von Marc Brandstetter
   

Nach Ausstieg: Andreas Molau als neuer Prügelknabe der Szene

Das „Aussteiger-Thema“ bestimmt weiter die politische Agenda. In rechten und rechtsextremen Kreisen stößt die schwierige Situation einiger Aussteiger, die oft weiterhin mit einer Ablehnung der Gesellschaft konfrontiert sind, auf Genugtuung. Dort wird die gesellschaftliche Skepsis in eine Bestätigung der eigenen Weltanschauung umgedeutet, wie jüngst in einem offenen Brief der „Jungen Freiheit“ geschehen, der sich an Andreas Molau richtet. Auch die NPD tritt kräftig nach. 

Einst galt Andreas Molau als einer der intellektuellen Hoffnungsträger der umstrittenen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF). Bereits während seines Studiums heuerte der spätere Waldorflehrer bei dem Blatt an. Ideologisch war der 1968 in Braunschweig geborene Publizist bereits in einen nationalistischen Weltbild gefangen, nicht umsonst beschäftigte sich seine Staatsexamensarbeit mit dem Chefideologen des Nationalsozialismus, Alfred Rosenberg.

Bei der JF verantwortete Molau das Kulturressort. Doch bereits nach vier Jahren war 1994 Schluss, nach einem internen Streit stellte ihm die Chefredaktion den Stuhl vor die Tür. Molau setzte sich für die Veröffentlichung eines Artikels ein, der die „Instrumentalisierung des Holocaust“ thematisierte. Wenngleich der Beitrag nicht aus seiner Feder stammte, warfen ihm seine Widersacher mangelnde Distanz zu revisionistischen Thesen vor. Nach seinem Ausstieg aus der rechtsextremen Szene sagte Molau, der nach seinem Engagement bei der „Jungen Freiheit“ auch Gastspiele bei der NPD, der DVU und Pro NRW gab, in einem Interview, er sei bei der JF der „radikalere“ Part gewesen, während sein Chefredakteur Dieter Stein eher die gemäßigtere Richtung vertreten habe.

Nach seiner Abkehr von menschenverachtendem Gedankengut – Molau gestand ein, seine politische Anschauung sei „im Kern nicht richtig gewesen“ – hatte der studierte Germanist Probleme, in der demokratischen Gesellschaft Fuß zu fassen; diese wollte ihm keine zweite Chance zuerkennen. Resigniert stellte er in einem Zeit-Interview fest, auf dem Arbeitsmarkt sei er „unvermittelbar“.

Bei seinen ehemaligen JF-Kollegen löste der harte Aufprall Molaus in der Realität klammheimliche Schadenfreude aus. Denn die schwierige Situation ihres ehemaligen Kulturredakteurs sieht die JF als symptomatisch an für die in ihren Augen verkommene BRD-Gesellschaft, der sie ihr eigenes ultrakonservatives Weltbild entgegensetzen. So jedenfalls geht es aus einem Offenen Brief hervor, den Baal Müller, der ebenfalls für die „Sezession“ schreibt, in der Onlineausgabe der neurechten Zeitung veröffentlichte.

Müller wirft dem „lieben Andreas Molau“ vor, dieser habe gehofft, „an die Fleischtöpfe der Integrations- oder Kampf-gegen-rechts-Industrie herangelassen zu werden“, was der angesprochene bestreitet. Er wolle nicht als „Ausstiegsnutte“ enden. „Nachdem ich mich 30 Jahre als Nazi definiert habe, mag ich nicht weitere 30 Jahre dasselbe mit umgekehrtem Vektor tun – also bis an mein Lebensende als Exnazi auftreten“, so der 45-Jährige in der Zeit. Außerdem sei Molaus „vorläufig letzten Gesinnungswandel zum besorgten Demokraten“ ihm nicht abzunehmen, wirft ihm Müller weiter vor. Der Aussteiger sehne sich nach Heimat und Identität. Die werde er „bei denen, die jede Heimat und jede Identität `dekonstruieren´“, nicht finden.

Die NPD, als deren Bundesvorsitzender Molau vor wenigen Jahren im Gespräch war, spart ebenfalls nicht mit Häme. Der „Gebrauchswert des politischen Fallobstes“ sei überschritten, teilte der Schweriner Landesverband mit, für dessen Parlamentsfraktion Molau einst als Pressesprecher tätig war. Der ehemalige „Kamerad“ diene nur noch als „abschreckendes Beispiel für mögliche weitere Aussteiger“. Ohne antisemitische Zwischentöne kommen die Hardliner, die tief in neonazistischen Denkmustern stecken, nicht aus. Deshalb sprechen sie die Empfehlung aus, Molau könnte doch zum jüdischen Glauben übertreten, um in einer Talmud-Schule zu unterrichten. 


Kommentare(2)

paul.pa Donnerstag, 30.Mai 2013, 22:45 Uhr:
Der Kommentar von Herrn Baal Müller scheint mir nicht so daneben zu liegen.
 
Dresdner Freitag, 31.Mai 2013, 21:32 Uhr:
@ paul.pa

Ihre Kommentare scheinen mir grundsätzlich daneben zu liegen. Lesen Sie mal den Brief von Molau und Rochow, so viel Substanz bringen Sie mit all Ihren ER-Postings nicht zusammen.
 

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