von Oliver Cruzcampo
   

Mvgida: Wo sind die „besorgten Bürger“ geblieben?

Mvgida macht es der großen Schwester aus Dresden nach und radikalisiert sich weiter. Die Transformation zu einer Neonazi-Veranstaltung ist so gut wie abgeschlossen.

„Wir sind die Guten“, erklärte Parteikader Andreas Theißen den Mvgida-Sympathisanten die Welt. Erstmals nach wochenlangem Verstecken unter Kapuzen und Abschirmen durch weitere Organisatoren geben sich die NPD-Funktionäre offen zu erkennen. Theißen als Mitarbeiter von Udo Pastörs und Antje Mentzel als Chefin der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ werden an dem Tag nicht nur die einzigen Redner, sondern sind auch maßgeblich in die Durchführung der Veranstaltung eingebunden sein.

Nach den regelmäßigen Aufmärschen in Stralsund und Schwerin beziehungsweise einem Kurzbesuch in Rostock sollte es vergangenen Sonntag nach Güstrow gehen. Seit Wochen treibt dort die rechtsextreme Szene ihr Unwesen, baut Bedrohungsszenarien auf und mobilisiert zu „Bürgerwehren“.

Dieser Fokus in der Öffentlichkeit ist Mvgida längst abhanden gekommen und aufgrund großer inhaltlicher und personeller Überschneidungen ein willkommenes Geschenk. Beide Seiten mobilisierten, am Ende tauchten rund 170 vorwiegend junge Männer auf, darunter etliche Thor Steinar-Träger, weitere Szene-Klamotten ergänzten das Sortiment.

Die hiesigen Neonazis bestimmten während des „Spaziergangs“ schnell die äußere Wahrnehmung: „Antifa-Hurensöhne“, „Lügenpresse“ und „Kameramann - Arschloch“ schallte es durch die Gassen. Selbst der militante Theißen sah sich gezwungen, per Mikro um etwas „Zurückhaltung“ zu bitten.

Unweigerlich drängt sich die Frage auf: Was unterscheidet Mvgida noch von Aufmärschen der rechtsextremen Szene? Die Antwort: nichts. Die schleichende Übernahme der „Spaziergänge“ durch die NPD sorgte nicht nur für eine zunehmende Radikalisierung – auch die „besorgten Bürger“, die anfangs noch eine durchaus wahrnehmbare Größe bildeten, sich fast vollständig weggebrochen. Bis auf einzelne Verirrte, die sich weiterhin durch Neonazis instrumentalisieren lassen, ist in Mecklenburg-Vorpommern die Transformation abgeschlossen.

Für die NPD neigt sich das Kapitel Mvgida zunehmend dem Ende entgegen. Denn aufgrund der offenen Unterwanderung bleibt letztendlich nur noch der harte Kern übrig. Und diese radikale Schicht dürfte bereits vor dem Aufkommen des Pegida-Phänomens ihr Kreuz bei der NPD gemacht haben.

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