von Redaktion
   

Mvgida-Organisator steigt aus

Enrico Naumann, Organisator der islamfeindlichen Mvgida-Demos in Mecklenburg-Vorpommern, zieht sich offenbar zurück. Es sei nicht gelungen, sich von der teilweisen Unterwanderung der rechten Szene zu distanzieren. Ähnlich wie in Dresden wird nun befürchtet, dass sich der Ableger weiter radikalisiert.

Bisheriger Mvgida-Organisator Enrico Naumann

In einer am Freitagmorgen u. a. auf Facebook veröffentlichten Stellungnahme schreibt Enrico Naumann, dass er sich aus dem Organisations-Team von Mvgida zurückziehen will. Als Grund gibt der Stralsunder an, dass es in den vergangenen Wochen nicht gelungen sei, „die breite Mittelschicht der Gesellschaft zu erreichen“.

Seit der ersten Demonstration Mitte Januar war Naumann das einzig bekannte Gesicht des Organisationsteams; er meldete die jeden Montag stattfindenden Veranstaltungen an, trat auch als Versammlungsleiter auf. Nun sollen andere Personen übernehmen, Namen will Naumann jedoch keine nennen. Auf der Facebook-Seite von Mvgida heißt es, dass trotz der „organisatorischen Änderung [...] alle Veranstaltungen wie gewohnt weiter“ stattfinden würden.

Kommenden Montag will Naumann nach eigener Aussage das letzte Mal als Anmelder in Stralsund auftreten. Doch auch die bis Anfang Mai angemeldeten Demonstrationen in Schwerin laufen bislang weiter auf den Namen des 38-Jährigen.

In der Stellungnahme heißt es weiterhin, dass es nicht gelungen sei, „sich von bestimmten Gruppierungen zu distanzieren“, die Rede ist von einer „einer frühen Dominanz der Bewegung durch die NPD und rechte Kameradschaften“. Naumann selbst sieht sich nicht als „Rechter“. „Ich bin ein Patriot, aber kein Nazi,“ erklärt der Stralsunder.

NPD: Bundesweite Unterstützung für Pegida

Zivilgesellschaftliche Bündnisse und Lokalpolitiker hatten Mvgida immer wieder eine wenig glaubwürdige Distanzierung von rechts vorgeworfen. Zwar sei laut der Veranstalter „politischer Extremismus“ unerwünscht, konsequent umgesetzt wurde diese Forderung jedoch nie. Zuletzt wurde wieder vermehrt die NPD in die Durchführung der „Spaziergänge“ eingebunden. Andreas Theißen, Wahlkreismitarbeiter des NPD-Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs, richtete sich in Rostock per Mikrofon direkt an die Anhänger, in Schwerin dirigierte Fraktionsmitarbeiter Michael Grewe die Teilnehmer.

Erst am Mittwoch hatte die NPD im Schweriner Landtag einen Antrag zu Mvgida eingebracht und gefordert, deren Programmpunkte „ergebnisoffen zu diskutieren“. „Die gegen das deutsche Volk gerichtete Einwanderungs- und Asylpolitik“ würde laut der rechtsextremen Partei „einen Import struktureller Gewalt gegen unsere Nation“ darstellen. Daher würde, so Fraktionschef Pastörs, die NPD das Projekt „bundesweit unterstützen“. „Die wirklichen Faschisten und Nazis, das sind Sie“, diffamierte der verurteilte Rechtsextremist vom Podium aus die demokratischen Landtagsabgeordneten – und kassierte dafür einen Ordnungsruf.

Mvgida thematisierte den Antrag später in einer kurzen Stellungnahme, in der es hieß, dass sich 66 von 71 Abgeordneten „vehement geweigert“ hätten, die Programmpunkte zu diskutieren. Dass es sich dabei um einen NPD-Antrag und bei den fehlenden fünf Angeordneten ausschließlich um die Fraktion der Rechtsextremen handelte, wird geflissentlich verschwiegen.

Ob es den neuen anonymen Organisatoren in den kommenden Wochen gelingen wird, den Aufmärschen neuen Elan zu verleihen, wird bezweifelt. Die Teilnehmerzahlen sind auf rund 200 bis 250 Personen zurückgegangen, auch die gewünschten Dialoge mit der Politik konnten bislang nicht umgesetzt werden.

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