von Redaktion
   

Nach Dresden kommt Chemnitz – Stadt und Zivilgesellschaft machen mobil gegen zweitgrößten Neonazi-Aufmarsch Sachsens

Unter dem Motto „Erinnerung verpflichtet“ wollen Hunderte Rechtsextreme am 5. März in Chemnitz aufmarschieren. Anlass ist der 68. Jahrestag der Bombardierung der Stadt. Aber auch ein breiter Gegenprotest formiert sich, wobei sich die Gegendemonstranten selten einig sind.  

Auch in diesem Jahr hat die „IG Stadtgeschichte Chemnitz“ einen Aufmarsch durch die Stadt Chemnitz angemeldet, um ihre geschichtsrevisionistischen Parolen verbreiten zu können. Der genaue Treffpunkt und die Route seien bisher noch unklar. Aber laut der Freien Presse sollen die ca. 400 Rechtsextremen wie schon im letzten Jahr nicht durch die Innenstadt marschieren können.

Aus Kreisen der Gegendemonstranten erfuhr ENDSTATION RECHTS., dass es als nahezu sicher gilt, dass die Neonazis dieselbe Route wie 2012 marschieren werden, d.h. vom Südbahnhof aus in Richtung Universität Reichenhainer Straße.

Um sich den Neonazis entgegenzustellen bzw. gegen Rechtsextremismus ein Zeichen zu setzen, haben die Chemnitzerinnen und Chemnitzer verschiedene Möglichkeiten. Zum einen ruft die Stadt Chemnitz, die AG Chemnitzer Friedenstag und der Verein „FUER CHEMNITZ e.V.“ zu breitem Protest auf.

Im vergangenen Jahr kamen über 3.000 Chemnitzer Bürgerinnen und Bürger auf den Neumarkt, viele über die – auch in diesem Jahr wieder stattfindenden – Friedenswege von den Chemnitzer Kirchen aus.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) fordert derweil die Bevölkerung auf, an den zahlreichen Veranstaltungen teilzunehmen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Rechtsextreme den 5. März für ihre ausländerfeindlichen Gedanken und Geschichtsfälschung missbrauchen. Am 5. März setzen die zahlreichen Veranstaltungen ein klares Zeichen für Toleranz, Miteinander und Demokratie.“

Zu dem Bündnis gehören Vertreter der demokratischen Fraktionen des Stadtrates, Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaft, Kultur, Sport, Wissenschaft, Kirchen, der Jüdischen Gemeinde, Initiativen, Vereinen und anderen Akteuren der Zivilgesellschaft.

Zwischen 10 Uhr und 21.30 Uhr können die Bürgerinnen und Bürger an der Gedenkfläche Friedenskreuz auf dem Neumarkt ihre Wünsche für den Frieden notieren und an dem Kreuz anbringen. Gleichzeitig werden ab 16.00 Uhr Bilder von Schülern und Kindergartenkindern zu sehen sein, die das Thema Frieden illustrieren.

Ab 18.00 Uhr findet dann ebenfalls auf dem Neumarkt die Kundgebung „Es ist unsere Stadt – Nazis haben hier keinen Platz“ statt. Nach der Begrüßung durch die Oberbürgermeisterin ist eine Rede des Rektor der TU Chemnitz, Dr. Arnold van Zyl, sowie ein künstlerisches Programm durch den Opernchor der Städtischen Theater Chemnitz, den Chor „Schir Semer“ der Jüdischen Gemeinde Chemnitz, das Blechbläser-Ensemble der Robert-Schumann-Philharmonie und anderen Künstlern geplant. Abschließend findet um 21.00 Uhr ein Gedenkgeläut aller Chemnitzer Kirchen statt.

Neben dem städtischen Programm hat das Bündnis „Chemnitz Nazifrei“, in dem verschiedene Vertreterinnen und Vertretern von politischen Jugendorganisationen, parteinahen Stiftungen, Gewerkschaften und Vereinen aktiv sind, ebenfalls zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Diese startet um 16.00 Uhr am Hauptbahnhof und führt dann über den Innenstadtring in Richtung Zentrum. 

Eine Solidarisierung mit dem Aufruf der Oberbürgermeisterin wurde nach internen Debatten abgelehnt, wobei jedoch einzelne Bündnismitglieder namentlich unter den städtischen Aufruf gingen, nicht jedoch das Bündnis als solches.

„Chemnitz nazifrei“ ruft indes dazu auf, „sich kreativ, bunt und lautstark den Nazis entgegenzustellen“.“Kommt nach vorn!“ verdeutlicht den Ansatz des Bündnis: Es gibt keinen direkten Aufruf zur Blockade; jedoch solidarisiert man sich mit „allen Formen des Protest, von der Plakataktion bis hin zum zivilen Ungehorsam der Blockade“.

Für Irritationen sorgte deshalb in den letzten Wochen innerhalb des Bündnisses, dass eine weitere Gruppe auch zum Hauptbahnhof mobilisiert – und dabei zur Blockade aufruft. Die Aktion der Gruppe „Nazis in Chemnitz blockieren 2013 (nicb2013)“ steht dabei unter dem Motto: „Deutsche Täter_innen sind keine Opfer“. Unterzeichnet ist der Aufruf von der „Antifaschistischen Aktion“, die parallel auch unter dem Aufruf des Bündnis „Chemnitz nazifrei“ steht und von der offensichtlich niemand weiß, wer sich dahinter verbirgt.

Eine dritte Demonstration wird von Studenten der TU Chemnitz durchgeführt, die 17.00 Uhr in der Reichenhainer Straße starten und dann in die Innenstadt führen soll. Außerdem wird vom RLS Sachsen und dem Verein Kinder-, Jugend- und Familienhilfe e.V. ein Friedensfest im Internat für sprach- und hörgeschädigte Kinder und Jugendliche in der Bernsdorfer Straße veranstaltet. Beide Veranstaltungen befinden sich auf und/oder am Rande der geplanten Route der Rechtsextremen.

Kommentare(1)

Karla Uhlig Sonntag, 03.März 2013, 09:26 Uhr:
Ja!!! Alle Menschen wollen eigentlich und Brauchen doch den Frieden außen UND innen.Ich willauch dabei sein an der Friedensfeier Abends: Danke für die Organisation
 

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