von Oliver Cruzcampo
   

Nach AfD-Rückzug: Poggenburg verlässt auch ADPM

Vor gerade einmal acht Monaten gründete André Poggenburg den „Aufbruch deutscher Patrioten“, nachdem er zuvor die AfD verlassen hatte. Doch am Wochenende verließ der Parteivorsitzende überraschend seine neue Partei. Zuvor hatte er zur Auflösung und Wahl der AfD aufgerufen – doch die Parteibasis konnte Poggenburg nicht überzeugen.

Wohin zieht es André Poggenburg diesmal? Foto: Thomas Witzgall

Der Bundesvorsitzende der Partei „Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland“, André Poggenburg, hat seiner Partei den Rücken gekehrt. Auf einer Sonntagabend auf Facebook verbreiteten Pressemitteilung wird über den Schritt informiert.

Darin heißt es, dass Parteichef Poggenburg zusammen mit seinem Stellvertreter Egbert Ermer auf einem Parteitag am Wochenende per „nicht angekündigtem Antrag“ dazu aufgerufen hätten, die Partei zum 31. August aufzulösen und stattdessen die AfD zu wählen. Doch eine „überwältigende Mehrheit“ der Mitglieder hätte beschlossen, sich nicht mit dem Antrag zu befassen.

Beweggründe „sehr ungenügend“ dargelegt

Daraufhin seien sowohl Poggenburg als auch Ermer mit sofortiger Wirkung von den Parteiämtern zurückgetreten. Zuvor seien Nachfragen zu den Beweggründen „sehr ungenügend“ beantwortet worden.

Damit kehrt Poggenburg innerhalb weniger Monate nach der AfD nun auch seiner Parteineugründung den Rücken. Zum Hintergrund des überraschenden Rückzugs ist bislang nichts bekannt. Poggenburg hat bislang kein Statement o.ä. veröffentlicht, es sind jedoch Stellungnahmen angekündigt. Auch soll er zur Wahl der AfD aufgerufen haben. Ob sich Poggenburg somit seiner alten Partei wieder annähern möchte, ist unklar.

Der 44-Jährige hatte sich im vergangenen Jahr mit mehreren AfD-Funktionären überworfen, war dann auch vom Vorsitz der Fraktion und des Landesverbandes in Sachsen-Anhalt zurückgetreten. Anfang 2019 gründete Poggenburg schließlich die Partei „Aufbruch deutscher Patrioten“, die nach einem Rechtsstreit mit der AfD schließlich in „Aufbruch deutscher Patrioten– Mitteldeutschland“ umbenennen musste.

Durch Kleinst-Kundgebungen in die Öffentlichkeit

Die Kleinstpartei besteht bislang lediglich aus dem Landesverband Sachsen und tritt dort auch zur Landtagswahl in drei Wochen an. Vor diesem Hintergrund dürften der nicht-erwartete Vorstoß Poggenburgs bei etlichen Mitgliedern für Unmut gesorgt haben. In den sozialen Medien reagieren Parteimitglieder mit einer Mischung aus Trotz und Durchhalteparolen. „Eure zurückgetretenen Funktionäre haben (...) erkannt, dass der ADPM gescheitert ist“, kontert ein anderer Nutzer.

Reale Chancen auf das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde hatte der politisch noch weiter nach rechts gerutschte ADPM ohnehin nicht, nach dem Weggang Poggenburgs – ihrem einzigen bekannten Aushängeschild – dürfte nun auch die Ein-Prozent-Grenze, und somit die Teilnahme an der staatlichen Parteienfinanzierung, alles andere als sicher sein.

In der Öffentlichkeit war der ADPM in den vergangenen Wochen vor allem durch auf Provokation ausgerichtete Mini-Kundgebungen in Leipzig wahrnehmbar. Diese sollten im linksalternativen Stadtteil Connewitz stattfinden, wurden jedoch verlegt. Erst Anfang August teilte die Polizei mit, dass sie eine Rede Poggenburgs prüfen wolle, es geht um Volksverhetzung. Nach DPA-Informationen soll er Gegendemonstranten das Recht auf Leben abgesprochen haben.

Keine Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen