von Oliver Cruzcampo
   

Mvgida fest in NPD-Hand

Mit Neonazis habe man nichts zu tun, lautet bis heute das Credo von Mvgida. Doch die Aussage wird immer mehr zur Farce. Die NPD hat die „Spaziergänge“ nahezu komplett in ihrer Hand – und stellt neben Rednern und Logistik nun auch Anmelder.

Die RNF-Landesvorsitzende Antje Mentzel

Das letzte Zusammenkommen der Mvgida-Anhänger stellte einen neuen Tiefpunkt dar: Lediglich 150 Teilnehmer fanden sich am Montagabend in Stralsund ein, um für deren Interessen durch die Straßen zu ziehen. Auch den Regionalmedien sind die Aufmärsche mittlerweile maximal eine Randnotiz wert.

Mitte März hatte sich bereits der bis zu dem Zeitpunkt als Anmelder agierende Enrico Naumann zurückgezogen. Der Stralsunder, der in der gesamten Zeit als einziger aus dem Organisationsteam bekannt wurde, trat zurück, da es nicht gelungen sei, „sich von bestimmten Gruppierungen zu distanzieren“. Der 38-Jährige sprach weiter von „einer frühen Dominanz der Bewegung durch die NPD und rechte Kameradschaften.“

Beobachter hatten vermutet, dass die neuen Organisatoren die Aufzüge weiter radikalisieren würden und sehen sich nun zunehmend bestätigt. So hat die NPD bis zuletzt versucht, ihren Einfluss auf den Pegida-Ableger zu kaschieren – oder zumindest nicht allzu deutlich zu Tage treten zu lassen. Doch von dieser Zurückhaltung ist kaum noch etwas zu spüren.

NPD-Kader ziehen Fäden

Mittlerweile übernehmen Parteifunktionäre die Anmeldungen der Versammlungen – im Fall von Stralsund Antje Mentzel, Landesvorsitzende der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“. Für die letzte als auch die kommende Demonstration fungiert die 32-Jährige als Anmelderin. Zudem tritt Mentzel, die früher in einer Rostocker Kameradschaft aktiv war und sich bereits wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten musste, bereit seit etlichen Wochen als Rednerin auf den „Spaziergängen“ auf. Dabei legt die NPD-Funktionärin auffällig viel Wert darauf, ihr Konterfei vor Pressevertretern bedeckt zu halten.


Der mehrfach vorbestrafte Neonazi Lutz Giesen am Mikrofon, Foto: jwo

Mit dieser Vorgehensweise steht sie nicht alleine da. Auch Andreas Theißen, Wahlkreismitarbeiter des Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs, war Anfang März kaum zu erkennen. Mit tief bis ins Gesicht gezogener Kapuze hielt der NPD-Kader seine Reden auf der bisher einzigen Mvgida-Demonstration in Rostock. In den kommenden Wochen zeichnete sich immer mehr ab, wie sehr Theißen in die Organisation eingebunden ist. Er dirigiert, teilt ein, legt fest. Direkt neben ihm Udo Pastörs und wohl auch nicht zufällig der NPD-Landesorganisationsleiter Michael Grewe. In Schwerin trat zuletzt mit Lutz Giesen ein weiterer prominenter Neonazi ans Mikrofon und durfte über die gesamte Strecke seine Ansichten von „Asylmissbrauch“ und „Wirtschaftsflüchtlingen“ preisgeben. Auch dem ehemaligen Fraktionsmitarbeiter der rechtsextremen Partei war sichtlich daran gelegen, möglichst unerkannt zu bleiben.

Mvgida ratlos

Die Parteikader, die auf anderen öffentlichen Veranstaltungen an vorderster Front marschieren, geben sich ungewöhnlich öffentlichkeitsscheu und zurückhaltend. Das Konstrukt der „Bürgerbewegung“ soll möglichst lange aufrechterhalten werden. Zeitgleich will die NPD den Teilnehmern der Montagsdemos unterschwellig zu erkennen geben: „Wir sind für euch da. Die Blockparteien interessieren sich nicht für euch – wir hingegen haben jederzeit ein offenes Ohr.“

Die Dominanz der Rechtsextremisten auf der Mvgida dürfte neben dem generellen Rückgang der Teilnehmerzahlen den Schritt in die Bedeutungslosigkeit vorangetrieben haben. So sieht man sich mittlerweile gezwungen, die eigenen Sympathisanten um Rat zu bitten. „Wie können wir gemeinsam, die politische Arbeit unserer Bürgerbewegung optimieren und verbessern“, wird in einem aktuellen Post auf der Facebook-Seite gefragt.

Eingeleitet wird das Mvgida-Statement mit der von Politik und politischem Gegner viel geforderten Abgrenzung von der rechtsextremen Szene: „Wir haben uns distanziert“. Die Frage ist: wovon?

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