist aus dem Mund von Unions- oder SPD-Politikern das Kotzen gekriegt hat, würde dann so einfach dagegen argumentieren können?
 

Die Diskussion wurde geschlossen